08.10.2003 · In Australien läßt sich innerhalb von zwei Tagen ein Unternehmen gründen, in der Demokratischen Republik Kongo dauert es 215 Tage. Die Weltbank sieht verpasste Wachstumschancen in den armen Ländern.
In Australien läßt sich innerhalb von zwei Tagen ein Unternehmen gründen, in Haiti hingegen dauert es 203 Tage und in der Demokratischen Republik Kongo gar 215 Tage. In Dänemark kostet die Gründung eines Unternehmens keine Krone, in Kambodscha muß aber das Fünffache des Pro-Kopf-Einkommens aufgewendet werden. Anhand dieser Vergleiche macht die Weltbank in ihrem neuen Bericht "Doing Business 2004" deutlich, daß institutionelle Hürden und Überregulierung in vielen Entwicklungsländern dem wirtschaftlichen Fortschritt im Wege stehen.
Die Weltbank und die zu ihr gehörende International Finance Corporation, die sich um die Finanzierung privatwirtschaftlicher Projekte kümmert, führen eine lange Liste von Beispielen dafür an, daß arme Länder die Wirtschaft am stärksten knebeln und darum die Verringerung der Armut verzögern. So lasse sich ein gewöhnlicher Vertrag zwischen Geschäftspartnern in den Niederlanden innerhalb gut eines Monats durchsetzen, in Guatemala dauere es hingegen fast 1500 Tage. Die Kosten für die Vertragsdurchsetzung betrügen in Ländern wie Österreich oder Kanada weniger als ein Prozent des Streitwerts, in Burkina Faso, Indonesien oder Malawi aber mehr als 100 Prozent.
"In allen Bereichen des Wirtschaftslebens ist die Regulierung in den armen Ländern strenger", heißt es in dem Bericht der Weltbank. Die Regulierung gehe meist einher mit einer ineffizienten öffentlichen Verwaltung, mit höherer Korruption, geringerer Produktivität und weniger Investitionen, "aber nicht mit einer höheren Qualität privater oder öffentlicher Güter".
Übermäßige Regulierung habe geradezu "perverse Folgen für die Menschen, die geschützt werden" sollten, kritisiert die Bank. Es stimme nicht, wie verschiedentlich argumentiert werde, daß die Regeln und Vorschriften in den Entwicklungsländern kaum durchgesetzt würden und darum für das Wirtschaftsleben nicht von Bedeutung seien. Es gehe freilich nicht darum, alle Regeln abzuschaffen. "Gute Regulierung bedeutet nicht: keine Regulierung." Statt mehr Geld für die Schaffung und Durchsetzung neuer Vorschriften auszugeben, sollten die armen Länder lieber die Eigentumsrechte ihrer Bürger definieren und diese vor der Verletzung durch andere Bürger oder den Staat schützen, fordert die Weltbank.
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