14.12.2005 · Die amerikanische Notenbank hat die Leitzinsen noch einmal um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent angehoben. Volkswirte erwarten nun aber ein baldiges Ende der Zinserhöhungen im kommenden Jahr.
Die amerikanische Notenbank (Fed) hat wie vielfach erwartet ihren Leitzins weiter erhöht, dabei aber ein Ende der maßvollen Straffung ihrer Geldpolitik angedeutet. Sie signalisierte am Dienstag, daß der seit eineinhalb Jahren anhaltende Zinserhöhungszyklus zwar noch nicht zu Ende, aber in eine Endphase eingetreten sei.
Die Fed erhöhte den Leitzins das 13. Mal in Folge um 25 Basispunkte. Damit stieg der Schlüsselzins in der größten Volkswirtschaft der Welt auf 4,25 Prozent auf den höchsten Stand seit April 2001. Er liegt nun wieder um zwei Prozentpunkte höher als in der Euro-Zone. Die amerikanischen Börsen und Staatsanleihen zogen nach der Entscheidung an. Der Dollar gab nach.
Die Zins-Entscheidung des Offenmarktausschusses (FOMC) fiel einstimmig. In ihrer Erklärung verzichtete die Fed erstmals seit langem darauf, ihre Geldpolitik als locker zu charakterisieren - ein Zeichen dafür, daß die Zinsen auf ein normaleres Niveau als den Stand von einem Prozent gestiegen sind, den sie Mitte 2003 markiert hatten. Die Notenbank deutete jedoch zugleich an, daß mindestens noch eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte nötig sein könnte, um die Inflation im Zaum zu halten. „Der Ausschuß kommt zu dem Ergebnis, daß eine weitere maßvolle Straffung der Geldpolitik wahrscheinlich nötig sein wird, um die Risiken für das Erreichen eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums und einer Preisstabilität ungefähr im Gleichgewicht zu halten“, teilte die Fed mit.
Die Notenbank warnte, daß die hohen Energiepreise zum Inflationsdruck beitragen könnten. Doch trotz hoher Energiekosten und den Hurrikan-Folgen sei die amerikanische Wirtschaft auf einem solidem Wachstumskurs. „In den vergangenen Monaten ist die Kernrate der Inflation relativ niedrig geblieben und die langfristigen Inflationserwartungen bleiben begrenzt.“
Fed-Erklärung deutlicher als am Markt erwartet
Mit dem Wechsel in der Wortwahl könnte die Fed nach Einschätzung einiger Analysten auf die Ära nach dem amtierenden Fed-Präsidenten Alan Greenspan vorbereiten, der Ende Januar nach 18 Jahren in den Ruhestand geht. Sein designierter Nachfolger Ben Bernanke gilt im Gegensatz zu Greenspan als Verfechter eines öffentlich bekannten Inflationszieles, an dem die Notenbank ihre Geldpolitik ausrichten soll.
Der Chefvolkswirt von FTN Financial, Chris Low, nannte die Fed-Erklärung deutlicher als am Markt erwartet. Der Markt rechne nun mit zwei weiteren Zinserhöhungen um je 25 Basispunkte, die erste im Januar, die zweite im Juni. „Es ist eine leicht abgewandelte Sprache“, urteilte Kurt Karl, Chefvolkswirt bei Swiss Re in New York. „Sie näheren sich dem Ende der Zinserhöhungen, aber sie brauchen noch Zeit.“ Es sehe so aus, daß die Zinsen im Januar weiter angehoben werden. „Ich denke, es wird noch drei Zinsschritte geben. Bernanke kann nicht einfach sagen, 'es ist vorbei', wenn er antritt.“ Auch die Volkswirtin Elisabeth Denison von Dresdner Kleinwort Wasserstein erwartet eine weitere Zinserhöhung im Januar. Allerdings lasse die Fed-Erklärung Greenspan-Nachfolger Bernanke mehr Spielraum. „Wir rechnen im März mit einer weiteren Straffung, weil es weiter Aufwärtsrisiken für die Inflation gibt.“
Der Chefvolkswirt von Quicken Loans, Bob Walters sieht ebenfalls ein Ende der Zinserhöhungsphase in Aussicht. „Sie haben nicht signalisiert, daß die Zinserhöhungen vorbei sind, aber sie kommen dem näher.“ Ein bis zwei Anhebungen werde es wohl noch geben. Die Fed komme nun in einen Bereich, in dem die Geldpolitik neutral ist, „weder stimulierend noch restriktiv“.
Seit Juni 2004 hat die Fed die Zinsen von einem 46-Jahres-Tief von 1,00 Prozent schrittweise angehoben. Sie reagierte damit auf zunehmende Inflationsgefahren im Zuge des wieder anziehenden Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Anfang Dezember den Leitzins in der Euro-Zone um 25 Basispunkte angehoben, nachdem sie ihn seit Juni 2003 auf dem historischen Tief von 2,0 Prozent gehalten hatte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2466 | −0,18% |
| Rohöl Brent Crude | 106,36 $ | −0,46% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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