Home
http://www.faz.net/-gqf-o8u3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Geldpolitik Bundesbank lehnt EU-Verfassungsentwurf ab

10.12.2003 ·  Die Deutsche Bundesbank hat an die Bundesregierung appelliert, dem EU-Verfassungsentwurf in der vorliegenden Form nicht zuzustimmen. Die Bank ist zuversichtlich für die deutsche Konjunktur.

Artikel Lesermeinungen (0)

Die Deutsche Bundesbank hat an die Bundesregierung appelliert, dem EU-Verfassungsentwurf in der vorliegenden Form nicht zuzustimmen. Das hat Bundesbankpräsident Ernst Welteke anläßlich der Jahrespressekonferenz mitgeteilt. Welteke wiederholte den Vorwurf, die jüngsten Beschlüsse des Rats der Europäischen Wirtschafts- und Finanzminister (Ecofin) hätten den Stabilitäts- und Wachstumspakt beschädigt. Weiter äußerte sich Welteke zuversichtlich, daß die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr aus der "längsten Phase einer wirtschaftlichen Stockung in der Nachkriegszeit" herausfinde.

Der derzeitige Verfassungsentwurf weiche in entscheidenden Punkten vom Vertrag von Maastricht ab, sagte Welteke. Dabei habe im Konvent zunächst ein politischer Konsens bestanden, die Substanz des Maastricher Währungsvertrags nicht zu ändern. Nun aber gebe es Abweichungen hinsichtlich des Zieles der Preisstabilität, der Unabhängigkeit der Notenbanken, der Stellung der Europäischen Zentralbank (EZB) innerhalb der Union sowie der erleichterten Änderung des EZB-Statuts. Bleibe es bei diesen Änderungen am Maastricht-Vertrag, würde dies eine stabilitätsorientierte Geldpolitik erschweren. Der Bundesbankvorstand habe seine "große Sorge" in einem Brief an den Bundeskanzler dargelegt, sagte Welteke. Mit der Annahme des Entwurfs würden Versprechen gebrochen, die der Bevölkerung bei der Schaffung der Währungsunion gemacht worden seien.

Zum Streit über den Stabilitätspakt sagte Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark, solide Staatsfinanzen seien eine Voraussetzung für Preisstabilität. Nach den umstrittenen Beschlüssen des Ecofin-Rates, auf die Verhängung schärferer Sanktionen gegen die Defizitländer Deutschland und Frankreich vorläufig zu verzichten, befinde sich das Vertrauen der Bürger zur Währungsunion in einer kritischen Phase. Stark kritisierte die EU-Finanzminister sowie die EU-Kommission, daß sie es zu solch einer Eskalation des Streits hätten kommen lassen. Für eine grundsätzliche Reform des Stabilitätspakts sieht Stark keine Notwendigkeit, wohl aber sei eine "Härtung" zu begrüßen. Es gelte, über eine Begrenzung der nationalen Souveränität auf finanzpolitischer Ebene nachzudenken. Ziel müsse dabei "mehr Automatismus, weniger diskretionärer Spielraum" sein. Stark plädierte damit dafür, den Entscheidungsspielraum der Finanzminister einzuengen.

Zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland sagte Welteke, die Erholung sei derzeit vor allem von der Dynamik der Weltwirtschaft getragen. Der Aufschwung sei noch nicht selbsttragend. Positiv sei aber, daß sich Deutschland durch die bereits beschlossenen sowie die geplanten Reformen aus der "Erstarrung" zu lösen beginne. Ein Scheitern der Verhandlungen im Vermittlungsausschuß könne zu einem neuen Vertrauensverlust in der Bevölkerung führen.

Quelle: bf. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2003, Nr. 288 / Seite 13
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2461 −0,22%
Rohöl Brent Crude 106,35 $ −0,47%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.