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F.A.Z.-Konjunkturindikator Kein Grund zur Begeisterung

06.08.2004 ·  Vor allem nach der massiven Abnahme der Auftragseingänge ist der F.A.Z.-Konjunkturindikator im Juli leicht gefallen. Doch die Konjunktur in Deutschland ist nach wie vor auf Erholungskurs.

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Die Konjunktur in Deutschland ist nach wie vor auf Erholungskurs. Der F.A.Z.-Konjunkturindikator ist indes leicht gefallen. Das ist nicht überraschend, nachdem der Indikator im Vormonat steil nach oben gestiegen war.

Der Index sank im Juni um 0,2 Prozent und liegt nun bei 101,8. Damit wird der Stand des Vorjahresmonats aber immer noch um 4,9 Prozent übertroffen. Einen Dämpfer erhielten übertriebene Aufschwunghoffnungen auch durch den überraschend starken Fall der Erzeugung im deutschen produzierenden Gewerbe. Die Produktion fiel im Juni nach vorläufigen, saison- und preisbereinigten Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums um 1,9 Prozent. Volkswirte hatten nur ein kleines Minus von 0,1 Prozent erwartet. Im Mai war die Produktion um 0,9 Prozent gestiegen.

Auch im verarbeitenden Gewerbe fiel die Produktion im Juni um 1,9 Prozent. Besonders ausgeprägt war das Minus bei Herstellern von Investitions- und Gebrauchsgütern. Das Bauhauptgewerbe gewann 0,4 Prozent hinzu. Die Erzeugung im produzierenden Gewerbe insgesamt lag im Juni um 2,3 Prozent über dem Vorjahreswert.

Vorsicht bei Juni-Daten

Die Juni-Daten zur Produktionsentwicklung sind mit Vorsicht zu betrachten. Die Sommerferien seien für starke Ausschläge der Erzeugung bekannt, die durch die Saisonbereinigung angesichts der divergierenden Schulferien in den Ländern nicht vollständig erfaßt würden, sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Das Bundeswirtschaftsministerium teilte zudem mit, daß mit einer kräftigen Aufwärtsrevision der Produktionsdaten zu rechnen sei.

Nach Einschätzung von Volkswirten könnte die Aufwärtsrevision rund einen Prozentpunkt ausmachen. Damit stelle der Einbruch der Produktion im Juni eine Korrektur der im April und Mai kräftigen Aufwärtsbewegung dar, heißt es. Dafür spricht, daß die Erzeugung im weniger schwankungsanfälligen Zwei-Monatsdurchschnitt Mai/Juni zu März/April um 0,6 Prozent gestiegen ist.

Nach Berechnungen der Commerzbank auf Basis der vorläufigen Angaben lag die Erzeugung im zweiten Quartal 0,6 Prozent höher als im ersten Vierteljahr, im verarbeitenden Gewerbe sogar um 1,2 Prozent. Dies deute auf einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal von 0,5 Prozent hin, sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) rechnet dagegen nur mit 0,3 Prozent. Im ersten Vierteljahr war das BIP um 0,4 Prozent gewachsen. Eine Schnellmeldung zum Wirtschaftswachstum im zweiten Vierteljahr wird das Statistische Bundesamt am kommenden Donnerstag vorlegen.

Massive Abnahme der Auftragseingänge

Ausschlaggebend für den Rückgang des F.A.Z.-Konjunkturindikators war die massive Abnahme der Auftragseingänge, die im Vormonat noch kräftig angezogen hatten. Hinzu kam, daß sich das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe wieder merklich verschlechterte. Die übrigen Kennziffern des F.A.Z.-Indikators blieben weitgehend unverändert. Die Entwicklung bestätigt, daß zur Euphorie über die weitere wirtschaftliche Erholung kein Anlaß besteht. Der Anstieg des Indikators verlief im ersten Halbjahr recht moderat. Die Wirtschaft befindet sich in einer kritischen Phase: Zum einen lassen die Impulse von der Weltkonjunktur offenbar nach. Zum anderen gibt es bislang erst wenige Anzeichen, daß die Binnennachfrage den nachlassenden Exportschwung ausgleichen kann. Über all dem liegt auf der ganzen Welt die Unsicherheit über den Ölpreis.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2004, Nr. 182 / Seite 9
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