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Geldpolitik Europäische Zentralbank deutet weitere Leitzinserhöhungen an

 ·  Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Bereitschaft zu weiteren Leitzinsanhebungen angedeutet, allerdings die Spekulationen auf einen Zinsschritt schon Anfang Februar gedämpft.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Bereitschaft zu weiteren Leitzinsanhebungen angedeutet, allerdings die Spekulationen auf einen Zinsschritt schon Anfang Februar gedämpft. An den Finanzmärkten wird nun weithin davon ausgegangen, dass der EZB-Rat vorhat, den Leitzins Anfang März auf 3,75 Prozent anzuheben. Am Donnerstag beließ er den Leitzins wie erwartet bei 3,5 Prozent.

Auf der Pressekonferenz nach der Ratssitzung vermied es EZB-Präsident Jean-Claude Trichet davon zu sprechen, dass die Währungshüter die Inflation "mit Wachsamkeit" beobachteten. Diese Formulierung hatte in den vergangenen Monaten stets darauf hingedeutet, dass die EZB den Leitzins im Monat darauf anheben werde. Andererseits erwähnte Trichet mehrfach, dass das Zinsniveau im Euro-Raum weiterhin niedrig sei und dass Geldmenge und Kreditvergabe in letzter Zeit sehr kräftig gewachsen seien. Im November habe die Geldmenge M3 - eine Kennziffer, die die EZB als einen Inflationsfrühindikator beobachtet - sogar so stark zugenommen wie nie zuvor seit Einführung des Euro Anfang 1999, sagte er.

Trichet äußerte die Erwartung, dass die Inflationsrate in diesem und dem kommenden Jahr um 2 Prozent pendeln werde. Das würde dem Ziel der EZB entsprechen, die Teuerung mittelfristig bei einer Jahresrate knapp unter 2 Prozent zu halten. Trichet betonte aber, es gebe einige Risiken, dass die Teuerung stärker zunehme. Dazu könne es zum Beispiel bei einem Wiederanstieg des Ölpreises, der Erhöhung indirekter Steuern oder kräftigen Lohnsteigerungen kommen.

Zinsschritt Anfang März wahrscheinlich

Bankvolkswirte interpretierten Trichets Worte als Hinweis, dass der EZB-Rat weiterhin die Notwendigkeit zu Leitzinsanhebungen sehe. Wahrscheinlich sei nun ein Zinsschritt Anfang März, sagte Thorsten Polleit, der Chefvolkswirt für Deutschland bei Barclays Capital. An den Zins-Terminmärkten war schon seit einiger Zeit auf den Termin März spekuliert worden. Diesen Spekulationen zufolge wird die EZB ihren Leitzins im Sommer ein weiteres - und dann letztes - Mal auf 4 Prozent anheben. Der Euro ist am Donnerstag nachmittag um mehr als einen Cent gefallen und zeitweise unter 1,29 Dollar gerutscht. Devisenhändler erklärten dies damit, dass Spekulationen auf eine Leitzinserhöhung schon im Februar verflogen seien.

Der EZB-Rat zeigte sich in seinem Kommuniqué zuversichtlich, dass die Wirtschaft des Euro-Raums auch 2007 nahe ihrer Potentialrate wachsen werde, also mit gut 2 Prozent. Gerade angesichts des erwarteten robusten Wirtschaftswachstums gebe es allerdings die Gefahr, dass es zu überzogenen Lohnabschlüssen komme, die die Preisstabilität gefährdeten, sagte Trichet. Er appellierte an die Tarifpartner, ihrer Verantwortung gerecht zu werden; die Lohnabschlüsse müssten sowohl den Produktivitätsfortschritt im Auge behalten als auch die immer noch große Arbeitslosigkeit, ferner auch die Position der jeweiligen Branche im internationalen Preiswettbewerb. Mit Blick auf Polen, wo es politischen Streit um den neuen Zentralbankpräsidenten gibt, mahnte Trichet an, dass die Unabhängigkeit der Notenbank gewahrt bleiben müsse.

Quelle: bf. / F.A.Z., 12.01.2007, Nr. 10 / Seite 12
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