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Deutsche Aktien Der Dax ist Weltmeister

01.08.2010 ·  Die deutschen Aktien hängen die meisten Ausländer ab. Fast 60 Prozent hat der Dax seit März 2009 gewonnen. Verantwortlich dafür sind BMW, Siemens, Linde & Co. - unsere Exportschlager. Doch langsam lässt der Schwung nach.

Von Dyrk Scherff
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Bei der Fußball-WM hat es nicht geklappt, bei der inoffiziellen Börsen-WM allerdings schon: Deutschland ist Weltmeister. Oder genauer: Der Dax. Deutschlands 30 größte Aktien haben die Indizes der anderen wichtigen Industrieländer seit der Kurswende im März 2009 hinter sich gelassen. Nur die Schwellenländer waren noch besser.

Ewige Nörgler wenden nun gleich ein, dass der Dax nur vorne liegt, weil er die Kursrückgänge durch die Dividendenzahlungen der Unternehmen ignoriert. Denn er ist ein Performance-Index. In den anderen Indizes wie dem amerikanischen Dow Jones oder dem europäischen Euro Stoxx 50 führen die Ausschüttungen zu Kursverlusten und belasten so die Wertentwicklung der Indizes. Der Dax hat hier tatsächlich einen systematischen Vorteil. Aber selbst wenn der Dax die Kursrückgänge berücksichtigen würde (Dax-Kursindex), läge er noch an der Spitze.

Gewinne außerhalb Deutschlands

Das verwundert auf den ersten Blick. Denn die deutsche Konjunktur läuft nicht besser als in anderen Ländern. Und auch die Aussichten sind hier nicht optimistischer. Die Arbeitslosigkeit und das Haushaltsdefizit mögen hierzulande niedriger liegen, aber das deutsche Wirtschaftswachstum ist nicht führend auf der Welt. Wie kann da der Index der großen deutschen Aktiengesellschaften vorne sein?

Das zeigt der zweite Blick auf den Dax. Fast alle der 30 Unternehmen des Leitbarometers erwirtschaften den Großteil ihres Gewinns gar nicht in Deutschland. Die Autobauer Daimler, BMW und VW zum Beispiel erzielen rund drei Viertel ihrer Gewinne außerhalb des Landes und Siemens, Linde und Infineon sogar etwa 80 Prozent. Hier spiegelt sich die große Bedeutung des Exports für die deutsche Wirtschaft.

Wette auf einen globalen Wirtschaftsaufschwung“

Die Entwicklung des Dax hängt also nur zu einem kleinen Teil von der Wirtschaftslage in Deutschland ab. Viel wichtiger ist, dass die Weltkonjunktur brummt. Geht es ihr gut, geht es auch dem Dax gut, selbst wenn Deutschland schwächelt. Und der globalen Wirtschaft geht es wieder viel besser. Für 2010 erwartet der Internationale Währungsfonds einen Zuwachs von 4,2 Prozent, in Deutschland hingegen nur von 1,2 Prozent.

Der Dax reagiert stark auf solche Veränderungen, stärker als die Aktienindizes anderer Länder. Denn seine Mitglieder exportieren nicht nur eifrig, sondern rund die Hälfte von ihnen ist auch noch in Branchen tätig, die sehr sensibel auf Konjunkturschwankungen reagieren wie etwa die Auto-, Maschinenbau- und Elektroindustrie. In der Wirtschaftskrise hat das den Dax belastet, im derzeitigen Aufschwung hingegen ist das ein Vorteil für den deutschen Leitindex. „Der Dax ist eine Wette auf einen globalen Wirtschaftsaufschwung“, resümiert Gerhard Schwarz, Leiter des weltweiten Aktienstrategie der Bank Unicredit.

Niedriger Euro stützt die deutschen Exporte

Und schließlich exportieren Deutschlands Unternehmen auch noch in die richtigen Länder. Der im internationalen Vergleich hohe Anteil von Exporten nach China hilft dem Dax, denn das Land wächst weltweit mit am stärksten. Dafür sind Maschinen nötig, und die kommen oft aus Deutschland. Der wachsende Wohlstand in China hilft dann zum Beispiel den deutschen Autofirmen, ihre Modelle zu verkaufen. China ist mittlerweile der größte Automarkt der Welt. Daimler & Co. fahren Sonderschichten, um das Riesenreich zu bedienen. Der Stuttgarter Autobauer hob in der vergangenen Woche sogar seine Jahresprognose wegen des guten China-Geschäfts an.

