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F.A.Z.-Konjunkturbericht Eine moderate Erholung ist immer noch am wahrscheinlichsten

06.07.2005 ·  Steigende Aufträge, ein abwertender Euro, ein besseres Geschäftsklima: Die zaghaften Zeichen mehren sich, daß es mit der Euro-Wirtschaft doch wieder bergauf gehen könnte. Der monatliche Konjunkturbericht der F.A.Z.

Von Patrick Welter
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Die Wirtschaftsaussichten im Euro-Raum waren im ersten Halbjahr 2005 trübe. Erst mit den jüngsten Klimaumfragen für den Monat Juni gibt es zögerliche Zeichen, daß es mit der erwarteten Erholung der Euro-Konjunktur im Verlauf des zweiten Halbjahres etwas werden könnte. Die Industrieunternehmen werteten zum ersten Mal in diesem Jahr die Konjunkturaussichten wieder besser als zuvor.

Die Europäische Zentralbank (EZB), deren Rat an diesem Donnerstag über die weitere Geldpolitik entscheiden wird, dürfte daraus Hoffnung schöpfen. Allgemein wird erwartet, daß der EZB-Rat den Leitzinssatz unverändert bei 2 Prozent belassen wird.

Scharfe Korrektur in den Niederlanden

Nach dem kräftigen, aus statistischen Gründen aber überzeichneten Jahresbeginn hat sich die Konjunktur im Euro-Raum deutlich abgeschwächt. Für das erste Quartal weist Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal aus. Hinter diese Zahl muß man seit Mittwoch ein Fragezeichen setzen. Denn die Niederlande, der fünftgrößte Staat im Euro-Raum, setzten die Wachstumsdaten für das erste Quartal drastisch von minus 0,1 auf minus 0,8 Prozent herab. Das könnte stärker wiegen als die leichte Aufwärtsrevision in Frankreich von 0,2 auf 0,3 Prozent.

Wie auch immer die Wachstumsrate für den Euro-Raum in wenigen Wochen aussehen wird, ist sicher, daß die Binnennachfrage deutlich absackte. Erste Angaben im zweiten Quartal werden erst Mitte August vorliegen. Doch weisen die Entwicklungen in wichtigen Wirtschaftsbereichen auf ein geringeres Wachstum hin.

Schwache Produktion, müder Einzelahndel

Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe schrumpfte im ersten Quartal. Sie hat sich im April zwar erholt; Umfragedaten wie das Industrievertrauen und der Reuters-Einkaufsmanagerindex aber zeigen an, daß im Mai und Juni von hier kein entscheidender Impuls gekommen ist. Der private Verbrauch schwächte sich im ersten Quartal ab und wuchs nur noch um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die bis Mai vorliegenden Daten zum Einzelhandelsumsatz deuten darauf hin, daß im zweiten Quartal der Konsum womöglich stagnierte. Hierin schlägt sich der Kaufkraftentzug nieder, der den höheren Öl- und Spritpreisen ebenso geschuldet ist wie der andauernden Sorge der Verbraucher vor Arbeitslosigkeit und andauernder Wachstumsschwäche.

Eine Stütze für die Euro-Wirtschaft ist dagegen unverändert der Dienstleistungsbereich. Nach dem Reuters-Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungen hat sich hier zwar im Juni das Klima etwas verschlechtert. Der Index weist aber wie in den Monaten zuvor auf eine andauernde Expansion im Servicebereich hin. Alles in allem ziehen Volkswirte aus diesen Daten den Schluß, daß die Euro-Wirtschaft im zweiten Quartal höchstens um 0,2 oder 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist. Das wäre weniger als das geschätzte inflationsneutrale Wachstumspotential von - auf Quartalsbasis - etwa 0,5 Prozent.

Zwei Erklärungen für den Klimawandel

Die Hoffnungen für die kommenden Monate stützen sich darauf, daß die Klimaumfragen im verarbeitenden Gewerbe für Juni eine leichte Aufhellung anzeigten, zum ersten Mal in diesem Jahr und gestützt auf leicht bessere Zukunftserwartungen. Dafür gibt es mindestens zwei Erklärungen. Die eine besagt, daß die kräftige Abwertung des Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar die Exportaussichten der Unternehmen wieder beflügelt hat. Der Außenhandel der Unternehmen über die Grenzen des Euro-Raums hinweg hat bis in das Frühjahr hinein die hiesige Konjunktur gestützt.

Der Anstieg des Außenbeitrags (Export minus Import) im ersten Quartal auf 2,7 Prozent des BIP gründete überwiegend darin, daß der Import von Waren und Dienstleistungen aufgrund der schwachen Binnennachfrage real schrumpfte. Dies verdeckt, daß die Zuwachsraten des Exports zwar positiv sind, sich bis April aber spürbar abschwächten - als Folge der nachgebenden Weltkonjunktur und auch als Spätfolge vergangener Euro-Aufwertungen. Eine Abwertung des Euro kann da in den kommenden Monaten nur Erleichterung bringen, auch wenn die positiven Wirkungen zur Gänze erst in zwei bis drei Quartalen auf die Wirtschaft durchschlagen.

Hoffnung auf den Lagerzyklus

Die zweite Erklärung für die leichte Aufhellung des Geschäftsklimas in der Industrie ist, daß die Unternehmen ihre Läger in den vergangenen Monaten zunehmend als leer ansahen. Dies läßt die Hoffnung aufkommen, daß ein moderater Lageraufbau ansteht, der die Binnennachfrage und das Wachstum stützen dürfte. Im Winterhalbjahr und wohl auch noch im zweiten Quartal war dies nicht der Fall; der Lagerabbau dämpfte das Wirtschaftswachstum. Deutlich sichtbar ist dies daran, daß die Produktion der Vorleistungsgüter stockte und schrumpfte, während die Produktion von Konsum- und Investitionsgütern weniger stark von der Abschwächung betroffen war.

Gestützt wird diese Interpretation der Daten dadurch, daß die moderate Erholung der Investitionen im ersten Quartal wohl nicht abgebrochen ist. Zwar schrumpften die Bruttoanlageinvestitionen im ersten Quartal um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die dürfte aber auf die außergewöhnliche und witterungsbedingte Schwäche der Bauwirtschaft zurückgehen. Denn zugleich stieg die Wertschöpfung in der Industrie inklusive Energie um 0,7 Prozent, während sie am Bau um 2,2 Prozent schrumpfte.

Rezessionsgefahr unwahrscheinlich

Der erwartete Schub im Lagerzyklus ist bislang nur eine Hoffnung. Dafür spricht, daß der Auftragseingang der Industrieunternehmen im April gestiegen ist, zum ersten Mal in diesem Jahr. Einzuwenden ist indes, daß nach Umfragen die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe ihre Kapazitätsauslastung noch im selben Monat deutlich unterdurchschnittlich einschätzten. Auch haben die Investitionsabsichten der Industrieunternehmen sich eingetrübt. Nach der jetzt veröffentlichten, aber schon im März/April erstellten Umfrage der Kommission wollen die Unternehmen ihr Investitionsvolumen in diesem Jahr nur noch um ein Prozent ausweiten. Im Oktober/November planten sie noch ein Plus von 2 Prozent.

All das spricht nicht dafür, daß die Euro-Konjunktur sich in den kommenden Monaten kräftig zum Besseren wendet. Doch weisen die Daten auch nicht auf eine drohende Rezession hin. Am wahrscheinlichsten ist immer noch, daß die Euro-Konjunktur sich vorerst moderat erholen und sich weiter "durchwursteln" wird.

Quelle: F.A.Z., 07.07.2005, Nr. 155 / Seite 10
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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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