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Forscher senken Wirtschaftsprognosen Vier Millionen Arbeitslose am Jahresende?

12.03.2009 ·  Immer weniger Fachleute rechnen mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft. Mehrere Forschungsinstitute prognostizieren, dass die Krise länger dauert und schlimmer ausfällt als bisher erwartet. Am Arbeitsmarkt schlägt sich dies voraussichtlich in einer kräftig steigenden Arbeitslosenquote nieder.

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Die Wirtschaftskrise dürfte nach Einschätzung mehrerer Forschungsinstitute länger dauern und schlimmer ausfallen als bisher erwartet. Eine Erholung soll erst 2010 „allmählich“ eintreten, schätzt die Europäische Notenbank EZB. Am Arbeitsmarkt schlägt sich dies voraussichtlich in einer kräftig steigenden Arbeitslosenquote nieder. Zum Jahresende dürfte die Zahl der Arbeitslosen auf mehr als vier Millionen steigen, befürchtet das IAB-Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit.

Bis zum Jahresende dürften 800.000 Menschen ihre Arbeitsstelle verloren haben, prognostizierte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Vor allem wegen des deutlichen Rückgangs der Exporte werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 3,7 Prozent schrumpfen. Damit senkten die Forscher ihre Prognose vom Dezember um einen Prozentpunkt. Allerdings sei in der zweiten Jahreshälfte mit einem langsameren Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen, schrieben die Experten. Eine Stabilisierung der Konjunktur erwarten sie im kommenden Jahr, ein spürbares Wachstum sogar erst zum Jahresende 2010.

Zum ersten Mal seit den 30er Jahren ein Rückgang

Weltweit sei mit einem Minus der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent zu rechnen, erläuterte das IfW. Im ersten Quartal gehe das BIP wohl zum ersten Mal seit den 1930er Jahren zurück. Für 2010 sei dann wieder Wachstum in Sicht, wenn auch nur leichtes. Das milliardenschwere Konjunkturpaket der Bundesregierung dürfte nach Einschätzung der Forscher in der zweiten Jahreshälfte 2009 erste Wirkungen zeigen, vor allem in der Bauwirtschaft. „Allerdings wird der Impuls, der dadurch auf die Konjunktur ausgehen wird, geringer sein als vielfach erwartet“, schrieben sie. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung mit dem Konjunkturpaket um etwa 0,75 Prozent höher ausfallen als ohne.

Auch das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) rechnet damit, dass die Krise die deutsche Wirtschaft weit härter treffen dürfte als befürchtet und die Arbeitslosenzahl massiv in die Höhe treiben wird. Die Wirtschaftsleistung werde 2009 voraussichtlich um 3,8 Prozent einbrechen, teilte das HWWI mit. Noch im Dezember hatte es ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,2 Prozent prognostiziert. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass die Wirtschaft bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 Tritt fassen und im nächsten Jahr um ein Prozent wachsen wird. „Die konjunkturellen Unwägbarkeiten bleiben allerdings immens, es überwiegen weiterhin die Abwärtsrisiken“, hieß es. In den kommenden Monaten wird es laut HWWI von entscheidender Bedeutung sein, ob die Firmen weitgehend auf Entlassungen verzichten und die Krise stattdessen mit Kurzarbeit überbrücken können. Dann würden auch Einkommen und der Konsum stabil bleiben.

EZB hofft auf Konjunkturprogramme - mit Einschränkungen

Die EZB rechnet erst 2010 mit einer Erholung der derzeit kriselnden Wirtschaft im Euro-Raum. Jüngste Wirtschaftsdaten und Umfrageergebnisse hätten weitere Belege dafür geliefert, „dass die Nachfrage weltweit wie auch im Eurogebiet im laufenden Jahr sehr schwach sein dürfte“, schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht für März. Im kommenden Jahr werde dann „mit einer allmählichen Konjunkturerholung gerechnet“.

Hoffnung setzen die Notenbanker in die laufenden staatlichen Konjunkturprogramme, Sorgen machen ihnen die anhaltenden Finanzmarktturbulenzen, die sich zunehmend negativ auf die Realwirtschaft auswirken. Allerdings warnen die EZB-Experten zugleich davor, dass Maßnahmen zur Stützung und Anregung der Wirtschaft, wie sie etwa Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien ergriffen, auch Risiken bergen. „Nicht alle Maßnahmen sind eindeutig auf die Wurzel der gegenwärtigen Wirtschaftsprobleme ausgerichtet, und zum Teil lassen sie sich nicht rasch genug umsetzen“, resümieren die Notenbanker.

Trotz der staatlichen Milliardenspritzen müsse „das Vertrauen in die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen“ erhalten bleiben - damit Verbraucher nicht zusätzlich durch wachsende staatliche Schuldenberge verunsichert würden und sich in der Folge mit ihrem Konsum zurückhielten. „Sobald die konjunkturelle Erholung einsetzt, müssen die Staatsfinanzen nach der Belastung durch die Hilfsmaßnahmen wieder rigoros konsolidiert werden“, mahnen die EZB- Experten. Deutschland muss 2009 deutlich mehr Schulden machen als zunächst geplant, das Ziel eines schuldenfreien Haushaltes im Jahr 2011 hatte der Bund wegen der Krise schon längst aufgegeben.

Vier Millionen Arbeitslose in Deutschland?

Nach Schätzung des IAB-Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit könnte zum Jahresende die Zahl der Arbeitslosen auf mehr als vier Millionen steigen. „Wenn wir die Winterarbeitslosigkeit berücksichtigen, ist es möglich, dass die vier Millionen überschritten werden“, sagte Konjunkturexpertin Sabine Klinger. „Ob das bereits zur Bundestagswahl der Fall sein wird, bezweifele ich, weil September und Oktober saisonal bedingt gute Monate sind.“ Das IAB rechnet in seiner Prognose für das laufende Jahr mit einem drastischen Anstieg der Arbeitslosenzahl. Im ungünstigsten Fall könnte die Zahl demnach im Jahresdurchschnitt um 430.000 auf 3,7 Millionen steigen. Angesichts von 3,552 Millionen Arbeitslosen im Februar müsste die Zahl zum Jahresende weit über dem Mittel liegen.

Die Prognose der Experten hat sich in nur wenigen Monaten drastisch verschlechtert: Im September hatte das IAB noch mit einem Rückgang der Jahresarbeitslosenzahl 2009 auf 3,16 Millionen gerechnet. Nur einen Monat später hoben die Forscher die Zahl auf 3,3 Millionen an. In der mittleren Variante der neuen Prognose, die von einem BIP-Rückgang um 2,75 Prozent ausgeht, erwartet das IAB nun 3,6 Millionen Arbeitslose.

Damit es nicht noch schlechter kommt, muss die Wirtschaft nach Einschätzung des IAB im zweiten Halbjahr aber nicht nur stagnieren, sondern sich bereits wieder erholen. Andernfalls „muss eine Schrumpfung des realen BIP um 3,5 Prozent unterstellt werden“, heißt es in der Studie. In dieser Variante stiege die Arbeitslosenzahl im Mittel auf 3,7 Millionen. Diese ungünstigere Entwicklung sei „aus heutiger Sicht wahrscheinlicher“.

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