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Entwicklungsländer Die Zahl der vom Kollaps bedrohten Länder steigt

14.09.2006 ·  Die Weltbank moniert Fehler in der Entwicklungshilfe: Die Zahl der Länder, die einen Zusammenbruch fürchten müssen, steigt. Auch weltweit ergibt sich daraus eine Gefahr für die Versorgung mit Rohstoffen.

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Die Zahl derjenigen Staaten, die vom Zusammenbruch betroffen sind, wächst rasch. 2003 hatte ihre Zahl noch bei 17 gelegen, heute droht 26 Ländern der Kollaps. Dies erklärte Vinod Thomas, Generaldirektor der Unabhängigen Bewertungsgruppe (IEG) der Weltbank, am Donnerstag im Rahmen der Jahreskonferenzen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Singapur.

Die IEG mißt das Schicksal der Länder an einer Bewertungsskala, die aus Faktoren wie Wirtschaftspolitik, soziale Lage und dem Zustand des öffentlichen Sektors besteht.

Ignorieren verschlechtert nur die Bedingungen

Ein Dutzend Länder gelten schon seit vier Jahren ohne Unterbrechung als außergewöhnlich gefährdet. Neu hinzugekommen sind das wichtige Ölförderland Nigeria, aber auch das südostasiatische Timor-Leste, Kambodscha und der Kosovo. Ein Kollabieren Nigerias drohte den Ölpreis in neue Höhen zu treiben, fürchten Analysten.

Gleiches gelte für den Diamantenpreis, wenn sich die Lage in Angola, dem drittgrößten Förderland, verschärfe. „Das Ignorieren der vom Zusammenbruch bedrohten Staaten, von denen die Hälfte mit extremer Armut zu ringen hat, verschlechtert nur ihre Bedingungen. Zugleich aber steigt die regionale und weltweite Instabilität“, warnte Thomas.

Teufelskreis der Instabilität

Oft, so heißt es bei der Weltbank, entstehe aus der Instabilität dieser Länder ein Zufluchtsort für Terroristen, Drogenhersteller und Waffenschmuggler. Die vom Zusammenbruch bedrohten Staaten seien gekennzeichnet durch einen Mangel an Sicherheit, einen hohen Grad an Korruption, Gesetzlosigkeit und beschränkte Mittel der Regierungen für den Entwicklungsprozeß. Damit entsteht ein Teufelskreis: Denn zugleich scheuen die Geberländer davor zurück, ihnen die dringend benötigten Mittel zuzugestehen, da eine sinnvolle Verteilung aufgrund der mangelhaften Strukturen nicht zu erwarten ist.

„Das Schaffen neuer Nationen ist nicht billig zu haben. Koordiniertes und nachhaltiges multilaterales Handeln mit einer gemeinsamen Vision ist wichtiger als je zuvor, um die direkte Bedrohung zu mindern, die von diesen Ländern ausgeht“, sagte Ajay Chhibber, Direktor der IEG. In mehr als der Hälfte der betroffenen ärmsten der armen Länder verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt in der Zeitspanne zwischen 1995 und 2004 - trotz aller Hilfen.

Die Helfer ziehen sich zu früh zurück

Aus Sicht der Weltbank liegen die drei größten Fehler im Aufbau der betroffenen Länder darin, daß sich die Helfer zu früh zurückziehen, sich zu viele Ziele auf einmal vornehmen und in einer zu ungleichen Verteilung der Hilfsgelder. „Die Hilfsgelder der internationalen Gemeinschaft schwankten in den Jahren 2002 bis 2004 zwischen 200 Dollar pro Kopf in Timor-Leste und 15 Dollar pro Kopf in der Zentralafrikanischen Republik“, moniert die Bank.

Am schlechtesten steht die südostasiatische Militärdiktatur Burma (Myanmar) mit nur 1,8 Dollar Hilfsgeldern pro Kopf im Jahr da. Dagegen erhält das Nachbarland Laos 41 Dollar. Afghanistan gilt der Weltbank als Beispiel, daß die Gebergemeinschaft ein Land mit zu vielen Vorhaben überrolle. Haiti stehe dafür, daß einiges erreicht werde, die Länder dann aber zuwenig Beachtung fänden und die Geber sich zu früh zurückzögen.

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Von Heike Göbel

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