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G-8-Gipfel De Beers kritisiert Geldofs Medienspektakel

05.07.2005 ·  Hilfe für Afrika, ein Thema des Wirtschaftsgipfels in Schottland, bedeutet nicht, mehr Geld bereitzustellen. Nicky Oppenheimer vom südafrikanischen Diamantenkonzern nennt andere wichtige Voraussetzung für wirksame Hilfe.

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Bob Geldofs Medienspektakel ist in Großbritannien mit großer Skepsis aufgenommen worden - obwohl der Rockmusiker in London das größte Konzert aller Live-8-Veranstaltungen inszeniert hatte. Mehr als 200.000 Zuschauer hatten im Hyde Park Geldofs Kampagne "Make Poverty History" zugejubelt. Aber in der britischen Wirtschaftspresse wurde Geldof, der Arm in Arm mit dem Premierminister Tony Blair dem Gipfeltreffen der acht führenden Industrienationen (G8) eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe ans Herz legt, meist scharf kritisiert. Genau dies sei nicht die richtige Strategie, Afrika zu helfen.

Am schärfsten äußerte sich Nicky Oppenheimer, Chairman von De Beers. Der Chef des südafrikanischen Diamantenkonzerns, der sich als Afrikaner in dritter Generation bezeichnet, lehnte in einer Rede vor dem Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS) den Aufruf zu weiterer Entwicklungshilfe ebenso rigoros ab wie den kürzlich vereinbarten pauschalen Schuldenerlaß.

Entwicklungshilfe erhöht Afrikas Abhängigkeit von Almosen

Afrika habe seit der Unabhängigkeit seiner Staaten vor 50 Jahren mehr als 1 Billion Dollar Entwicklungshilfe erhalten und stehe heute ärmer da als je zuvor. Der Westen müsse endlich begreifen, daß Entwicklungshilfe die Abhängigkeit vieler afrikanischer Staaten von Almosen erhöhe und daß Spenden zu noch mehr Korruption verleiten könnten. Afrika verdiene ernste, strategische Hilfe und keine Spenden, die lediglich das schlechte Gewissen der Industrieländer besänftigten und letztlich nichts anderes seien, als die Fortsetzung der kolonialen Arroganz viktorianischer Zeit und ihrer Missionare.

Oppenheimer sagt, man könne den Eindruck gewinnen, die westlichen Regierungen seien nicht ernsthaft an einer Lösung von Afrikas Armut interessiert: "Entwicklungshilfe kostet nur Geld. Aber wirkliche Lösungen, wie die Kürzung heimischer Agrarsubventionen, die Afrikas Bauern verarmen lassen, oder eine Senkung der Zölle und Handelsbarrieren, die Afrikas Unternehmer bestrafen, kosten die westlichen Regierungen Wählerstimmen."

Pauschaler Geldsegen entmutig - Inverstition in Ausbildung

Spenden und Entwicklungshilfe würden für schöne Schlagzeilen sorgen, ernste Hilfe aber erfordere schwierige innenpolitische Entscheidungen in den westlichen Industrieländern und deren Bereitschaft, sich wirklich mit den einzelnen afrikanischen Ländern auseinanderzusetzen. Ein pauschaler Geldsegen entmutige die afrikanischen Regierungen, die für eine Besserung in ihren Ländern kämpften. Korrupte Regime, die genau auf diese Hilfe und auf den pauschalen Schuldenerlaß setzten, würden dagegen gestützt.

Der Chef von De Beers fordert andere Maßnahmen: Erstens müsse kräftig in die Schul- und Universitätsausbildung der Jugend investiert werden. Eine auf diese Weise ausgebildete Mittelschicht und Elite könne zunächst einmal die Verwaltung Afrikas in ihre Hände nehmen. Zweitens müßten Afrika dringend Anti-Aids-Medikamente zur Verfügung gestellt werden. Aids treffe ein Viertel der ökonomisch aktiven Bevölkerung Afrikas, dezimiere also die Kapazität junger Menschen, die den Kontinent aufbauen und verwalten müßten. Schließlich müßten Europa und Nordamerika ihre Agrarsubventionen abbauen und ihre Zölle senken, damit afrikanische Bauern und Unternehmer eine Chance hätten, ihre Produkte auf den westlichen Märkten abzusetzen.

"Solange das nicht geschieht, ist die Kampagne, Afrika aus seiner Armut zu helfen, reine Augenwischerei", sagt Oppenheimer. Die Europäer könnten zum Beispiel mit ihrer Entwicklungshilfe die Senkung der Zölle auf afrikanische Güter subventionieren.

Afrikaner müssen die Rechtssicherheit verbessern...

Darüber hinaus sei aber wichtig, sagt Oppenheimer, daß die afrikanischen Länder ihre Rechtssicherheit verbesserten, vor allem mit Blick auf Landeigentum und langfristige Investitionen, zum Beispiel in den Abbau der reichlichen Bodenschätze. Nur wenn Investoren auf Jahrzehnte Rechtssicherheit garantiert werde, engagierten sich afrikanische und ausländische Investoren.

...und die Korruption eindämmen

Ähnlich äußerte sich der britische Industrieverband CBI. Deren Generaldirektor Sir Digby Jones sagte, daß die Industrieländer ihre Agrarsubventionen abbauen und Zölle für afrikanische Produkte senken müßten. Fortschritte in dieser Richtung müßten auf der kommenden Sitzung der Welthandelsorganisation WTO in Hongkong Ende des Jahres gemacht werden. Digby betonte, daß Afrikas Anteil am Welthandel seit 1980 von 6 auf 2 Prozent gesunken sei. Der Chef des CBI fordert aber auch, daß viele afrikanische Länder die Korruption eindämmen müßten, um Auslandsinvestitionen anzuziehen. Der gesamte Kontinent Afrika erhält derzeit nur knapp 3 Prozent der globalen Auslandsdirektinvestitionen - dagegen fließen 55 Prozent der Gelder nach Westeuropa.

Quelle: bes., F.A.Z., 05.07.2005, Nr. 153 / Seite 12
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