09.03.2006 · Die japanische Notenbank hat am Donnerstag nach fünf Jahren angesichts steigender Verbraucherpreise und einer allgemeinen Konjunkturerholung beschlossen, ihre äußerst lockere Geldpolitik zu beenden.
Die japanische Notenbank (BoJ) hat am Donnerstag nach fünf Jahren angesichts steigender Verbraucherpreise und einer allgemeinen Konjunkturerholung eine Beendigung ihrer äußerst lockeren Geldpolitik beschlossen.
Mit sieben zu einer Stimme entschied der geldpolitische Ausschuß der Zentralbank, die faktische Nullzins-Politik zu beenden. Board-Mitglied Toshikatsu Fukuma habe aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Sitzung teilgenommen, hieß es.
Ein solcher Schritt könnte das erste Signal für eine künftige Zinserhöhung und ein Beleg dafür sein, daß Japans Notenbank eine sieben Jahre lange Bekämpfung der Deflation im Land erfolgreich hinter sich gebracht hat. Zudem wäre es ein deutliches Signal, daß eine Ära endet, in der die Geldbeschaffung weltweit wenig kostete. In den Vereinigten Staaten und der Euro-Zone sind die Leitzinsen in den vergangenen Monaten gestiegen.
Künftig steuert die BoJ ihre Politik wieder über den Tagesgeldsatz, der allerdings zunächst weiter nahe Null gehalten werden soll. Der Zinssatz soll später in Abhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung angepaßt werden.
Die BoJ hatte angekündigt, ihre Geldpolitik erst dann zu ändern, wenn sich die Jahresteuerung stabil über Null hält. Politiker hatten jedoch davor gewarnt, den hart errungenen Wirtschaftsaufschwung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht aus dem Tritt zu bringen.
Die japanischen Währungshüter hatten ihre lockere Geldpolitik 2001 als Notfallmaßnahme eingeführt, um in der bereits angeschlagenen Wirtschaft nach enormen Kreditausfällen eine Kreditknappheit zu vermeiden. Um die Wirtschaft aus dem Würgegriff der Deflation zu befreien, hat die Zentralbank die Wirtschaft seither direkt mit üppiger Liquidität versorgt.
„Wie es jetzt weiter geht, hängt davon ab, wie der Markt reagiert. Wenn die Aktienpreise stark fallen, wird sich der politische Druck auf die BoJ wahrscheinlich erhöhen, die Zinsen nicht zu schnell anzuheben“, sagte Hiromichi Shirakawa von UBS Securities. Er rechne vor Oktober nicht mit einer Erhöhung der Zinsen.
Der Aktienindex Nikkei weitete nach dem Beschluß seine Gewinne aus und schloß mit plus 2,6 Prozent bei 16.036 Punkten. „Das lag im Rahmen der Erwartungen“, sagte Volkswirt Satoru Ogasawara von Credit Suisse First Boston zur BoJ-Entscheidung. „Worauf sich der Markt am stärksten konzentriert, ist, wie die BoJ von jetzt an in ihrer Geldpolitik vorgehen wird.“ Die BoJ habe bereits angekündigt, die Zinsen noch eine Weile nahe der null Prozent zu halten. Auf Äußerungen zu kommenden Zinsentscheidungen richte sich nun die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte.
Der Yen purzelte indes zum Dollar: Die amerikanische Währung wurde mit 118,13 Yen gehandelt nach 117,84 Yen am Vorabend in New York. Der Euro stieg auf 140,88 Yen nach 140,49 Yen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2466 | −0,18% |
| Rohöl Brent Crude | 106,36 $ | −0,46% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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