12.03.2007 · Beobachter hatten Chinas Handelsüberschuss im Februar auf sieben Milliarden Dollar taxiert. Tatsächlich waren es 23,8 Milliarden Dollar. „Es fällt uns schwer, eine Erklärung für den hohen Februar-Wert zu finden“, sagen sogar Analysten.
Von Christoph Hein, SingapurChinas Handelsüberschuss straft alle Erwartungen Lügen. Für den Februar hatten Analysten mit einer Differenz von gut 7 Milliarden Dollar gerechnet. Der wirkliche Wert indes ist mit 23,8 Milliarden Dollar der zweithöchste, den China je veröffentlicht hat. Er beträgt das Zehnfache des Wertes vom Februar 2006.
Die Ausfuhren lagen fast 52 Prozent höher als im Vergleichsmonat, während die Einfuhren um 13 Prozent gestiegen sind. Mit knapp 40 Milliarden Dollar umfasst der Überschuss in den ersten beiden Monaten dieses Jahres fast das Dreifache des Wertes des vergangenen Jahres. „Es fällt uns schwer, eine Erklärung für den hohen Februar-Wert zu finden“, müssen selbst die Analysten der Deutschen Bank einräumen.
„Zu hoher Handelsüberschuss“
Klar indes ist für die ganz überwiegende Zahl der Beobachter, dass Pekings Abkühlungsmanöver für überhitzte Bereiche der Konjunktur keine ausreichende Wirkung gezeigt haben. Damit gerät der hohe Überschuss zur Munition für Protektionisten: Sie werden nun noch lauter als bislang in Amerika Importzölle für chinesische Produkte fordern und Strukturänderungen der Wirtschaft in China.
Zu Beginn des nun in seine zweite Woche gegangenen Volkskongress hatte Ministerpräsident Wen Jiabao auch für dieses Jahr eine Wachstumsrate von 8 Prozent für das Bruttoinlandsprodukt angekündigt - im vergangenen Jahr lag sie trotz derselben Zielvorgabe bei offiziell 10,7 Prozent. Zugleich verkündete Wen eine Reihe von Beschlüssen, um den „zu hohen Handelsüberschuss“ zu verringern und die Konjunktur zu dämpfen. Dazu zählten unter anderem eine Aufwertung des Yuan um 4,7 Prozent, Steueränderungen, die statt des Exports den Konsum unterstützen, Investitionsbeschränkungen für ausgewählte Branchen und höhere Reservenanforderungen an die Banken. Die verblüffenden Februarwerte ließen indes am Montag viele an der Steuerungskraft Pekings zweifeln.
„Es wird einige Zeit dauern“
Zentralbankgouverneur Zhou Xiaochuan sagte, weitere Strukturanpassungen seien notwendig. „Allerdings wird es einige Zeit dauern, bis der derzeit unausgeglichene Handel angepasst sein wird“, dämpfte Zhou zu große Hoffnungen im Westen. Doch auch in China steigt mit dem hohen Geldzufluss die Sorge vor Folgeerscheinungen.
Amerikas Finanzminister Henry Paulson warnte gerade vor einer Zunahme der Ausleihungen dank der hohen Liquidität und in deren Folge einer wachsenden Zahl uneinbringlicher Kredite. Während das Statistikbüro den Handelsüberschuss bekanntgab, erklärte Handelsminister Bo Xilai in Peking, dass die ausländischen Produzenten in der Volksrepublik einen wachsenden Anteil am Export hätten. Allein amerikanische Konzerne hätten im vergangenen Jahr für 110 Milliarden Dollar aus China exportiert.
Bo äußerte sich auch zum Fortgang der Welthandelsgespräche. Für das Stocken der Doha-Runde gab er Europa und Amerika die Verantwortung. „Kurz gesagt müssen die Europäische Union und die Vereinigten Staaten als die beiden größten Handelsblöcke der Erde noch grundlegende Zugeständnisse etwa bei den hohen Einfuhrzöllen, Exportsubventionen und einer enormen Unterstützung für den heimischen Agrarsektor machen“, forderte Bo.
Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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