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F.A.Z.-Konjunkturbericht China und Amerika wachsen, Europa lahmt

 ·  Deutschland könnte mehr vom Aufschwung in Asien profitieren; die schwachen Länder der Euro-Peripherie stecken tief im Sumpf. „Die EU erholt sich, aber es gibt noch Gegenwind“, warnen die Ökonomen der Kommission. Ein Risikofaktor bleibt die Geldpolitik: Konjunkturbericht der F.A.Z.

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Europa droht in der weltwirtschaftlichen Erholung nach dem Krisenjahr 2009 auf einen hinteren Platz zurückzufallen. Während Asien, vor allem China, atemberaubendes Wachstum meldet und selbst Amerika den Einbruch um 2,5 Prozent vom vergangenen Jahr in diesem Jahr wieder vollständig aufholen könnte, lahmen die europäischen Länder hinterher. Nach dem tiefen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4 Prozent im Krisenjahr 2009 geht es dieses Jahr kaum voran.

Nicht einmal ein Viertel des Einbruchs wird nach den pessimistischen Schätzungen der Europäischen Kommission aufgeholt, die bloß mit 0,7 Prozent plus rechnet, wobei Deutschland und Frankreich mit je 1,2 Prozent Zuwachs den Durchschnitt etwas nach oben ziehen. "Die EU erholt sich, aber es gibt noch Gegenwind", warnen die Ökonomen der Kommission. Angesichts des tiefen Niveaus nach der Rezession ist die prognostizierte Erholung kaum wirklich als Aufschwung zu bezeichnen. Zudem nehmen die Spannungen im Euro-Währungsraum zu, weil die Volkswirtschaften weiter auseinanderdriften: Die wettbewerbsfähigen Kernstaaten wie Deutschland, das stark vom Export abhängt, könnten mehr vom Aufschwung in Asien profitieren; die schwachen Länder der Euro-Peripherie stecken tief im Sumpf. Ihre Aussichten sind nicht nur kurz-, sondern auch mittelfristig schlecht, weil die Krise schwere Schwächen ihrer gesamten Wirtschaftsstruktur offengelegt hat.

Spanien wiegt schwerer als Griechenland

Die griechische Tragödie - unabhängige Ökonomen erwarten in diesem Jahr einen Wirtschaftseinbruch um 3 Prozent - könnte der Euro-Raum noch verschmerzen, weil die hellenische Wirtschaft nur einen kleinen Anteil an der Währungsunion (nicht einmal 3 Prozent) ausmacht. Ein größeres Gewicht hat Spanien, immerhin die viertgrößte Volkswirtschaft des Euro-Raums. Das Land mit seinen hochverschuldeten privaten Haushalten leidet nach dem Zusammenbruch seiner aufgeblähten Baubranche unter einer enorm hohen Arbeitslosigkeit von rund 19 Prozent. Zur Jahresmitte wird die Mehrwertsteuer angehoben, was den Konsum weiter schwächen wird. Insgesamt erwarten die EU-Ökonomen für Spanien 2010 einen Rückgang des BIP um 0,6 Prozent. Das könnte auch auf Portugal abstrahlen, für das nur ein schwaches Wachstum erwartet wird. In Italien, der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft, erscheint die Konjunktur weiter stark schwankend: Nach einem leichten Minus im Schlussquartal 2009 dürfte es in diesem Jahr allenfalls ein schwaches Plus von 0,7 Prozent geben.

Nimmt man die fünf Euro-Länder zusammen, die an den Finanzmärkten auch mit dem Schimpfnamen PIIGS bezeichnet werden, so ergeben diese gut ein Drittel des gesamten Währungsgebiets. Ihre Schwäche ist nicht nur konjunkturell, sondern auch strukturell bedingt, weil sie in den Wachstumsjahren weit über ihre Verhältnisse gelebt haben, zum Teil geblendet von vermeintlichem Immobilienreichtum wie in Spanien und Irland. Die Lohnniveaus sind deutlich schneller als die Produktivität gestiegen, was die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf dem Weltmarkt beschädigt hat. Der Export entwickelte sich schlechter als der Import, daraus resultierten steigende Leistungsbilanzdefizite und eine wachsende Auslandsverschuldung. Nun wird der private Konsum bescheidener, der Import muss verringert werden.

Getrübte Aussichten für den Export

Das trübt natürlich auch die Aussichten der exportorientierten Staaten. Deutschland, die größte Volkswirtschaft des Euro-Raums, hat vergangenes Jahr mit einem Rückgang des BIP von 4 Prozent mit den schwersten Einbruch erlebt, nachdem der Welthandel plötzlich stark geschrumpft war. Im Sommerhalbjahr 2009 schoben die Konjunkturpakete eine erste Erholung an, die jedoch im Herbst in Stagnation überging. Im Winter lähmten Frost und Schnee wichtige Branchen wie den Bau, auch der Einzelhandel erlitt Einbußen. Nach einem nochmals schwachen ersten Quartal lassen die kräftig gestiegenen Stimmungsindikatoren ein freundliches Frühjahrsquartal erwarten. Bis zu 1 Prozent könnte der Zuwachs erreichen. Allerdings wird im weiteren Jahresverlauf der Schub durch die Konjunkturpakete nachlassen. Auch der Lageraufbau, der zeitweilig die Produktion stark getrieben hat, dürfte sich wieder abschwächen, weil viele Unternehmen angesichts des doch geringen Auftragsniveaus nicht zu hohe Vorräte anlegen wollen.

"Nach dem Ende der Konjunkturprogramme und wegen des Lagerzyklus wird sich der weltwirtschaftliche Aufschwung abschwächen", warnt Andreas Rees, der Deutschland-Chefvolkswirt der Bank Unicredit. Er ist auch pessimistisch, was die Erholung der Weltwirtschaft angeht. Chinas Wachstum, von ungeheurer Kreditexpansion befeuert, könnte sich schneller abkühlen, als viele erwarteten. Auch die Chinesen stünden bald vor der Frage, wem sie ihren großen Export aufdrücken sollten, wenn wichtige Abnehmer wie die amerikanischen Verbraucher sparen müssten. Die Gefahren aus der Verschuldung - die in manchen Ländern mehr privat, in anderen öffentlich ist - erscheinen insgesamt hoch und belasten die Entwicklung sowohl kurz- als auch mittelfristig.

Ein letzter Risikofaktor bleibt die Geldpolitik. Angesichts der fragilen Erholung stehen die Notenbanken vor einer Gratwanderung: Bislang hat sie mit viel billigem Geld die Erholung der Wirtschaft begünstigt und an den Börsen die Kurse getrieben. Um nicht neue Blasen entstehen zu lassen, müssten die Zentralbanken den Geldhahn eigentlich bald zudrehen. Andererseits blicken sie mit Sorge darauf, dass weniger Kredite an die Realwirtschaft vergeben werden. Dies muss noch keine Kreditklemme sein. Es könnte aber dazu kommen, weil in den Bilanzen der Banken noch manche faulen Positionen stehen, die abgeschrieben werden müssen. All das sind keine guten Voraussetzungen für eine kräftige Erholung der Wirtschaft.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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