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F.A.Z.-Konjunkturbericht Europa schleppt sich aus der Rezession

 ·  Die Wirtschaft der meisten Staaten im Euro-Raum hat sich gefangen. Es gibt aber auch Rückschlagrisiken. Der monatliche Konjunkturbericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Nach dem drastischen Verfall im Winterhalbjahr haben einige Volkswirtschaften des Euro-Raums früher als erwartet die Wende geschafft. Deutschland und Frankreich, die beiden ökonomischen Schwergewichte der Währungsunion, sind schon im zweiten Quartal wieder etwas gewachsen. Das hat viele Beobachter überrascht. In anderen Staaten, etwa in Spanien und Italien, ging die Rezession jedoch weiter. Auch Großbritannien steckt noch immer in der Rezession. So schleppt sich die europäische Wirtschaft insgesamt nur mühsam aus dem Tal. Trotz der leichten Wende zum Bessern wird sich der Arbeitsmarkt weiter verschlechtern: Im August waren im Euro-Raum erstmals mehr als 15 Millionen Menschen (9,5 Prozent) erwerbslos gemeldet.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal im Euro-Raum nur noch leicht um 0,1 Prozent geschrumpft. Im Sommer könnte es nach Ansicht der Europäischen Kommission zaghaft wachsen, um etwa 0,2 Prozent. Für das Gesamtjahr 2009 bleibt die Kommission aber bei ihrer Prognose von minus 4 Prozent, weil der Einbruch im Winter in einigen Staaten noch schwerer war als befürchtet. Für Deutschland haben die EU-Ökonomen die Prognose leicht heraufgesetzt (minus 5,1 statt 5,4 Prozent); Frankreich scheint sich deutlich besser zu halten (minus 2,1 statt 3 Prozent). Spanien hingegen entwickelt sich schlechter als erwartet (minus 3,7 statt 3,2 Prozent), noch schlechter Italien (minus 5 statt 4,4 Prozent).

Deutschland macht Sprung vorwärts - Italien und Irland nicht

Chancen und Risiken halten sich im Euro-Raum derzeit die Waage, meint die Kommission. Sie glaubt nicht an eine rasche Erholung. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass die Weltwirtschaft wieder in Fahrt kommt. Diese Welle, die in Asien und vor allem in China begann, könnte auch in Europa den Aufschwung beschleunigen. Im August ist der Euro-Einkaufsmanagerindex zum sechsten Mal nacheinander gestiegen. Er liegt nun erstmals seit mehr als einem Jahr über die Schwelle von 50 Punkten, die eine wachsende Wirtschaft anzeigt - allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus: Im Juli lag die europäische Industrieproduktion noch fast 16 Prozent unter dem Vorjahresstand. Die Kapazitäten sind derzeit nur zu 70 Prozent ausgelastet.

Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den europäischen Volkswirtschaften: Deutschland, das vom Absturz des Exports im Winterhalbjahr besonders hart getroffen war, hat im Sommerquartal offenbar einen kleinen Sprung vorwärts gemacht. Auch in Frankreich dürfte die Produktion wieder etwas stärker gewachsen sein. Hingegen liegen Italien und Irland weiter darnieder. Und Spanien kämpft mit seiner Immobilienkrise und dem Anstieg der Arbeitslosigkeit, die inzwischen fast 20 Prozent beträgt. Am anderen Ende des Kontinents, im Baltikum, steckt die Wirtschaft in verheerenden Rezessionen (mit Rückgängen von 18 bis 20 Prozent in Lettland und Litauen). Dagegen erweist sich Polen als Stabilitätsinsel in Osteuropa.

Die fünf Quartale Rezession im Euro-Raum waren durch einen äußerst tiefen Einbruch der Ausfuhr und der Investitionen gekennzeichnet. Inzwischen hat sich dieser Rückgang abgeschwächt. Im zweiten Quartal investierten die Unternehmen zwar nochmals 1,4 Prozent weniger in Maschinen und Fahrzeuge, zum Vorjahr war der Rückgang 14 Prozent, doch scheint nun ein Boden gefunden zu sein. Der Export sank nur noch um durchschnittlich 1,1 Prozent. Weil aber der Import noch stärker schrumpfte (minus 2,8 Prozent), war der Außenbeitrag zur Konjunktur im zweiten Quartal sogar kräftig positiv. Mit der erwarteten Erholung des Exports dürfte sich dieser Trend verstärken. Zudem könnte der Lagerzyklus drehen: Nachdem die Unternehmen ihre Vorräte aufgebraucht haben, dürfte jede neue Nachfrage einen erheblichen Schub auf die Produktion geben.

Der Konsum stützt die Konjunktur

Als wichtigste Stütze der Konjunktur hat sich in der Rezession der Konsum erwiesen. Der private Verbrauch, ermuntert durch die niedrige Inflation, nahm im Durchschnitt des Euro-Raums zuletzt leicht zu (im zweiten Quartal plus 0,2 Prozent). Die Staaten haben ihre konsumptiven Ausgaben während der Rezession stetig ausgeweitet. Insgesamt beziffert die Kommission den Umfang der staatlichen Konjunkturpakete im Euro-Raum auf rund 1,4 Prozent des BIP. Hinzu kommen die automatischen Stabilisatoren, die Ausgaben der Arbeitslosenversicherung und des Sozialstaats. Ohne Zweifel hat all dies dazu beigetragen, die Rezession zu dämpfen.

Fraglich ist jedoch, wie nachhaltig der Impuls der Konjunkturpakete wirkt. Viele Ökonomen sehen Rückschlagrisiken - vor allem für die Autoindustrie, wenn die Abwrackprämie in Deutschland, Frankreich und Italien fast zeitgleich ausläuft. Für den Herbst erwartet die EU-Kommission daher schon wieder ein schwächeres Wachstum von nur noch 0,1 Prozent zum Vorquartal. Ein weiteres Risiko stellt immer noch der Finanzsektor dar. Banken könnten in neue Schwierigkeiten geraten, wenn Kredite als Spätfolge der Rezession ausfallen. Andererseits fangen einige Teile der Konjunkturprogramme erst später zu wirken an, etwa die Bauprojekte. Im kommenden Jahr wird so nochmals ein Impuls von etwa 1 Prozent des BIP erwartet.

Die Kehrseite der Medaille zeigt sich in den ausufernden Staatsdefiziten, weil nicht nur die Ausgaben stark steigen, sondern auch die Steuereinnahmen rapide schrumpfen. Das höchste Defizit in der EU wird 2010 in Irland mit kaum glaublichen 15 Prozent des BIP erwartet. Nach einer internen Berechnung der EU könnten sich die Schuldenquoten vieler Staaten bis 2020 mehr als verdoppeln. Irland könnte dann Schulden von 200 Prozent des BIP haben (2008 waren es 43 Prozent), Großbritannien rund 180 Prozent, Italien und Frankreich je 125 Prozent und Deutschland 100 Prozent des BIP.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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