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Geldpolitik Ökonomen kritisieren zuviel Kommunikation der EZB

05.05.2006 ·  Die EZB kommt unter ungewöhnliche Kritik. Bemängelten EZB-Beobachter bislang eher, daß die Zentralbank zu wenig Informationen gebe, wird ihr nun auch das Gegenteil vorgeworfen.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) kommt unter ungewöhnliche Kritik. Bemängelten EZB-Beobachter bislang eher, daß die Zentralbank zu wenig Informationen gebe, wird ihr nun auch das Gegenteil vorgeworfen. "Es kann zu viel Kommunikation geben, vor allem hinsichtlich Hinweisen auf künftige Zinsentscheidungen des EZB-Rates", sagte Elga Bartsch von der Investmentbank Morgan Stanley auf der "ECB-Watcher-Konferenz" des Center for Financial Studies in Frankfurt.

Bartsch kritisierte, daß die EZB im April die Märkte mit dem Schwenk von einer vermuteten Zinserhöhung im Mai auf Juni völlig überrascht hatte. Sie empfahl der Bank, detaillierter über ihre geldpolitischen Einschätzungen zu informieren als zu versuchen, die Märkte hinsichtlich der exakten Termine künftiger Zinsschritte zu lenken. "Die Märkte müssen verstehen können, warum bestimmte Zinsentscheidungen getroffen werden", sagte Angel Ubide von Tudor Investments. Manfred J.M. Neumann von der Universität Bonn forderte, der EZB-Rat solle künftig schriftlich klarstellen, wie er die mögliche künftige Zinsentwicklung sehe. Solche Hinweise seien "nützlich, weil die EZB-Beobachter dann nicht mehr abhängig davon sind, was der Präsident auf der Pressekonferenz nach den Ratssitzungen sagt."

Zögerliche EZB

Der Ökonom kritisierte den aktuellen geldpolitischen Kurs: "Ich verstehe nicht, warum die EZB so zögerlich ist, den Leitzins anzuheben." Die Geldmenge entwickele sich außerhalb eines normalen Rahmens. Neumann empfahl der EZB, den Leitzins bis Dezember stufenweise von 2,5 auf mindestens 3,25 Prozent anzuheben. Bundesbankpräsident Axel Weber sagte auf der Frühjahrskonferenz seiner Institution in Eltville, die EZB habe hinsichtlich der Höhe einer Zinserhöhung im Juni alle Optionen offen. "Wir müssen das Liquiditätswachstum brechen."

Fed versus EZB, Amerika versus Euro-Raum

Der scheidende Chefvolkswirt der EZB, Otmar Issing, verteidigte die Bank auf der Frankfurter Konferenz gegen den Vorwurf, sie sei in ihrer Geldpolitik zu träge und unterstütze im Vergleich mit der amerikanischen Fed die Wirtschaft zu wenig. Nach seiner Einschätzung gründen die unterschiedlichen Reaktionen der beiden Zentralbanken auf den Aktienmarktcrash 2001 weniger in unterschiedlichen geldpolitischen Strategien. Sie spiegelten vielmehr wirtschaftliche Unterschiede wider. Der negative Nachfrageschock in Amerika sei teilweise durch Produktivitätswachstum ausgeglichen worden. Die Lohnstückkosten hätten sich abgeschwächt und schnelle Zinssenkungen der Fed erlaubt.

Dagegen habe sich im Euro-Raum das Produktivitätswachstum verlangsamt, die Lohnstückkosten seien gestiegen und die Inflation trotz schwächeren Wirtschaftswachstums auf Raten um 2 Prozent gestiegen. Deshalb habe die EZB nach 2001 vorsichtiger als die Fed reagieren müssen. Issing erklärte die Unterschiede zwischen den Währungsräumen mit den Rigiditäten an den Arbeits- und Gütermärkten hierzulande. Diese erlaubten ein dynamisches Produktivitätswachstum nicht und stünden einer entschiedenen geldpolitischen Reaktion entgegen.

Geldpolitik als Astrologie?

Athanasios Orphanides von der Fed warnte vor der Idee, Notenbanken sollten sich vor allem an der Konjunkturentwicklung orientieren. Die Unsicherheit über die Wirtschaftslage ist nach seinem Urteil viel zu groß, um eine sichere Basis für Zinsschritte zu geben. Schätzungen über die Auslastung der Produktionskapazitäten stellten sich im nachhinein häufig als völlig falsch heraus. Die Unterschiede zwischen Zentralbanken sieht Orphanides darin, ob sie sich auf der Astrologie ähnliche "optimale Kontrollexperimente" oder auf "einfache, robuste Regeln" verließen. Issing sah sich so bestätigt, daß die EZB mit ihrer Zwei-Säulen-Strategie, die der Geldmengenentwicklung eine herausragende Rolle zuweist, gut liege. Inflationsvorhersagen auf Basis monetärer Indikatoren hätten im Euro-Raum bislang bessere Ergebnisse gezeigt als herkömmliche Prognosen der künftigen Inflation.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 06.05.2006, Nr. 105 / Seite 14
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