01.12.2004 · In Deutschland und Frankreich brach das Wirtschaftswachstum von Juli bis September ein. Dagegen wuchs die Wirtschaft in den anderen Euro-Staaten beschleunigt oder gleich stark wie zuvor.
Die Wirtschaft im Euro-Raum ist im dritten Quartal nur noch um 0,3 Prozent gewachsen. Dabei ist die Konjunkturentwicklung zweifach gespalten. Während die Binnennachfrage im Euro-Raum sich deutlich beschleunigte, dämpfte der Außenhandel rechnerisch das Wirtschaftswachstum auf 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Zugleich hat die Wachstumsabschwächung nur die größten zwei der zwölf Euro-Staaten ergriffen. In Deutschland und Frankreich brach das Wirtschaftswachstum von Juli bis September ein. Dagegen wuchs die Wirtschaft in den anderen Euro-Staaten beschleunigt oder gleich stark wie zuvor. Das geht aus den detaillierten Angaben zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung hervor, die Eurostat, das statistische Amt der EU, am Mittwoch veröffentlicht hat.
Insgesamt verringerte sich das Wachstumstempo im Euro-Raum mit 0,3 Prozent im dritten Quartal merklich. In den ersten beiden Quartalen war das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 0,7 und 0,5 Prozent gewachsen. Eurostat revidierte am Mittwoch zudem die Wachstumsrate zum Vorjahresquartal leicht von 1,9 auf 1,8 Prozent. Auch das ist weniger als die 2,1 Prozent im Frühjahrsquartal.
EZB senkt ihre Wachstumsprognose
Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg für das kommende Jahr nur noch ein Wachstum von rund 1,9 Prozent. Im September hatte sie noch mit rund 2,3 Prozent gerechnet. Die Projektion der EZB wird an diesem Donnerstag veröffentlicht. Dem Bericht zufolge wollen die EZB-Volkswirte zugleich die Inflationserwartung für 2005 von rund 1,8 auf 2 Prozent heraufsetzen.
Volkswirte führen die Wachstumsverlangsamung überwiegend auf den hohen Ölpreis und die auch dadurch ausgelöste Verlangsamung der weltwirtschaftlichen Dynamik zurück. Dies schlägt sich im Export des Euro-Raums nieder. So gründete der abgeschwächte BIP-Zuwachs im dritten Quartal überwiegend im Außenbeitrag, also im Export minus Import, der von 2,7 auf 2 Prozent des BIP fiel. Der Export der Euro-Staaten wuchs nur noch um 1,2 Prozent, nach zuvor 3,1 Prozent. Zugleich stieg der Import beschleunigt um 3,2 Prozent, nach 2,8 Prozent. Damit hat die wachsende Einfuhr, die einem Kaufkraftabfluß ins Ausland gleichkommt, das europäische Wirtschaftswachstum noch stärker gebremst als der deutlich nachlassende Export. Diese Daten geben nur einen Anhaltspunkt über die Entwicklung, weil sie den außereuropäischen und den innereuropäischen Handel einschließen.
Die Binnennachfrage im Euro-Raum wuchs von Juli bis September mit 1,1 Prozent fast dreimal so stark wie im Vorquartal. Der starke Zuwachs resultiert indes aus einem deutlich verstärktem Lageraufbau, der als statistische Restgröße ermittelt wird und nach Ansicht mancher Bankvolkswirten das Bild einer nur moderaten Beschleunigung der inländischen Konjunkturdynamik verdeckt. So wuchs der private Konsum im dritten Quartal unverändert um 0,2 Prozent, während die Regierungen ihre Konsumsausgaben doppelt so schnell wie zuvor um 0,8 Prozent steigerten. Ein durchwachsenes Bild zeigte der Unternehmenssektor. Die Bruttoanlageinvestitionen legten um 0,6 Prozent zu, nach 0,3 Prozent, und geben damit Anlaß zur Hoffnung. Dagegen wuchs die Bruttowertschöpfung im Bereich Waren, Rohstoffe und Energie deutlich verlangsamt um 0,2 Prozent. Auch im Dienstleistungsbereich sank die Zuwachsrate der Bruttowertschöpfung.
Deutschland und Frankreich, die zusammen rund die Hälfte des Euro-BIP erwirtschaften, prägten die Konjunkturentwicklung des Euro-Raums im dritten Quartal. Deutschland litt unter einer Exportschwäche, während die Binnennachfrage sich kräftigte. Dagegen brach in Frankreich die Binnennachfrage (ohne Lageraufbau) ein, während der Außenbeitrag das Wachstum weniger stark dämpfte als zuvor.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2471 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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