08.12.2006 · Die Konjunktur wird demnächst weniger dynamisch verlaufen als zuletzt. Darauf deutet der F.A.Z.-Konjunkturindikator hin, der im Oktober leicht gesunken ist. Die Industrieproduktion fiel zum zweiten Mal nacheinander.
Die Konjunktur in Deutschland wird demnächst etwas weniger dynamisch verlaufen als in den vergangenen Monaten. Darauf deutet der F.A.Z.-Konjunkturindikator hin, der vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel für diese Zeitung berechnet wird. Im Oktober gab der Index leicht um 0,3 Prozent auf 113,3 Punkte nach. Das Niveau im Vorjahr wurde um 5,7 Prozent übertroffen. Auch die Entwicklung der Industrieproduktion, die im Oktober abermals zurückging, weist auf eine verhaltenere wirtschaftliche Entwicklung hin.
Der F.A.Z.-Konjunkturindikator stagniert nun seit drei Monaten, nachdem er zuvor sehr stürmisch gestiegen war. Dieser Verlauf deutet darauf hin, daß sich die konjunkturelle Expansion um die Jahreswende abflachen wird. Diese Einschätzung wird von den Konjunkturbeobachtern allgemein erwartet. Wie es danach weiter geht, läßt sich aus dem Indikator noch nicht ablesen.
Weniger Aufträge
Die verhaltene Entwicklung des F.A.Z.-Indikators im Oktober beruht darauf, daß der Auftragseingang der Industrie seit dem Sommer nicht mehr gestiegen ist. Gestützt wurde der F.A.Z.-Indikator durch den abermaligen Anstieg des Geschäftsklimas im verarbeitenden Gewerbe; auch deutet der Anstieg der Aktienkurse auf eine bessere Stimmung hin. Einen Dämpfer erhielt der Indikator durch die weitere Verringerung der Zinsdifferenz. Während sich die langfristigen Zinsen tendenziell zurückgingen, zogen die kurzfristigen Zinsen im Vorgriff auf die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank an. Die übrigen Kennziffern veränderten sich nur wenig.
Industrieproduktion sinkt abermals
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe lag nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums von Freitag im Oktober 1,4 Prozent niedriger als im September, in dem sie weniger stark gefallen war. Zu dem deutlichen Minus trug das Bauhauptgewerbe bei; hier fiel die Produktion im Oktober um 2,3 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe ging die Produktion im Oktober 1,2 Prozent zurück. Im weniger schwankungsanfälligen Zwei-Monatsvergleich September/Oktober zu Juli/August fiel die Produktion im produzierenden Gewerbes insgesamt weniger stark um 0,6 Prozent. Doch ist die schlechte Entwicklung breit basiert: alle Bereiche weisen ein Minus auf, mit Ausnahme der Hersteller von Investitionsgütern mit einem schwachen Plus von 0,2 Prozent.
Nach Einschätzung des Ministeriums hat das produzierende Gewerbe nach den zuvor starken Zuwachsraten zu Beginn des vierten Quartals eine Verschaufpause eingelegt. Die Auftragslage sei aber unverändert gut und eine "aufwärts gerichtete Produktion im vierten Quartal weiterhin zu erwarten". Im Oktober lag die Produktion 5 Prozent höher als vor einem Jahr.
Höhepunkt überschritten?
Bankvolkswirte verwiesen am Freitag darauf, daß die schlechte Entwicklung der Industrieproduktion im Gegensatz zur sehr guten Entwicklung der Ausfuhr stünde. Womöglich hätten die Unternehmen im Oktober ihre Lagerbestände abgebaut, vermuten etwa die Ökonomen der Commerzbank. Angesichts der zuletzt sinkenden Aufträge gehen die Ökonomen im Einklang mit der Entwicklung des F.A.Z.-Indikators davon aus, daß die Konjunktur sich vorerst ein wenig abschwächen werde.
Holger Schmieding von der Bank of America stellte angesichts der sinkenden Industrieproduktion die Frage, ob die deutsche Wirtschaft den konjunkturellen Höhepunkt schon hinter sich habe. Er vermutet, daß die guten Ausfuhrdaten die Entwicklung überzeichneten, während die schlechten Produktionsdaten den Trend unterzeichneten. Gemessen an den quartalsweisen Wachstumsraten dürfte die Wirtschaft vorerst weniger stark wachsen, erklärte Schmieding. Nach der Mehrwertsteuererhöhung werde die Abschwächung aber mild ausfallen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2471 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,36 $ | −0,46% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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