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Exportüberschüsse : Deutschlands Wirtschaft ist „zu stark“ – warum?

Trägt zu Deutschlands Exportüberschuss bei: Endkontrolle im BMW-Werk Regensburg. Bild: dpa

„Deutschlands wirtschaftliche Stärke ist nicht tragbar“, findet ein französischer Präsidentschaftskandidat. Er hat viel Zustimmung auf der Welt. Wie konnte die deutsche Wirtschaft so mächtig werden?

          Deutschland steht wirtschaftlich in voller Blüte. So viele Menschen haben Arbeit wie nie zuvor, deutsche Unternehmen exportieren ihre Güter in alle Welt. Deutschland geht es so gut, dass anderen Ländern bange wird. Das wurde diese Woche überdeutlich.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          „Deutschlands wirtschaftliche Stärke ist in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar“, sagte der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron Anfang der Woche. Auch in Washington, wo sich Finanzminister und Notenbankchefs treffen, hat Deutschland Kritik abbekommen. IWF-Chefin Christine Lagarde kritisierte die Bundesregierung dafür, dass Deutschland mehr Waren ausführt als importiert.

          Die Angst der Anderen hat zwei Gründe: Sie fürchten, dass ihnen keine Arbeitsplätze mehr bleiben, wenn zu viele Produkte aus Deutschland kommen. Und sie fürchten, dass sich ihre Volkswirtschaften für die deutschen Waren zu sehr bei Deutschland verschulden, so dass wieder eine neue Finanzkrise droht.

          Wie ist Deutschland wirtschaftlich so stark geworden, dass es den anderen Angst machen kann? Hier sind die Gründe:

          Gute Produkte. Deutschlands Exporte sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen: 2005 führte Deutschland noch Waren für nicht mal 800 Milliarden Euro aus, im Jahr 2016 waren es fast 1200 Milliarden. Autos, Maschinen, Chemieprodukte – darin ist Deutschland besonders stark. Aber es gibt noch viele weitere Branchen, in denen Leute aus anderen Ländern deutsche Produkte so gut finden, dass sie sie kaufen.

          Der schwache Euro. Wenn Deutschland so viele Waren exportiert, müsste eigentlich die Währung stärker werden – schließlich ist mit den Waren auch die Währung begehrt. Dann würden die deutschen Produkte teurer und für andere Länder weniger attraktiv. Gleichzeitig würden ausländische Produkte für die Deutschen günstiger. Doch der Euro-Kurs wird von wirtschaftlich schwächeren Staaten zurückgehalten: von Griechenland, aber auch von Italien und von Frankreich. Zumal die Europäische Zentralbank die Zinsen nahe Null hält.

          Die Lohnzurückhaltung. Deutschlands Arbeitsmarkt ist stark. Eigentlich müssten die deutschen Arbeitnehmer hohe Gehälter verhandeln können. Doch offenbar halten sie sich zurück. Erst seit 2014 liegen die Lohnerhöhungen überhaupt nennenswert über der Inflation. Die Lohnzurückhaltung wirkt wie der schwache Euro: Deutsche Produkte bleiben billig, gleichzeitig können sich die Deutschen weniger ausländische Produkte kaufen.

          Weniger Staatsschulden. Dass der Euro nicht noch stärker geworden ist, hat noch einen weiteren Grund, wie die Bundesbank feststellt: Deutschland hat im vergangenen Jahr mehr als 100 Milliarden Euro an öffentlichen Krediten bei Ausländern abgelöst. Das liegt zum einen daran, dass die Bundesregierung inzwischen mit ihrem Geld auskommt, also weniger neue Kredite aufnimmt – und zum anderen am Anleihen-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank: Die hat inzwischen insgesamt europäische Staatsanleihen für mehr als eine Billion Euro erworben, auch aus Deutschland.

          Der niedrige Ölpreis. Weil Öl so billig war, mussten die Deutschen weniger für ihr Öl und Benzin ausgeben – also auch weniger importieren. Auch das hat dazu beigetragen, dass die Lücke zwischen Exporten und Importen gewachsen ist.

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          Was wollen die anderen?

          Keinen dieser Gründe wird Deutschland so leicht aufgeben oder ändern können. Generell ist hoch umstritten, ob die deutsche Bundesregierung viel gegen einen hohen Exportüberschuss tun kann, der sich aus den Einzelentscheidungen von Millionen Leuten innerhalb und außerhalb Deutschlands ergibt. Die anderen Länder haben trotzdem eine Wunschliste an Deutschland:

          Mehr Investitionen. Breitband-Netze ausbauen, Straßen modernisieren – all solche Investitionen wären gut für Deutschland, so läuft die Argumentation der anderen Länder, und gleichzeitig würde es die Importe stärken. Denn entweder muss Deutschland für die Investitionen selbst Güter importieren – oder Deutschland braucht in der aktuellen guten Arbeitsmarktlage mehr Straßenbauer, die dann andere Produkte nicht mehr herstellen können. Dann müsste Deutschland diese Güter importieren.

          Mehr Konsum. Auf welchem Weg Deutschlands Import wächst, ist den anderen Staaten aber nicht so wichtig. Wenn die Deutschen über Steuersenkungen mehr Geld in der Tasche hätten, um das auszugeben – auch dagegen hätten die anderen Staaten wenig. Auch gegen staatlichen Konsum haben die anderen Regierungen nichts einzuwenden. Deshalb helfen die Milliarden, die der deutsche Staat für Flüchtlinge zahlt, aus Sicht von IWF-Chefin Lagarde auch gegen den Exportüberschuss.

          Höhere Staatsschulden. All die Investitionen bringen aber wenig, wenn der Staat das Geld an anderer Stelle einspart. Deshalb ist zumindest die implizite Hoffnung der anderen Staaten oft, dass sich der deutsche Staat wieder mehr verschuldet. Dann gäbe es auch wieder mehr Staatsanleihen, in die Ausländer investieren könnten.

          Quelle: FAZ.NET

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