27.10.2009 · Neue Daten der Europäischen Zentralbank zeigen, dass die Banken in den 16 Euro-Ländern im September weniger Geld verliehen haben als ein Jahr zuvor. Es ist der erste derartige Rückgang seit Einführung der Statistik. Droht nun doch eine Kreditklemme?
Die Kreditvergabe der Banken entwickelt sich im Euro-Raum weiterhin schwach. Erstmals seit Einführung dieser Statistik im Jahr 1991 habe sie im September an Unternehmen und private Haushalte weniger Geld verliehen als ein Jahr zuvor, wie aus Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht. Die Kreditvergabe sank um 0,3 Prozent. Analysten der Banken und Bankverbände bezweifeln allerdings, dass dies als Hinweis auf eine drohende Kreditklemme gedeutet werden kann.
Die Kreditvergabe an die Unternehmen, die besonders schwach verläuft, folge der Konjunktur mit einer Zeitverzögerung, erläuterte Michael Schubert, Analyst der Commerzbank. Dagegen sei die Kreditvergabe an die privaten Haushalte eine vorlaufende Größe, die derzeit schon wieder wachse. Die schwache Kreditvergabe lasse sich insgesamt immer noch überwiegend mit der schwachen Nachfrage nach Krediten erklären, wenngleich auch Angebotsfaktoren eine beschränkende Wirkung hätten.
„Von einer Kreditklemme kann man wohl nicht sprechen, weil sich bei der Detailbetrachtung zeigt, dass es hauptsächlich die geringere Nachfrage seitens der Unternehmen wegen der Rezession ist, die zu einem Rückgang der Kreditvergabe geführt hat“, sagte Schubert. An die Unternehmen wurden im September 4 Milliarden Euro weniger Kredite vergeben als im August. Dagegen stieg der Wert der an private Haushalte vergebenen Kredite um 14 Milliarden Euro.
BVR zeigt sich zuversichtlich
Auch der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) zeigt sich zuversichtlich. In den Zahlen auf Jahresbasis komme die Kreditentwicklung in den Monaten nach der Lehman-Insolvenz voll zum Tragen. Nach der Pleite der Investmentbank im September 2008 hätten viele Banken ihre Anforderungen an die Kreditnehmer verschärft. Skeptischer ist die Einschätzung von Analysten der Unicredit. „Während die Kreditvergabe an Haushalte sich zu fangen scheint, sieht es ganz nach einer Verschlechterung bei den Firmenkrediten aus und wir erwarten, dass sich das bis Mitte 2010 fortsetzen wird“, argumentieren sie. Auch das Direktorium der EZB erwartet erst im kommenden Jahr eine Erholung der Kreditvergabe an Unternehmen. Bis dahin könne sie noch weiter sinken, sagte kürzlich Lorenzo Bini Smaghi, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank.
Deutsche Verbraucher beteiligen sich offenbar wieder an der Verschuldung. Nach Darstellung der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) hat die Nachfrage privater Haushalte nach Krediten im dritten Quartal um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Die Rückzahlung der Darlehen sei auf einem recht stabilen Niveau, berichtete die Schufa; die Ausfallrate der Kredite sei begünstigt von Steuerleichterungen und geringer Inflation nur geringfügig gestiegen. Das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 nahm weiter ab. Das Plus lag im September im Jahresvergleich nur noch bei 1,8 Prozent nach 2,6 Prozent im August. M3 umfasst Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2471 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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