10.07.2007 · Die Aufwertung des Euro seit dem Jahr 2000 hat der Exportwirtschaft weniger geschadet als weithin vermutet. Die Aufwertung des Euro kann zudem die Exportschwäche einzelner Euro-Staaten nicht erklären.
Die Aufwertung des Euro seit dem Jahr 2000 hat der Exportwirtschaft in der Europäischen Währungsunion weniger geschadet als weithin vermutet. Die Aufwertung des Euro kann zudem nicht herangezogen werden, um die schlechte Exportentwicklung in einzelnen Euro-Staaten zu erklären. Zu diesem Schluss kommt die Europäische Kommission in ihrem Quartalsbericht über die Währungsunion.
Indirekt wendet die Kommission sich mit der Studie gegen die Tendenz in manchen Euro-Staaten, die Euro-Aufwertung zum Sündenbock für eine magere Entwicklung des heimischen Exports zu machen. So hatte der neue französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy zuletzt die Europäische Zentralbank (EZB) für den nach seiner Ansicht überteuerten Euro kritisiert, weil dieser der Exportindustrie schade.
Exportboom trotz starkem Euro
Nach Berechnungen der Kommissionsökonomen hat die Aufwertung des Euro zwischen 2000 und 2006 das jährliche Wachstum des realen Exports um 0,6 Prozentpunkte gedämpft. "Dies ist nicht zu vernachlässigen, sollte aber richtig eingeordnet werden", heißt es in der Analyse. Die Kommission weist darauf hin, dass im gleichen Zeitraum der Export aus dem Euro-Raum jährlich um durchschnittlich 6 Prozent gestiegen sei, vor allem als Folge der starken Weltwirtschaft. Auch dürfe nicht übersehen werden, dass in den späten neunziger Jahren der Export durch eine im Ausmaß noch stärkere Abwertung um jahresdurchschnittlich nur 0,5 Prozentpunkte angeschoben wurde.
Die EU-Kommission stützt sich bei der Analyse auf die Entwicklung des realen effektiven Wechselkurses. Dieser Indikator berücksichtigt die Entwicklung des Außenwertes des Euro gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner und ist insoweit als Maß für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel den bilateralen nominalen Wechselkursen vorzuziehen. Zudem berücksichtigt der reale effektive Wechselkurs, dass für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel nicht nur die Kursentwicklung des Euro, sondern auch Preisentwicklungen im Inland entscheidend sind. Weil etwa die allgemeine Preissteigerung im Euro-Raum in den vergangenen Jahren weniger stark ausfiel als in anderen Staaten, stärkt dies für sich genommen die Verkaufsposition hiesiger Exporteure.
Effektive Wechselkurse steigen langsamer
Während die bilateralen nominalen Wechselkurse den Euro auf oder nahe seinen Rekordhochs etwa zum Dollar oder zum Yen zeigen, ist die Entwicklung der realen effektiven Wechselkurse weniger eindeutig, je nachdem, welches inländische Preismaß herangezogen wird. Gemessen mit dem Verbraucherpreisindex oder den Erzeugerpreisen, erreicht der reale effektive Wechselkurs zwar fast Rekordhöhen. Auf Basis der Lohnstückkosten im exportintensiven verarbeitenden Gewerbe hingegen ist der reale effektive Wechselkurs des Euro seit 2000 zwar gestiegen; er liegt aber noch deutlich niedriger als die Rekordwerte Mitte der neunziger Jahre. Dies heißt, dass die preisliche Wettbewerbsposition der Exporteure im Euro-Raum im historischen Vergleich besser ist, als sie durch die mediale Aufmerksamkeit für bilaterale Rekordhochs gegenüber Yen oder Dollar dargestellt wird.
Deutschland top, Italien Flop
Aus der Analyse der EU-Kommission geht ferner hervor, dass die schlechte Entwicklung des Exports in einzelnen Euro-Staaten nicht maßgeblich durch die Euro-Aufwertung zu erklären ist. Deutlich zeigt dies der Vergleich der Entwicklung seit 2000: Während Österreich oder Deutschland seither einen Zuwachs des Exports über die Grenzen des Euro-Raums hinweg von 50 bis 60 Prozent erzielten, stagnierte der Export von Italien oder Irland in dem Zeitraum nahezu. Die anderen Euro-Staaten liegen zwischen diesen Extrementwicklungen, heißt es.
Die deutlich unterschiedlichen Exporterfolge der Euro-Staaten im Geschäft über die Euro-Raum-Grenzen hinweg gründen nach der Studie darin, dass manche Staaten sehr erfolgreich ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Innern gestärkt haben, andere hingegen nicht. So haben die jahrelange Lohnzurückhaltung in Deutschland und die effizienzorientierte Umstrukturierung der Unternehmen nach Einschätzung vieler Ökonomen den Exporterfolg herbeigeführt.
Auf die Richtigkeit dieser Erklärung deutet auch die Analyse der Kommission hin: Diejenigen Euro-Staaten, die im Export über die Außengrenze der Währungsunion hinweg Erfolge feierten, dehnten zugleich ihren Export innerhalb des Euro-Raums überdurchschnittlich aus - und umgekehrt. Die Kommission weist ferner darauf hin, dass die Aufwertung des Euro keinen signifikanten Einfluss auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen hatte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2471 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,34 $ | −0,48% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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