10.08.2006 · Die europäische Notenbank hält die Zinsen nach wie vor für niedrig. Ihre Experten erwarten ein höheres Wachstum und eine höhere Inflation als bislang vorhergesagt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hält weitere Zinserhöhungen für notwendig. Wenn sich die Prognosen der EZB zu Wachstum und Inflation bestätigten, sei eine weitere schrittweise Anhebung der Zinsen angebracht, heißt es in dem am Donnerstag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank.
Ökonomen gehen davon aus, daß die Zinsen im Euro-Raum bis Jahresende wegen der hohen Inflation und des robusten Wirtschaftswachstums auf 3,5 Prozent steigen werden.
EZB: Zinsniveau ist nach wie vor niedrig
Der EZB-Rat hatte vor einer Woche den Schlüsselzins zum vierten Mal seit Dezember 2005 angehoben und von 2,75 auf drei Prozent heraufgesetzt. Damit will die Notenbank die hohe Teuerung bekämpfen, die von den Rekordölpreisen angeheizt wird. Die Inflation hatte im Juli mit 2,5 Prozent weiter über der Zielmarke von knapp unter zwei Prozent verharrt.
Auch wegen der gut laufenden Konjunktur hält die EZB das bislang niedrige Zinsniveau nicht mehr für notwendig. Das Zinsniveau bezeichnete die EZB auch nach der erneuten Anhebung als „nach wie vor niedrig“. Es stimuliere weiterhin das Wirtschaftswachstum. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Konsumenten und schaffen so Anreize für Investitionen.
Inflations- und Wachstumsprognosen angehoben
Die vierteljährlich von der EZB befragten Analysten haben im Durchschnitt ihre Inflations- und Wachstumsprognose für den Euroraum für das laufende Jahr angehoben. Im Monatsbericht heißt es, die Experten rechneten jetzt für 2006 mit einer jahresdurchschnittlichen Inflation bei den Verbraucherpreisen von 2,3 Prozent.
In der Juni-Umfrage der EZB hatte sich noch ein Konsenswert von 2,1 Prozent ergeben. Für 2007 lautete die Durchschnittsprognose unter den etwa 90 Umfrageteilnehmern unverändert 2,1 Prozent. Die Ölpreise gelten der Umfrage zufolge als eine der Hauptursachen für den erwarteten Preisauftrieb.
Teuerungsrate könnte teilweise kompensiert werden
Den befragten Experten nach könnte der gestiegene Inflationsdruck jedoch durch einen stärkeren Euro-Wechselkurs und eine gewisse Wachstumsabschwächung kompensiert werden. Außerdem hätten die Umfrageteilnehmer deutlich gemacht, daß sie kein Risiko von Zweitrundeneffekten sehen, berichtet die EZB weiter.
Auch sei die Ansicht vertreten worden, daß sich die gemäßigte Lohndynamik im Euroraum inflationsdämpfend auswirkt. Für 2008 rechnen die Experten mit einem Rückgang der Teuerung auf 1,9 Prozent.
Hohe Ölpreise führen zu moderater Schätzung für 2007
Mit Blick auf das Wirtschaftswachstum im Eurogebiet ergab sich für 2006 die Prognose einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,2 Prozent verglichen mit 2,1 Prozent im Juni. Für 2007 revidierten die Experten ihre Schätzung etwas nach unten (auf 1,8 Prozent von 1,9 Prozent). Die Aufwärtskorrektur für 2006 spiegelt laut EZB die Einschätzung wider, daß sich das außenwirtschaftliche Umfeld günstig entwickelt habe, wovon die Binnennachfrage noch profitieren werde.
Die etwas moderatere Schätzung für 2007 wird auf die hohen Ölpreise und die Abkühlung der Weltwirtschaft zurückgeführt. Für 2008 wird wieder eine Zunahme des Euroraum-Wachstums auf 2,0 Prozent vorhergesagt. Die EZB verweist darauf, daß die ermittelten Konsensprognosen mit den Umfrageergebnissen anderer Institutionen im Einklang stehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2466 | −0,18% |
| Rohöl Brent Crude | 106,36 $ | −0,46% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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