10.09.2008 · Die Wirtschaft im Euro-Raum wird in diesem Jahr weniger wachsen als erwartet, prognostiziert die EU-Kommission. Gleichzeitig werde die Inflation stark steigen. Der Vorsitzende der Eurogruppe, Juncker, hält nun sogar eine technische Rezession im Euro-Raum für möglich.
Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2008 deutlich gesenkt und gleichzeitig die Inflationsprognose deutlich angehoben. Für das laufende Jahr werde für den Euro-Raum ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent erwartet, teilte die Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Im Frühjahr hatte sie noch ein Wachstum von 1,7 Prozent prognostiziert.
Zuvor hatten bereits die Europäische Zentralbank (EZB) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) ihre Prognosen reduziert. Der Vorsitzende der Eurogruppe Jean-Claude Juncker hält nun sogar eine „technische Rezession“ im Euroraum für möglich - das heißt ein Schrumpfen der Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Mit einer ausgeprägten Rezession rechne er allerdings nicht, betonte Luxemburgs Ministerpräsident und Finanzminister am Mittwoch bei seiner Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel.
Bei der Inflation erwartet die Kommission nun einen deutlichen Anstieg. Diese dürfte in der Euro-Raum im laufenden Jahr bei 3,6 Prozent liegen, nachdem die Experten im Januar noch 3,1 Prozent erwartet hatte.
Spanien besonders stark nach unten revidiert
Die Inflation befindet sich nach Einschätzung der Kommission jedoch an einem Wendepunkt, nachdem die Energie- und Lebensmittelpreise nach ihrem starken Anstieg zuletzt wieder gefallen seien. Über die Inflation im Euroraum hatte zuvor auch schon EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments (Finanzkrise und Inflation: Trichet sieht schwarz, Ackermann beruhigt) gesprochen. Entscheidend für den weiteren Inflationsausblick sei die Entwicklung an den Rohstoffmärkten und die Fähigkeit Zweitrundeneffekte unter Kontrolle zu halten.
Besonders stark revidierte die Kommission die Wachstumsprognose für Spanien nach unten. Sie senkte ihre Prognose von 2,2 Prozent auf 1,4 Prozent. Spanien ist besonders stark von einer Abschwächung am Häusermarkt betroffen. Für Deutschland, die größte Volkswirtschaft der Euro-Raum, beließ die Kommission ihre Prognose jedoch bei 1,8 Prozent. Für Frankreich senkte sie ihre Prognose von 1,6 Prozent auf 1,0 Prozent und für Italien von 0,5 Prozent auf 0,1 Prozent. Insgesamt bleibe die wirtschaftliche Lage ungewöhnlich unsicher.
Währungskommissar: Staaten sollten am Reformkurs festhalten
Auch ein Jahr nach Ausbruch der Finanzmarktkrise blieben das Finanzsystem schwach und die wichtigen Kreditmärkte angeschlagen. Steigende Rohstoffpreise, eine Verschärfung der Finanzmarktkrise und die Krise an den Häusermärkten lasteten auf der Konjunktur. Auch wenn sich die externen wirtschaftlichen Bedingungen etwas verbessert hätten und der Arbeitsmarkt robust bleibe, dürften weiter Korrekturen an den Häusermärkten und der Bauindustrie für eine weitere Belastung sorgen.
EU-Währungskommissar Joaquín Almunia rief die Mitgliedstaaten auf, in diesem „schwierigen und unsicheren Umfeld“ am Reformkurs festzuhalten. „Die seit einem Jahr andauernden Turbulenzen auf den Finanzmärkten, die Energiepreise, die sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt haben und die Korrekturen auf einigen Immobilienmärkten haben Auswirkungen auf die Wirtschaft gehabt“, sagte Almunia. Allerdings habe das jüngste Sinken der Ölpreise sowie die Abschwächung des Euro für etwas Erleichterung gesorgt. „Europas Reform-Agenda voranzubringen ist entscheidend, um Arbeitsplätze zu schaffen und besser mit externen Schocks umzugehen.“ Das Vertrauen in die Finanzmärkte müsse wiederhergestellt und die öffentlichen Haushalte weiter saniert werden.
wirtschaftswachstum um jeden preis!
ewald walder (ewald49)
- 10.09.2008, 16:22 Uhr
EU-Währungskommissar Joaquín Almunia
Dieter Spethmann (dspeth)
- 10.09.2008, 16:57 Uhr
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Sophia Orti (rum)
- 10.09.2008, 17:57 Uhr
Zielkonflikt Haushaltssanierung-Kaufkraft
Alexander Berg (AlexanderBerg)
- 10.09.2008, 18:03 Uhr
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