02.12.2004 · Die Europäische Zentralbank behält sich angesichts des Höhenflugs des Euro Eingriffe in den Devisenhandel vor. Die Leitzinsen im Euro-Raum ließ die EZB wie erwartet unverändert.
Die Europäische Zentralbank (EZB) behält sich angesichts des Höhenflugs des Euro Eingriffe in den Devisenhandel vor. Interventionen gehörten zu den Instrumenten der Notenbankpolitik, betonte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag im Anschluß an die Sitzung des EZB-Rats. Trichet wiederholte den Satz, daß die jüngste Entwicklung des Euro-Wechselkurses "unwillkommen" sei. Der EZB-Rat habe am Donnerstag aber nicht darüber diskutiert, den Leitzins zu senken, um den Euro für Anleger weniger attraktiv zu machen. Vielmehr habe man wegen der ölpreisbedingten Risiken für die Preisstabilität eine Anhebung des Leitzinses erörtert, schließlich aber in breitem Konsens beschlossen, den Zins unverändert bei 2,0 Prozent zu belassen.
An den Devisenmärkten hatten Trichets Äußerungen zum Euro-Kurs keine größeren Auswirkungen. Am Vormittag hatte der Euro mit 1,3384 Dollar ein historisches Hoch erreicht. Am Nachmittag pendelte er zunächst um 1,3340 Dollar, sackte später aber auf 1,3280 Dollar ab. Händler erklärten dies mit dem starken Rückgang des Ölpreises. Der Preis für das Barrel Rohöl (159 Liter) der Sorte Brent ist am Donnerstag in London zeitweise um mehr als 6 Prozent auf 39,50 Dollar gefallen. Die Terminmärkte reagierten auf Berichte, daß die Lagerbestände in Amerika gestiegen seien. Auch zum Yen gab der Dollar am Donnerstag auf weniger als 102 Yen nach, den niedrigsten Stand innerhalb von mehr als viereinhalb Jahren. Das Tokioter Finanzministerium nannte das "unverhältnismäßig". Das für die Wechselkurspolitik zuständige Finanzministerium hat jüngst mehrfach Eingriffe gegen einen weiteren Verfall des Dollar in den Raum gestellt, sich freilich seit Monaten mit Stützungskäufen zurückgehalten. Offenbar hofft man in Japan auf Unterstützung der EZB. Trichet wies am Donnerstag alle diesbezüglichen Fragen zurück.
Euro-Aufwertung unwillkommen
Die Aufwertung des Euro ist der EZB unwillkommen, weil dies die Exporte und damit einen wichtigen Wachstumsmotor im Euro-Raum dämpft. Andererseits verwies Trichet darauf, daß das schwache Wirtschaftswachstum hierzulande hauptsächlich auf einen Mangel an strukturellen Reformen zurückzuführen sei. Darin sei man sich mit den Gesprächspartnern in den Vereinigten Staaten ebenso einig wie darin, daß die amerikanische Regierung ihr Budgetdefizit reduzieren müsse.
Der EZB-Präsident stellte an den Anfang seiner Kommentare, daß die Entwicklung der Inflation kurzfristig "beunruhigend" sei. Die Inflationsrate, die im November 2,2 Prozent betrug, könnte in den nächsten Monaten weiter ansteigen. Auch mittelfristig gebe es Risiken für die Preisstabilität, sagte Trichet - auch weil die Geldmenge M3 wieder stärker zunehme als für inflationsfreies Wachstum erforderlich. Doch gehe der Rat wegen des nur mäßigen Wirtschaftswachstums und der moderaten Lohnzuwächse weiterhin davon aus, daß die Inflation im Laufe des Jahres 2005 wieder unter 2 Prozent falle. Die Inflationsrate würde damit der Zielvorgabe der EZB entsprechen, die mittelfristig knapp 2 Prozent anstrebt.
Prognose: Wachstum runter, Inflation hoch
Wie Trichet berichtete, haben die Experten der EZB sowie der Euro-Notenbanken ihre Wachstumsprognose wie erwartet nach unten, ihre Inflationsprognose nach oben revidiert. Die Experten sagen nun voraus, daß die Wirtschaft des Euro-Raums 2005 um 1,9 Prozent wachsen dürfte. Noch im September hatten die Fachleute ein Wachstum von 2,3 Prozent vorhergesagt. Die neue Prognose basiert auf der Annahme eines Euro-Kurses von 1,29 Dollar sowie eines Ölpreises von 44,40 Dollar je Barrel. Für 2006 erwarten die Fachleute ein Wachstum von 2,3 Prozent. Die Inflation wird nach diesen Prognosen 2005 2,0 betragen und damit leicht oberhalb des Inflationsziels der EZB liegen. Im September hatten die Experten für 2005 eine Inflationsrate von 1,8 Prozent erwartet.
An den europäischen Anleihemärkten ließ Trichets Aussage, man habe keine Leitzinssenkung erörtert, die Zinsen steigen. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen stieg von 2,33 auf 2,39 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |