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F.A.Z.-Konjunkturbericht Die Erholung muß von den Unternehmen ausgehen

02.03.2004 ·  Die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum setzt sich fort. Die Stimmung unter Analysten und Unternehmern wird gedämpfter. Der F.A.Z.-Konjunkturbericht.

Von Patrick Welter
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Die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum setzt sich fort. Die Stimmung unter Analysten und unter den Unternehmern wird freilich gedämpfter. Erste Wirtschaftsbeobachter beginnen, vom Bild einer gemäßigten Erholung in diesem Jahr abzurücken. Einzelne Forschungsinstitute setzen ihre Konjunkturprognosen leicht nach unten. Andere Analysten betonen, daß sie nie von einem Aufschwung, sondern immer nur von einer Erholung gesprochen hätten.

Von einem Stimmungswandel zu sprechen, wäre verfrüht. Aber ein Nachdenken über den Optimismus, der sich um die Jahreswende breit machte, hat eingesetzt. Zwei Gründe gibt es dafür. Da sind zum einen enttäuschte Hoffnungen für das Wirtschaftswachstum zum Jahresschluß 2003. Und da ist zum anderen die Aufwertung des Euro, die allmählich auf das Gemüt der Unternehmer schlägt und die durch die offen ausgesprochenen Sorgen der europäischen Notenbanker zusätzlich aufgewertet wurde.

Um saisonale Effekte bereinigt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Staaten der Währungsunion ist nach einer Schnellschätzung von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, im vierten Quartal 2003 um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, real und um saisonale Effekte bereinigt. Das war spürbar weniger als erwartet und sogar leicht schwächer als noch im dritten Quartal. Damit startete der Euro-Raum in dieses Jahr von einem niedrigeren Niveau. Es fehlt offensichtlich noch der Schwung, der die hiesige Wirtschaft bis weit in dieses Jahr hinein tragen sollte. Beides trägt dazu bei, daß schon aus statistischen Gründen die Wachstumsrate für 2004 leicht niedriger ausfallen wird als zuvor erwartet.

Detaillierte Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für den Euro-Raum werden erst in einigen Tagen vorliegen. Bislang verfügbare Daten weisen darauf hin, daß die Industrieproduktion bis in den Dezember hinein abgeschwächt gewachsen ist. Der private Konsum dürfte dagegen im vierten Quartal seine Schwächeperiode kaum überwunden haben. In Deutschland, dem größten Staat im Euro-Raum, ist der private Verbrauch zum Jahresende geschrumpft. In Frankreich, der wirtschaftlichen Nummer zwei im Euro-Raum, ist er nur unterdurchschnittlich gewachsen. Die Hoffnungen der Volkswirte richten sich angesichts dieses grauen Bildes darauf, daß die Investitionen der Unternehmen in beiden Staaten und auch im Euro-Raum insgesamt kräftig zugelegt haben.

Nachholbedarf aufgestaut

Für eine Fortdauer dieser Erholung der Investitionen spricht einiges. In den vergangenen Jahren der Zurückhaltung hat sich Nachholbedarf aufgestaut. Gemessen als Anteil am BIP, liegen die Neuinvestitionen schon seit einigen Quartalen deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnitt. Auch sind die Gewinne der Unternehmen zuletzt ebenso gestiegen wie die Produktivität. Zusammen mit den - dank der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) - geringen Kapitalkosten sind viele Faktoren gegeben, die einen Anstieg der Investitionen erlauben. Dem kommt entgegen, daß sich die Stimmung der Unternehmen seit Sommer 2003 deutlich verbessert hat.

In den Erwartungen der Unternehmen spiegeln sich freilich auch die Risiken, die ein Auf im Investitionszyklus als möglich, aber noch nicht als gesichert erscheinen lassen. Die jüngste Stagnation und leichte Abschwächung der aus Unternehmensbefragungen gewonnenen Klimaindikatoren zeigen, daß die seit Herbst 2002 andauernde Aufwertung des Euro ihre Spuren hinterläßt. Gerade in Italien, wo die Wechselkurse stark auf die Produktion durchschlagen, aber auch in Deutschland ist das Geschäftsklima zuletzt gefallen. In Deutschland trug dazu zusätzlich bei, daß das Bild der Regierungskoalition als Reformmotor gelitten hat und die Bremser in der SPD offensichtlich an Einfluß gewinnen.

Kein Stimmungsumschwung

Analysten vermerkten zudem, daß die leichte Abschwächung des Ifo-Geschäftsklimaindikators einer Normalisierung gleichkomme und noch nicht von einem Stimmungsumschwung zeuge. Dafür spricht auch, daß die Neubestellungen im verarbeitenden Gewerbe unverändert ordentlich eingehen. Noch scheint die schneller wachsende Weltwirtschaft genügend Kraft zu besitzen, um dem Euro-Raum Impulse zu geben. Das erklärt, daß die Produktionserwartungen den europäischen Umfragen zufolge bis zuletzt gestiegen sind. Der starke Zuwachs des Auftragseingangs auf europäischer Ebene von 5,7 Prozent im Dezember verdankt sich freilich allein französischen Großaufträgen.

Trotz solcher vergleichsweise positiven Daten aus der Realwirtschaft ist die Stärke des Euro das größte Risiko, das sich für den Investitionszyklus ergibt. Bei dem derzeitigen Kursniveau zwischen 1,25 und 1,30 Dollar dürften die bremsenden Wirkungen nicht stark genug sein, um die Erholung zu gefährden. Ein Wirtschaftswachstums von 1,5 bis 2 Prozent liegt für dieses Jahr im Bereich des möglichen. Das wäre weniger als das Produktionspotential, aber deutlich mehr als die 0,4 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr.

Verbraucherstimmung unter Durchschnitt

Sicher ist jedenfalls, daß die Impulse von den Unternehmen kommen müssen. Zwar ist die Stimmung unter den Verbrauchern bis zuletzt gestiegen; sie liegt aber immer noch unter ihrem langfristigen Durchschnitt. Für eine durchgreifende Besserung des Verbrauchs ist eine Besserung am Arbeitsmarkt vonnöten, die kräftig expandierender Unternehmen bedarf. Von der Einkommensseite her wird der Konsum durch niedrigen Preisdruck gestützt, der den Anstieg der staatlich bestimmten Preise beispielsweise im Gesundheitswesen kompensiert. Der jüngste deutliche Fall der Inflationsrate im Euro-Raum unter 2 Prozent unterzeichnet dabei freilich die Entwicklung, weil er einem statistischen Basiseffekt geschuldet ist: Der starke Anstieg der Ölpreise vor einem Jahr wird von Februar an in der jährlichen Inflationsrate nicht mehr mitgezählt.

Die Hoffnungen der Volkswirte richten sich auf die Investitionen

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2004, Nr. 52 / Seite 14
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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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