Home
http://www.faz.net/-gqf-12e1c
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

F.A.Z.-Preisbericht In der Ferne wächst die Inflationsgefahr

15.04.2009 ·  Derzeit sinkt das Preisniveau, was in Deflation münden könnte. Mittelfristig droht aber zunehmender Inflationsdruck. Spannend wird es, wenn die Weltwirtschaft wieder in Gang kommt.

Von Philip Plickert
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (4)

Seit den Erfahrungen des zwanzigsten Jahrhunderts sind die Deutschen äußerst wachsam, wenn tatsächliche oder scheinbare Gefahren für die Währungsstabilität drohen. Die Hyperinflation der zwanziger Jahre und die Geldentwertung nach dem Zweiten Weltkrieg haben ein historisches Trauma hinterlassen. Viele Bürger schauen derzeit weniger auf die leicht sinkenden Preise, sondern richten den Blick in die mittlere Zukunft: Da baut sich nach Ansicht vieler Ökonomen ein erheblicher Inflationsdruck auf, weil die Notenbanken die Geldschleusen in beispielloser Weise geöffnet haben. Nach Umfragen haben 70 Prozent der Deutschen Angst vor Inflation. Einige versuchen schon, ihr Vermögen durch den Kauf von Sachwerten - etwa Gold oder Immobilien - zu schützen.

Kurzfristig jedoch zeigen die Statistiken ein ganz anderes Bild: Die Preise für viele Waren und Dienstleistungen sinken. Im März lag die Jahresteuerungsrate in Deutschland nur noch bei 0,5 Prozent. Milch, Quark, Butter und auch Mehl sind erheblich günstiger geworden, Fleisch und Gemüse hingegen etwas teurer. Für Energieprodukte mussten die Verbraucher 4,5 Prozent weniger zahlen als vor einem Jahr. Darin drückt sich der drastisch gefallene Preis für Rohöl aus: Im März 2008 kostete das Barrel (159 Liter) noch gut 70 Euro, derzeit ist es für 38 Euro zu haben. Leichtes Heizöl kostet derzeit gut 22 Prozent weniger, Benzin und Diesel etwa 18 Prozent weniger als vor einem Jahr. Dieser extreme Preisverfall verzerrt die allgemeine Preisstatistik: Ohne Einrechnung der Mineralölprodukte notierte der Verbraucherpreisindex im März immer noch 1,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Euro-Raum lag die sogenannte Kerninflationsrate (die ohne Energie- und Lebensmittelpreise berechnet wird) zuletzt bei 1,7 Prozent und damit bislang noch recht stabil.

Gegen die These eines allgemeinen Preisverfalls

Dies spricht gegen die These eines allgemeinen Preisverfalls. Ökonomen bezeichnen diesen als Deflation. Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Sorgen davor zerstreuen. Sie bezeichnet den gegenwärtigen Prozess als Disinflation. Damit meint sie, dass die im Sommer 2008 stark gestiegenen Rohstoffpreise nun nach unten korrigiert haben. Dies sei etwas anderes als ein Rückgang des Preisniveaus auf breiter Front. Seit dem Juli vergangenen Jahres, als die Teuerungsrate mit 4 Prozent im Euro-Raum ihren Höhepunkt erreichte, ist sie zwar stark gesunken. Im Sommer könnte die Jahresinflationsrate auch unter null fallen. Dies war aber zum größten Teil vom Auf und Ab des Ölpreises bestimmt.

Ein sinkender Preis für Öl und andere Rohstoffe, die größtenteils importiert werden, entlastet die Wirtschaft und die Verbraucher, deren Kaufkraft steigt. Die Disinflation hilft damit der Konjunktur. Problematisch wäre es, wenn die Rezession zu einem allgemeinen und sich verstärkenden Verfall der Preise führt, weil die Unternehmen ihre Produkte wegen der Nachfrageschwäche nur noch zu Schleuderpreisen absetzen können.

In einigen Staaten des Euro-Raums, etwa in Irland und Spanien, gibt es Anzeichen dafür. Die Jahresinflationsraten dort sind schon negativ oder nahe null. Deutschland, Frankreich und Italien dagegen erscheinen eher immun gegen eine deflationäre Spirale, urteilen die Analysten der Ratingagentur Standard & Poor's. Zudem liegen die Inflationserwartungen der Finanzmärkte weiter im positiven Bereich. Für Ende des Jahres erwarten viele Ökonomen wieder eine Jahresteuerungsrate von rund 1 Prozent im Euro-Raum.

Mittelfristig allerdings könnte die Inflation deutlich anziehen. Dies liegt vor allem an der gewaltigen Liquidität, die die Notenbanken derzeit ins Finanzsystem pumpen, um einen Kollaps zu verhindern. Dies hat eine starke Ausweitung der Zentralbankgeldmenge bewirkt - allein die Bilanz der amerikanischen Fed hat sich in kurzer Zeit auf knapp 2 Billionen Dollar rund verdoppelt. Das wirkt aber nicht unmittelbar preistreibend, weil viele Banken die Liquidität horten und Kredite an die Wirtschaft oder Verbraucher nur noch zögerlich vergeben.

EZB in der Zwickmühle

Spannend wird es, wenn die Weltwirtschaft wieder in Gang kommt. Die Fed verspricht zwar, im nächsten Aufschwung die Inflation zu bekämpfen. Er werde dafür sorgen, die Liquidität wieder abzuziehen, hat Ben Bernanke, der Fed-Vorsitzende, bekräftigt. Dazu müsste er aber die Leitzinsen anheben, die derzeit praktisch null betragen. Und dies würde nicht nur den beginnenden Aufschwung dämpfen, sondern auch die Zinslast vieler Schuldner erhöhen. Fraglich ist, ob die Fed dann nicht unter erheblichen Druck gerät, zumal der amerikanische Staat derzeit Rekordschulden aufhäuft. Dieses Jahr wird das Defizit laut Haushaltsplanung 1,75 Billionen Dollar betragen, nächstes Jahr nochmals fast 1,2 Billionen. Insgesamt nähert sich die Staatsschuld dem Wert von 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die Versuchung erscheint daher groß, die Schuldenlast durch Geldentwertung zu vermindern. Damit käme auch die EZB in eine Zwickmühle. Will sie Inflationsgefahren gegensteuern, müsste sie die Leitzinsen früher erhöhen als die Fed. Dies könnte aber dazu führen, dass der Euro gegenüber dem Dollar aufwertet, was den Export belastet und die Aufschwungchancen mindert. Selbst wenn die EZB den guten Willen hat, frühzeitig gegen drohende Inflationsgefahren einzuschreiten, wird sie es nicht leicht haben.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Freiheit des Rauchers

Von Winand von Petersdorff

Verbote und Steuern zeigen Wirkung, vor allem bei jungen Leuten. Für Liberale ist das schwer zu schlucken. Mehr 6 18

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.947,17 −0,61%
EUR/USD 1,3195 −0,67%
Rohöl Brent Crude 117,61 $ −0,91%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%