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Geldpolitik / Konjunktur DIW: EZB muß Deflation verhindern

29.06.2005 ·  Die Europäische Zentralbank (EZB) muß nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit einer kräftigen Zinssenkung die Gefahr einer Deflation in Deutschland bekämpfen.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) muß nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit einer kräftigen Zinssenkung die Gefahr einer Deflation in Deutschland bekämpfen.

Deutschland stehe schon jetzt angesichts der geringen tatsächlichen Kerninflation gefährlich nahe an einer Deflation, sagte DIW-Konjunkturchef Alfred Steinherr am Mittwoch bei der Vorlage der neuen Wirtschaftsprognose des Instituts. "Die EZB muß und wird das berücksichtigen", sagte Steinherr.

Das DIW erwartet, daß die Zentralbank den Leitzins in den kommenden Monaten um 50 Basispunkte senken wird. Die Kerninflation - ohne Berücksichtigung volatiler Öl- und Lebensmittelpreise - in Deutschland werde in diesem Jahr nach der DIW-Prognose unter ein Prozent liegen. Die tatsächliche Inflation liege jedoch nahe null Prozent, weil die Statistik die Preissteigerung grundsätzlich etwas überschätze, heißt es.

Kräftiger Aufschwung bleibt aus

Nach der Prognose wird die schwache Binnennachfrage auch 2006 einem kräftigen Aufschwung in Deutschland im Wege stehen. Die Wirtschaft werde 2005 um 0,9 und 2006 um 1,5 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit werde erst 2006 sinken. Anfang des Jahres hatte das DIW für beide Jahre noch ein Wachstum von rund 2 Prozent erwartet.

„Deutschland steckt auch zur Jahresmitte 2005 in einem Jammertal", sagte DIW-Chef Klaus Zimmermann.

Im Gegensatz zum DIW bestätigte das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Mittwoch seine Prognose für das Wirtschaftswachstum 2005 von 1,1 Prozent. Für 2006 rechnet das IWH mit nur noch mit einem Wachstum von 1,5 nach zuvor 1,7 Prozent.

Außenhandel stützt

Nach Einschätzung der Institute wird die deutsche Wirtschaft auf absehbare Zeit von der Weltwirtschaft abhängig bleiben. „Gestützt wird die Entwicklung weiterhin von der Expansion im Außenhandel. Nach wie vor wird die Expansion von einer zu schwachen Binnennachfrage behindert", erläuterte das DIW. Während die Berliner Forscher 2006 sogar noch eine Beschleunigung des Exportwachstums von knapp sechs auf gut sieben Prozent erwarten, sagt das IWH eine Verlangsamung auf unter fünf Prozent voraus: „Mit dem Nachlassen des weltwirtschaftlichen Impulses wächst die Gefahr, daß sich das Zeitfenster für eine Beschleunigung der Binnenkonjunktur bald schließt.“ DIW-Konjunkturchef Alfred Steinherr bezweifelte sogar, daß der Funke vom Export überhaupt automatisch auf die Binnenkonjunktur überspringt: „Warum sollten wir mehr konsumieren, nur weil wir mehr exportieren?“

Der private Konsum wird den Instituten zufolge in diesem Jahr fast gar nicht und 2006 weniger als ein Prozent zulegen. „Erst mit einer deutlichen Verbesserung der Aussichten am Arbeitsmarkt im nächsten Jahr wird sich die Konsumlust erhöhen", schrieben die IWH-Forscher. Beide Institute gehen davon aus, daß die Firmen in diesem und im nächsten Jahr wieder mehr investieren werden. „Die Investitionen in Deutschland bewegen sich etwas, aber die Binnennachfrage - die Achillesferse der Wirtschaft - bleibt schwach", sagte Zimmermann. Die Institute sind sich einig, daß die Defizitquote in diesem und im kommenden Jahr die EU-Grenze von drei Prozent überschreitet.

„Ölpreis kann bei 100 Dollar landen“

Ein großes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sehen die Forscher in dem hohen Ölpreis. Das DIW etwa unterstellt in seiner Prognose, daß der Ölpreis von derzeit knapp 57 Dollar je Barrel auf 48 Dollar fällt. Sollte er aber dauerhaft über 70 Dollar steigen, würde er innerhalb eines Jahres 0,3 Prozentpunkte Wachstum kosten. „Der Ölpreis kann sogar genau so gut bei 100 Dollar landen", beschrieb Steinherr die hohe Unsicherheit der Prognosen.

DIW-Chef Zimmermann warnte vor der Hoffnung, ein Regierungswechsel könnte die Wirtschaft bereits 2006 beflügeln. „Hohe Erwartungen können höchstens ein Strohfeuer auslösen.“ Selbst wenn eine neue Regierung beherzt Reformen angehe, würden einige Jahre verstreichen, bis diese ihre volle Wirkung entfalten können.

Quelle: Reuters/Dow Jones / F.A.Z., 30.06.2005, Nr. 149 / Seite 15
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