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Fünf-Jahres-Tief Inflation unter ein Prozent gefallen

11.02.2009 ·  In Deutschland ist die Teuerung im Januar auf ein Fünf-Jahres-Tief gesunken: Auf Jahressicht stiegen die Verbraucherpreise um 0,9 Prozent. Nach dem Preisrutsch beim Mineralöl wird nun ein Preisrutsch bei Lebensmitteln erwartet. Und so mancher Volkswirt fürchtet schon die Deflation.

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In Deutschland ist die Teuerung im Januar auf ein Fünf-Jahres-Tief gesunken. Auf Jahressicht seien die Verbraucherpreise um 0,9 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit und bestätigte damit vorläufige Zahlen. Volkswirte hatten dies erwartet. Damit ist die Inflation so gering wie zuletzt im Februar 2004. Mitte 2008 hatte die Jahresteuerung noch bei 3,3 Prozent gelegen, im Vormonat Dezember bei 1,1 Prozent. Auf Monatssicht sanken die Verbraucherpreise im Januar um 0,5 Prozent, nach einem Plus von 0,3 Prozent im Vormonat. Auch hier wurden vorläufige Zahlen bestätigt.

Die abermals geringere Inflationsrate ist den Statistikern zufolge vor allem auf weitere Preissenkungen bei Mineralölprodukten zurückzuführen. Ohne diese Komponente hätte die Inflationsrate mit 1,8 Prozent doppelt so hoch gelegen. Die Energiepreise insgesamt sanken im Durchschnitt um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Während sich bei den Mineralölprodukten leichtes Heizöl auf Jahressicht um 18,5 Prozent und Kraftstoffe um 14,4 Prozent verbilligten, erhöhten sich die Preise für Haushaltsenergieträger wie Gas um 20,0 Prozent und Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme um 16,0 Prozent.

Lebensmittel dürften bald auf breiter Front billiger werden

Die Nahrungsmittelpreise lagen im Januar im Schnitt 1,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, wobei sich viele Molkereiprodukte auf Jahressicht stark verbilligten (zum Beispiel frische Vollmilch um 16,4 Prozent).

Lebensmittel dürften allerdings bald auf breiter Front billiger werden. Praktisch im Gleichschritt senkten im Januar bereits die Discounter Aldi und Penny die Preise für zahlreiche Artikel vom Pflanzenöl über Brot, Käse, Wurst und Joghurt bis hin zu Schokolade. Die Preissenkungen betrugen im Einzelfall bis zu 19 Prozent. Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka will dem Beispiel der Konkurrenten Aldi und Penny „sehr schnell“ folgen, hieß es damals. Auch die Edeka-Discount-Tochter Netto werde ihre Preise entsprechend senken (siehe dazu auch: Discounter senken Preise: Lebensmittel bis zu 19 Prozent billiger).

Kommt nun bald die Deflation?

Die derzeit beobachtbare Rückbildung der Inflation wird in Lehrbüchern als „Disinflation“ bezeichnet. An den Kapitalmärkten ist die Inflationserwartung derzeit fast völlig verflogen. Das zeigen die auf ein Minimum geschrumpften Renditeabstände von inflationsindexierten zu nichtgeschützten Staatsanleihen. Seit einigen Wochen geht an den Märkten die Sorge vor einer möglichen Deflation um, also einem allgemein und dauerhaft sinkenden Preisniveau.

Nicht wenige Ökonomen befürchten, dass die Preise wegen der schweren Rezession in Amerika 2009 auf breiter Front sinken könnten. Volkswirtschaftlich kann eine Deflation in einer Rezession eine Gefahr darstellen, wenn Verbraucher ihre Einkäufe und Unternehmen ihre Investitionen immer weiter hinauszögern, weil alles stetig billiger wird. Unternehmen können bei fallenden Verkaufserlösen für ihre Produkte zusätzlich unter Druck geraten, da die Lohnkosten real meist weniger flexibel sind. Zudem steigt die reale Last von Schulden, wenn diese in Geld zurückbezahlt werden müssen, dessen Wert steigt. Andererseits profitieren die Besitzer von Bargeld, dessen realer Wert steigt.

Zumindest im Euro-Raum ist man aber von einer tatsächlichen Deflation noch weit entfernt. Das zeigt ein Blick auf die Kernrate der Inflation. Diese wird anhand eines Warenkorbs berechnet, aus dem Energieprodukte sowie Nahrungsmittel herausgerechnet sind, die entweder importiert werden oder jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen, deren Preise jedenfalls stark von Faktoren jenseits der Geldpolitik beeinflusst werden. Die Kernrate der Inflation hat sich im Euro-Raum im vergangenen Jahr deutlich weniger heftig bewegt als die allgemeine Rate.

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Von Heike Göbel

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