Der zuletzt niedrige Euro stützt die deutschen Exporte zusätzlich, denn er macht die deutschen Produkte im Ausland billiger. Daher ist es auch nicht überraschend, dass der Dax gerade seit der Euro-Krise im Frühjahr seinen Vorsprung vor den anderen Indizes vergrößert hat. Hinzu kommt, dass er durch diese Krise auch weniger belastet wurde als etwa der Euro Stoxx 50. Denn der europäische Hauptindex umfasst mehr Bankwerte als der Dax, die durch die Turbulenzen belastet sind. Zudem gehören ihm auch die Krisenländer Spanien, Irland, Portugal und Griechenland an, deren Börsen besonders unter Druck stehen.

Amerikanische Wirtschaft schwächelt

Doch der Euro könnte nun aber auch das Symbol dafür sein, dass der Vorsprung des Dax gegenüber anderen Indizes in Gefahr ist. Denn seit einigen Wochen wird die europäische Währung wieder stärker. Das wird mit einer Zeitverzögerung die deutschen Exporte belasten, die nun wieder teurer werden. Die Euro-Stärke ist zudem Kehrseite der schwächeren amerikanischen Wirtschaft. Seit drei Quartalen schwächt sich das Wachstum schon ab.

Am Freitag kamen die Zahlen zum zweiten Quartal und trafen mit auf das Jahr hochgerechnet 2,4 Prozent Zuwachs die Erwartungen. Viel ist das für amerikanische Verhältnisse nicht. Die Märkte waren enttäuscht, zumal etwa ein Prozent des Zuwachses dazu dienten, die Lager aufzufüllen. Wenn die sich in den nächsten Monaten wieder leeren, gibt es weniger zu produzieren und die Wirtschaft wächst noch langsamer.

Deutschlands Exporterfolg in Gefahr

Die Wachstumszahlen kamen nach einer Reihe von volkswirtschaftlichen Frühindikatoren, die seit mehreren Wochen eine weitere Abschwächung der Wirtschaft in Amerika anzeigen. Die hohe Arbeitlosigkeit und die noch nicht steigenden Hauspreise bremsen zudem die für Amerikas Wirtschaft so wichtige Konsumfreude. Pessimisten befürchten schon den Rückfall des Landes in die Rezession.

Diese Entwicklung hat Folgen für den Dax. Denn die Exportabhängigkeit wirkt auch hier – zum Nachteil. Amerika ist nach Großbritannien und Frankreich immer noch Deutschlands wichtigster Auslandsmarkt, noch vor China. Kaufen die Amerikaner weniger ein, merken das die deutschen Unternehmen in ihren Büchern. Und der Anleger beim Blick auf den Dax. Da auch Chinas Wachstum sinkt und Europa nicht gerade boomt, gerät Deutschlands Exporterfolg in Gefahr.

Für den Dax dürfte dies daher trotz derzeit noch guter Quartalszahlen der Unternehmen ein turbulentes Quartal werden, in denen die Kurse noch einmal stärker fallen könnten. „Die Verunsicherung der Märkte dauert an“, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Leiter des Investmentteams für Privatkunden in der Commerzbank. Das Ende der Konjunkturprogramme, die hohe Produktion auf Lager und die anstehende Haushaltssanierung könnten dafür sprechen, dass die Erholung schwächer als nach früheren Krisen ausfällt oder ganz abbricht. In den nächsten Monaten wird sich das entscheiden. „Kommt es nur zu einer Abschwächung, ist der Dax ab 5700 Punkten kaufenswert“, sagt Aktienstratege Schwarz. Derzeit steht der Index auf 6100 Punkten. Es könnten aber auch schnell nur noch 5000 Punkte sein, wenn eine Rezession in Amerika droht. Daran glauben derzeit aber nur wenige.

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