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Geldpolitik Geldmenge wächst mit Rekordtempo

28.03.2007 ·  Die Geldmenge M3 im Euro-Raum wuchs im Februar mit 10 Prozent so schnell wie seit 1990 nicht mehr. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank.

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Das weiterhin hohe Wachstum der Geldmenge besiegelt nach Einschätzung von Analysten die nächste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Zuwachs der Geldmenge M3 beschleunigte sich im Februar auf 10,0 Prozent, wie die EZB am Mittwoch mitteilte (siehe FAZ.NET-Grafik). Übermäßige Geldversorgung führt nach Überzeugung der Zentralbank auf längere Sicht zu steigenden Preisen.

Erst im März hatte die EZB den Schlüsselzins zum siebten Mal seit Ende 2005 um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent erhöht, um die Inflation während des Aufschwungs zu dämpfen. „Ein Schritt auf vier Prozent dürfte als sicher gelten. Ein weiterer ist nicht auszuschließen“, sagte Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt von der Landesbank Baden-Württemberg. Die Wachstumsrate lag auf dem höchsten Stand seit Februar 1990.

Geldmengenwachstum seit Jahren zu hoch

EZB-Direktoriumsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo bekräftigte bei einem Vortrag in Madrid den Bedarf nach weiteren Zinserhöhungen. Die EZB-Geldpolitik unterstütze das Wachstum, das er als robust bezeichnete. Gleichzeitig bestehe weiterhin Inflationsgefahr.

Der gleitende Dreimonatsdurchschnitt (Dezember bis Februar) erhöhte sich im Jahresabstand auf 9,9 nach 9,7 Prozent im vorangegangenen Zeitraum. Das Geldmengenwachstum liegt schon seit Jahren weit über dem Referenzwert von 4,5 Prozent, bis zu dem die Geldversorgung nach Einschätzung der EZB nicht zu einem stärkeren Preisanstieg führt. Die EZB mahnt allerdings, ein einfacher Vergleich mit dem Bezugswert reiche nicht aus, um das Inflationspotenzial von M3 zu bewerten.

Analyst: Inflationsrisiken nicht gestiegen

Auch Commerzbank-Analyst Michael Schubert ist sich sicher, dass das Geldmengenwachstum verzerrt ist und die Jahresrate den Inflationsdruck überzeichnet. Zum einen würden die EZB-Zinserhöhungen selbst dazu führen, dass viel Geld in kurzfristigen, in M3 enthaltenen Zinsanlagen parken. Zum anderen habe der Aktienkurseinbruch Ende Februar die Investoren zu einer Flucht in sichere verzinsliche Vermögenswerte veranlasst.

M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit. Letztere weisen mit fast 30 Prozent das stärkste Plus aller Geldarten auf. „Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität bleiben, aber sie sind nicht weiter gestiegen“, lautete Schuberts Fazit.

Zinsgipfel noch nicht erreicht

Howard Archer, Analyst von Global Insight, fand in den Zahlen auch beruhigende Hinweise für die EZB. Wie am etwas langsameren Wachstum der Kreditvergabe zu erkennen sei, zeigten die Zinserhöhungen inzwischen Wirkung. „Aber auch sie ist noch stärker als es die EZB gern sehen würde“, sagte Archer. Die Vergabe von Bankkrediten an den privaten Sektor nahm um 10,3 nach 10,6 Prozent im Vormonat zu. Mit fast 20 Prozent weiteten sich die Firmenkredite mit ein bis fünf Jahren Laufzeit am stärksten aus.

Martin van Vliet von ING Financial Markets erklärte angesichts der Daten, dass die EZB den Zinsgipfel noch nicht erreicht habe. Das Jahreswachstum der Buchkredite an Private habe zwar das niedrigste Niveau seit Januar 2006 erreicht. „Doch dürften die erneut langsamer gewachsenen Ausleihungen an Private, die einen engeren Bezug zum Konjunkturzyklus haben als die Geldmenge, nicht ausreichen, um die EZB von einer Zinserhöhung auf 4,00 Prozent im zweiten Quartal abzuhalten“, meinte der Volkswirt.

Quelle: FAZ.NET mit Reuters und Dow Jones
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