04.09.2007 · Das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum hat sich im zweiten Quartal des Jahres wie erwartet abgeschwächt. Die Investitionen gaben zum ersten Mal seit langer Zeit nach.
Das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum hat sich im zweiten Quartal des Jahres wie erwartet abgeschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt in der Währungsunion stieg nach der am Dienstag veröffentlichten zweiten Schätzung von Eurostat saisonbereinigt nur noch um 0,3 Prozent - das ist der geringste Zuwachs seit Ende 2004.
Im ersten Quartal dieses Jahres lag das Wachstum noch bei 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Stärker entwickelte sich der private Konsum, die Investitionen hingegen gingen deutlich zurück. Frankreich und Deutschland, die größte Volkswirtschaft des Euro-Raums, wuchsen von April bis Juni mit 0,3 Prozent; oberhalb des Euro-Durchschnitts wuchs Spanien mit 0,9 Prozent.
Die Europäische Kommission ließ ihre monatliche, auf einem technischen Modell beruhende Wachstumsprojektion unverändert. Im Mai hatte sie für das dritte Quartal zwischen 0,3 und 0,8 Prozent, für das vierte Quartal zwischen 0,2 und 0,8 Prozent Wachstum geschätzt. Für das gesamte Jahr 2007 erwartete sie 2,6 Prozent Wachstum. Eine geringe Korrektur dieser Prognose am kommenden Dienstag ist allerdings nicht ausgeschlossen. Es wird die erste revidierte Prognose einer internationalen Institution nach den jüngsten Finanzmarktturbulenzen sein. EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia sagte in Madrid, die Wirtschaft im Euro-Raum werde ihr Wachstumstempo in diesem Jahr beibehalten. Die Prognose der Kommission werde sich höchstens um einen Dezimalpunkt ändern. Falls sich die Turbulenzen überhaupt negativ auf die Realwirtschaft auswirkten, werde sich dies erst im kommenden Jahr bemerkbar machen, "und dann um einige Zehntelpunkte".
Konsum treibt, Investitionen drücken das Wachstum
Nach der ausführlichen Schätzung von Eurostat erwies sich im zweiten Quartal besonders der private Konsum als Konjunkturstütze. Die Ausgaben der Verbraucher erbrachten von April bis Juni mit 0,3 Prozentpunkten den größten Impuls für das Wachstum, während die Staatsausgaben stagnierten. "Gerade in Deutschland hat sich der Konsum nach der Mehrwertsteuerdelle wieder zurückgemeldet", sagte der Konjunkturfachmann Oliver Hülsewig vom Münchner Ifo-Institut. Der private Konsum werde sich aufgrund der steigenden Kaufkraft der Verbraucher auch weiterhin gut entwickeln, prognostiziert er.
Fast gar kein Wachstumsimpuls kam dagegen von April bis Juni von den Investitionen: Im zweiten Quartal stagnierten sie im Euro-Raum, nachdem die Bruttoanlageinvestitionen im ersten Quartal noch 0,4 Prozentpunkte zum Wachstum beigetragen hatten. Dies wird teilweise erklärt durch die zuletzt eingebrochene Wohnungsbaukonjunktur. Die Branche war im ersten Quartal saisonbereinigt real um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Dabei hatte sie im ungewöhnlich milden Winter viele Aufträge vorgezogen und erledigt; im Frühjahr fehlte dann diese Dynamik. "Das gab einen deutlichen Bremseffekt für die Konjunktur", erläuterte Ifo-Experte Hülsewig.
Der Außenbeitrag zur Konjunktur im Euro-Raum erholte sich mit 0,1 Prozentpunkten etwas, nachdem er im ersten Quartal einen negativen Wachstumsbeitrag von 0,2 Prozentpunkten brachte. Volkswirte werteten dies als Beleg dafür, dass der hohe Euro-Kurs gegenüber dem Dollar die Exportaussichten der europäischen Wirtschaft nicht zu stark schmälere.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2471 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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