03.06.2004 · Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins bei 2,0 Prozent belassen. Sie beobachtet den Ölpreisanstieg aber genau - und will Zweitrundeneffekte verhindern.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins wie erwartet bei 2,0 Prozent belassen. In jüngster Zeit habe der Anstieg der Ölpreise die Verbraucherpreise zwar nach oben gedrückt, erläuterte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet im Anschluß an die Sitzung des EZB-Rates. Doch deute der mittelfristige Ausblick weiterhin auf Preisstabilität hin. Man werde aber sehr wachsam sein, daß es nicht zu einer Preis-Lohn-Spirale komme, betonte Trichet und appellierte an die Tarifparteien, sich ihrer Verantwortung bewußt zu sein. Unterdessen haben die Ökonomen der europäischen Zentralbanken (Eurosystem) ihre Projektion für die Teuerung in diesem Jahr von 1,8 auf 2,1 Prozent angehoben. Die EZB strebt eine Teuerungsrate von knapp 2 Prozent an. Nach Einschätzung des EZB-Rates dürfte sich die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum fortsetzen. Das niedrige Niveau der Leitzinsen unterstütze den Aufschwung, sagte Trichet. Allerdings bestehe das Risiko, daß die hohen Ölpreise das Wachstum dämpften. Trichet begrüßte, daß das Kartell der Öl exportierenden Staaten (Opec) eine Erhöhung der Ölförderung beschlossen hat. Das gehe in die richtige Richtung.
Den Anstieg der Jahresinflation von 2 Prozent im April auf 2,5 Prozent im Mai erklärte Trichet vor allem mit den höheren Ölpreisen. An den Märkten werde aber mit einem allmählichen Rückgang der Ölpreise gerechnet. Sollten die Preise indes länger auf dem erhöhten Niveau bleiben, werde die Teuerungsrate nicht nur einige Monate über 2 Prozent verharren. Mittelfristig bleibe der Ausblick für die Preisstabilität dennoch günstig, da sich Importpreise und Löhne moderat entwickeln dürften. Wie Trichet betonte, sieht sich die EZB nicht in einem Dilemma, zwischen mehr Wachstum oder mehr Inflation wählen zu müssen. Eindeutige Priorität der EZB sei die Wahrung der Preisstabilität. Wenn sie dabei erfolgreich sei, werde dies das Wachstum nicht beeinträchtigen, sondern fördern.
Neue Projektionen
Zu den neuen Projektionen der Ökonomen des Euro-Systems merkte Trichet an, diese seien für den EZB-Rat nur eine Information unter vielen. Den Projektionen zufolge wird die Teuerung 2004 im Mittel bei 2,1 Prozent (1,9 bis 2,3 Prozent) liegen; im vergangenen Dezember hatte die Vorhersage auf 1,3 bis 2,3 Prozent gelautet. Für 2005 wurde die Projektion von 1,0 bis 2,2 auf 1,1 bis 2,3 Prozent angehoben. Für das Wirtschaftswachstum sagen die Ökonomen 1,4 bis 2,0 Prozent für 2004 und 1,7 bis 2,7 Prozent für 2005 voraus, im Vergleich zu 1,1 bis 2,1 Prozent und 1,9 bis 2,9 Prozent im vergangenen Dezember. Die Projektionen basieren auf der Annahme eines konstanten Euro-Kurses von 1,19 Dollar. Ferner wird angenommen, daß das Faß Öl 2004 im Mittel 34,60 Dollar kostet und 2005 im Mittel nur noch 31,80 Dollar. Trichet kündigte an, daß die EZB neben den halbjährlichen Projektionen des Euro-Systems in Zukunft auch die Projektionen der EZB veröffentlicht, jeweils im September und März.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2471 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?