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Existenzgründungen Weniger Menschen wagen die Selbständigkeit

20.12.2006 ·  Nach dem Hoch durch die Ich-AGs gehen vor allem die Gründungen Arbeitsloser zurück, denn es ist nicht mehr so leicht, an staatliche Existenzförderprogramme heranzukommen, hat die KfW-Bank ermittelt.

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Die Gründungen von Unternehmen in Deutschland gehen weiter zurück. Nach dem durch die Ich-AGs ausgelösten Hoch in den vorangegangenen Jahren machen sich die seit der Jahreswende 2004/2005 verschärften Zugangsbedingungen zu Existenzförderprogrammen der Bundesagentur für Arbeit bemerkbar. Im Jahr 2005 haben nach Berechnungen der staatseigenen Förderbank KfW 1,39 Millionen Menschen eine selbständige Tätigkeit begonnen, 620.000 im Vollerwerb und 770.000 im Nebenerwerb. Das bedeutet im Vergleich zum Jahr 2004 einen Rückgang um 40.000.

Auch für das Jahr 2006 sieht die KfW eine Fortsetzung dieser Tendenz, weil immer weniger Befragte angegeben haben, sie wollten innerhalb der kommenden Monate ein Unternehmen gründen. Ob der in den vergangenen Monaten eingesetzte Stimmungsaufschwung in der Wirtschaft die Gründungsneigung wieder verstärkt hat, darüber sagt die Ergebung nichts aus - die erhobenen Daten reichen noch nicht soweit. Grob geschätzt, enthalten die im Jahr 2005 neu gegründeten Unternehmen eine Million vollzeitäquivalente Arbeitsplätze. Genau sagen kann die KfW dies allerdings nicht, weil Verdrängungseffekte nicht untersucht werden konnten, und weil nur 50 Prozent der Gründungen die ersten 5 bis 7 Jahre überstehen.

Rückgang der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit

Auffällig sei der Rückgang der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit, sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch bei der Vorstellung der Ergebnisse in Frankfurt. Im Jahr 2005 habe deren Anzahl (Vollerwerbsgründer) um etwa 160000 abgenommen. Der Zugang zu Fördermitteln der Bundesagentur für Arbeit sei erschwert worden. Die Bundesagentur verlange inzwischen eine "Tragfähigkeitsbescheinigung", welche die Sinnhaftigkeit eines Gründungsvorhabens durch einen Dritten bestätigen solle. Zudem sei seit 2005 durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe der Kreis der Zugangsberechtigten weiter verkeinert worden.

Beklagen wollte Irsch dies freilich nicht, habe die weitgehend prüfungslose Vergabe der Mittel zur Ich-AG doch auch zu erheblichen Verwerfungen geführt. Gleichwohl will die KfW dem Gründungsgeschehen in Deutschland neuen Schwung verleihen. Obgleich der Zugang zu Kapital offenbar eine niedrigere Hürde für Gründungswillige darstellt als etwa die eigene Risikobereitschaft, will die KfW eine Kreditaufnahme erleichtern. "Wir wollen verhindern, daß Gründungen wegen Kapitalmangels später, kleiner oder gar nicht erfolgen", sagte Irsch. Die KfW senkt also die Zinssätze für ihre Programme "Mikrodarlehen" und "Startgeld", mit denen Gründer mit einem Finanzbedarf bis 25.000 beziehungsweise 50.000 Euro gefördert werden sollen. Der Zinssatz für das Mikrodarlehen sinkt vom 1.Januar 2007 an von nominal 9,3 auf 6,3 Prozent, der des Startgelds von 7,85 auf 5,4 Prozent. Die KfW glaubt, damit die Mehrzahl der potentiellen Gründer zu erreichen. "86 Prozent des Gründungsgeschehens spielt sich in einem Finanzierungsbereich bis 25000 Euro ab", sagte Irsch.

Daß Neugründungen für die Volkswirtschaft von großer Bedeutung seien, daran bestehe kein Zweifel. Besonders interessant seien hier wegen ihrer erwarteten Wachstums- und Beschäftigungseffekte die innovativen Gründungen. Sie machten im Jahr 2005 gut 10 Prozent der Gründungsprojekte aus. Die meisten Gründer (32 Prozent) sind beim Start in die Selbständigkeit zwischen 32 und 44 Jahre alt.

Quelle: hap., F.A.Z., 20.12.2006, Nr. 296 / Seite 12
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