03.02.2005 · Die Europäische Zentralbank (EZB) richtet ihr Augenmerk zunehmend auf die monetären Risiken. „Die Notenbank muß handeln, bevor Preisblasen platzen“, sagte Präsident Jean-Claude Trichet.
Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet eine gedämpfte Inflationsentwicklung im Euro-Raum in diesem Jahr, richtet ihr Augenmerk aber zunehmend auf die monetären Risiken.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte bei der monatlichen Pressekonferenz in Frankfurt, die EZB gehe unverändert von Preisstabilität auf mittlere Sicht aus. Der EZB-Rat behielt demgemäß den Leitzins bei. Dieser liegt seit Juni 2003 bei 2 Prozent. Am europäischen Geldmarkt im Euro-Raum werden Zinserhöhungen der EZB auf 2,25 Prozent erst für die zweite Jahreshälfte vorhergesagt.
Schwankungen der Inflationsrate
Trotz erwarteten starken Schwankungen der jährlichen Teuerungsrate in den kommenden Monaten rechnet die EZB damit, daß die Inflationsrate im Jahresverlauf unter 2 Prozent - die mittelfristige Obergrenze für Preisstabilität - fallen werde. Im Dezember lag die Euro-Raum-Inflation bei 2,4 Prozent; die EZB sieht Hinweise für eine deutlich niedrigere Rate im Januar. Es gebe keine signifikanten Zeichen, daß sich inländischer Preisdruck aufbaue, sagte Trichet. Die moderate wirtschaftliche Erholung dürfte sich fortsetzen und verbreitern. Als Preisrisiken benannte Trichet - im Unterschied zum Januar - unter anderem auch die künftige Entwicklung der Ölpreise.
Verstärkt richtet die Zentralbank ein Augenmerk auf die monetäre Entwicklung, die auf mittlere Frist Preisgefahren mit sich bringen könne. Trichet sagte, das zuletzt beschleunigte Geldmengen- und Kreditwachstum zeige zunehmend die Stimulierung durch die sehr niedrigen Zinsen im Euro-Raum an. Die wachsende Geldmenge könne nicht mehr mit Umschichtungen von Anlagen in kurzfristige Wertpapiere erklärt werden. Die hohe Überschußliquidität sei ein „echter Grund“ für Wachsamkeit.
Kein Alarm wegen Preisblasen
Mit Blick auf den gesamten Euro-Raum sieht die EZB nicht, daß sich als Folge der hohen Liquidität Preisblasen an den Märkten für Vermögenswerte aufbauen. „Wir sind nicht alarmiert“, sagte Trichet. Die Überschußliquidität und das starke Wachstum der Immobilienkredite könnten in einigen Ländern aber zu Preissteigerungen führen, die nicht tragbar seien. „Eine Notenbank muß reagieren, bevor Preisblasen platzen“, sagte Trichet. Er verwies jedoch ausdrücklich auf die Verantwortung der EZB für den gesamten Euro-Raum und nicht für die Entwicklung in einzelnen Euro-Staaten.
Die niedrigen Anleihezinsen im Euro-Raum erklärte Trichet überwiegend mit der Glaubwürdigkeit der EZB. International gebe es aber unter den Notenbankern ein Gefühl, daß die geringen Zinsabstände zwischen Anleihekategorien zeigten, daß Marktteilnehmer einige Risiken vielleicht zu gering einschätzten. Er wolle aber keinen Alarm ausrufen, betonte Trichet. Ökonomen meinen, daß die international hohe Liquidität vielleicht zu einer Blasenbildung an den Anleihemärkten geführt habe.
Flexible Wechselkurse angemahnt
Vor dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der Siebenergruppe an diesem Wochenende verwies Trichet auf die Erklärung der G 7 vom Herbst, in dem diese sich für flexible Wechselkurse ausgesprochen hatten. Dies ist ein Hinweis an China, daß die Bindung des Renminbi an den Dollar als nicht wünschenswert erachtet wird. Argumentiert wird, daß diese Wechselkursbindung eine überproportionale Last einer Dollarabwertung auf den Euro-Raum und den Euro lege.
Trichet erneuerte die Position, daß scharfe Aufwertungen des Euro unerwünscht seien. Der Euro-Kurs zum Dollar bewegt sich seit Januar um 1,30 Dollar je Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3278 | −0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 118,69 $ | +0,71% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |