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Geldpolitik Die Bank von England erhöht die Zinsen

05.02.2004 ·  Die Bank von England hat ihren Leitzins von 3,75 auf 4 Prozent erhöht. Die Europäische Zentralbank behielt Zinsruhe und zeigte sich weiter besorgt über die Wechselkurse.

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Die Bank von England hat ihren Leitzins am Donnerstag von 3,75 auf 4 Prozent erhöht. Nach eigener Einschätzung reagierte die britische Notenbank damit auf das wachsende Inflationspotential in den kommenden zwei Jahren. Zuletzt lag die Inflationsrate im Vereinigten Königreich bei 1,3 Prozent und damit unter dem von der Regierung vorgegebenen Ziel von 2 Prozent.

Im Gegensatz zur britischen Notenbank ließ der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei seiner Sitzung in Frankfurt den Leitzins im Euro-Raum unverändert bei 2 Prozent. Im Januar lag die Teuerungsrate im Euro-Raum nach ersten Schätzungen bei 2 Prozent. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bekräftigte den Wunsch der EZB nach Stabilität der Wechselkurse und ihre Besorgnis über übermäßige Wechselkursschwankungen.

Die Bank von England erklärte zur Begründung der Zinserhöhung, daß sich der weltwirtschaftliche Aufschwung mittlerweile auf einer breiteren Basis vollziehe. Die britische Wirtschaft sei in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres stärker als im langfristigen Trend gewachsen. Umfragen deuteten auf eine ähnliche Entwicklung im ersten Quartal 2004 hin. Die Konsumausgaben der Haushalte und die entsprechende Verschuldung verharrten ebenso auf hohem Niveau wie die Hauspreise. Auch die Aufwertung des Pfundes - vor allem gegenüber dem Dollar - habe die Auftriebskräfte nicht ausreichend gebremst. Viele Beobachter an den Finanzmärkten rechnen mit Zinssteigerungen in England auf 4,75 Prozent bis zum Jahresende.

EZB behält Zinsruhe

Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt ihren Leitzins konstant bei 2 Prozent. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte, die Leitzinsen blieben angemessen. Die Inflationsrate werde im Laufe des Jahres unter 2 Prozent falle. Die „vergleichsweise langsame“ wirtschaftliche Erholung setze sich fort. Das Wachstum der Geldmenge M3 habe sich weiter „langsam vermindert“, sagte Trichet.Im Dezember lag die M3-Zuwachsrate bei 7,1 Prozent. Die hohe Überschußliquidität könne auf mittlere Sicht zu Inflationsdruck führen, sagte Trichet. Dies hänge vom Ausmaß der Portfolioumschichtungen und von der Stärke des künftigen Wirtschaftswachstums ab. In ihrem Kommuniqué verzichtete die EZB erstmals seit Monaten auf die Bemerkung, derzeit sei die Überschußliquidität nicht von Bedeutung für die Preisstabilität.

G7: „Jeder muß seine Hausaufgaben machen“

Mit Blick auf das bevorstehende Treffen der G-7-Staaten sagte Trichet: „Jeder muß seine Hausaufgaben machen.“ Für den Euro-Raum mahnte er Strukturreformen an. Gegenüber den Partnerstaaten wolle er keine Lehrerrolle einnehmen, sagte Trichet. Im EZB-Kommuniqué findet sich der Hinweis, die anhaltenden Ungleichgewichte in manchen Regionen der Welt gefährdeten die Nachhaltigkeit des Weltwirtschaftswachstums. Dies erfordere in den großen Partnerstaaten Politiken, die zu einer gesunden Balance zwischen Ersparnis und Investitionen beitrügen. Der Satz wird als Hinweis auch an Amerika gedeutet, seine Haushaltsdefizite zu begrenzen.

EZB stützt die EU-Kommission

Der EZB-Rat stellte sich zudem hinter die Überlegungen der EU-Kommission, daß die Anwendung des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt weiter verbessert werden könne. Trichet nannte hier beispielhaft die Analyse von strukturellen Ungleichgewichten und die Stärkung der Anreize für die Regierungen, in wirtschaftlich guten Zeiten eine verantwortungsvolle Haushaltspolitik zu betreiben. Trichet sagte zugleich, der EZB-Rat sähe keine Notwendigkeit, den europäischen Stabilitätspakt in seiner jetzigen Form zu ändern.

Quelle: chs./pwe. , Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2004, Nr. 31 / Seite 13
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