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Geldpolitik Die EZB wird im Oktober den Leitzins vermutlich erhöhen

31.08.2006 ·  EZB-Präsident Jean-Claude Trichet spricht von großer Wachsamkeit. Damit es es klar: Die Zentralbank wird den Leitzins im Oktober von 3 auf 3,25 Prozent erhöhen. Der Inflationsausblick hat sich verschlechtert.

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Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat auf seiner Sitzung am Donnerstag in Frankfurt den Leitzins für den Euro-Raum bei 3 Prozent belassen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet deutete bei der Pressekonferenz aber an, daß die Zentralbank auf der Sitzung Anfang Oktober den Leitzins anheben wird. Als klares Signal dafür gilt, daß Trichet von „großer Wachsamkeit“ hinsichtlich der Inflationsrisiken sprach. Diese Sprachregelung verwendet die EZB üblicherweise, wenn sie im kommenden Monat den Zins anhebt.

An den Finanzmärkten wurden schon vor der EZB-Ratssitzung zwei weitere Zinserhöhungen für Oktober und für Dezember auf dann 3,5 Prozent erwartet. Ausweislich der Terminzinssätze am Geldmarkt festigten sich diese Erwartungen am Donnerstag leicht. Der Kurs des Euro zum Dollar erreichte während der Pressekonferenz ein Tageshoch von 1,2879 Dollar. Die EZB hatte den Leitzins seit Dezember 2005 in vier Schritten von 2 auf 3 Prozent heraufgeschleust.

Inflationsausblick hat sich verschlechtert

Trichet erklärte, der EZB-Rat sei mit den Preisaussichten nicht zufrieden. Die Inflationsrate im Euro-Raum lag in den ersten acht Monaten dieses Jahres bei durchschnittlich 2,4 Prozent und damit über der mittelfristigen Marke für Preisstabilität von „unter, aber nahe 2 Prozent“. Im August erreichte sie nach einer ersten Schätzung 2,3 Prozent. Der EZB-Rat erwartet für den Rest dieses Jahres und für 2007 eine durchschnittliche Teuerungsrate von mehr als 2 Prozent.

Nach den neuen Inflationsprojektionen der EZB-Ökonomen dürfte die Inflationsrate 2006 und 2007 rund 2,4 Prozent erreichen, wobei die Ökonomen nur Spannweiten nennen. Danach haben die Preisaussichten sich verschlechtert. Trichet sagte, die Aufwärtsrevision der Preisprojektion beruhe vor allem auf dem höheren Ölpreis. Einige der früheren Risiken seien eingetreten. Die Inflationsprojektion basiert auf der Annahme eines Ölpreises von 71 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) in diesem und von 77,6 Dollar im kommenden Jahr. Die am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturumfragen der EU-Kommission zeigen, daß die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe und die Verbraucher zunehmend mit steigenden Preisen rechnen.

„Wir werden tun, was wir tun müssen“

In den EZB-Projektionen ist zugleich die Markterwartung unterstellt, daß die Zentralbank den Leitzins bis Dezember noch zweimal anheben wird. Trichet wollte sich nicht festlegen, ob ein Leitzins von 3,5 Prozent am Jahresende hinreichend sei, um die Preisrisiken einzudämmen. Auf entsprechende Fragen sagte er: „Wir werden tun, was wir tun müssen.“ Wenn die Erwartungen des EZB-Rates sich erfüllten, werde ein stufenweiser Entzug der geldpolitischen Stützung der Wirtschaft notwendig bleiben.

Trichet widersprach der Vermutung, die EZB werde wegen der erwarteten Abschwächung des Wirtschaftswachstums im kommenden Jahr die Leitzinsen zögerlicher erhöhen. „Wir haben eine Kompaßnadel, und die ist Preisstabilität. Wir haben keine zwei Kompaßnadeln.“ Gerade dadurch, daß die EZB die Preisstabilität mittelfristig gewährleiste, unterstütze sie das Wachstum im Euro-Raum.

Die Projektionen der EZB-Ökonomen zeigen für 2006 ein Wachstum von rund 2,5 Prozent, das sich 2007 auf rund 2,1 Prozent abschwächen wird. Dabei erwarten die Fachleute eine weiterhin recht robuste Weltnachfrage, während sich vor allem der private Konsum abschwächen werde - auch als Folge der deutschen Mehrwertsteuererhöhung.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 01.09.2006, Nr. 203 / Seite 14
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