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Deutsch-amerikanische Freundschaft Empfehlungen für mehr Wachstum

23.02.2005 ·  Der transatlantische Wirtschaftsdialog klingt altbekannt. Die Regierung in Washington hält Strukturreformen in Deutschland für unerläßlich. Die Regierung in Berlin fordert die Vereinigten Staaten zum Sparen auf.

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Im Jahr 2002, als die damalige amerikanische Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice der Bundesregierung vorwarf, das politische Klima zwischen Washington zu vergiften, breitete sich in der deutschen Unternehmenswelt Verunsicherung aus. Würde die antieuropäische Stimmung in Amerika, die unter anderem zur zwischenzeitlichen Umbenennung der Kartoffelzubereitung "French Fries" in "Freedom Fries" in der Kantine des Kongresses führte, auch den Absatz deutscher Produkte erschweren?

Zur Erleichterung der Wirtschaftsführer stellte sich schon bald heraus, daß sich der Zorn vieler Amerikaner über die mangelnde Unterstützung in der Irak-Politik nicht nennenswert in sinkenden Verkaufszahlen deutscher Autos, Maschinen und Konsumgüter niederschlug. Seither haben sich die politischen Wogen geglättet, und die Sorgen über eine nachhaltige Belastung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der größten und der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde sind ebenfalls verflogen.

Dollar gegen Euro

Zu einem wichtigen Thema der transatlantischen Wirtschaftspolitik ist seit einiger Zeit das Austauschverhältnis zwischen Dollar und Euro geworden. Die europäische Gemeinschaftswährung hat die große Last der Dollar-Abwertung der vergangenen Jahre getragen. Deutsche wie auch andere europäische Exporteure in die Vereinigten Staaten haben bisher die Verschiebung im Wechselkurs vielfach durch geringere Gewinnmargen aufgefangen, um keine Marktanteile in den Vereinigten Staaten zu verlieren. Die Regierungen in Berlin und Washington sind sich zusammen mit den Partnern der Siebenergruppe (G7) einig darin, daß auch jene Länder Asiens eine Aufwertung ihrer Währungen zum Dollar zulassen müssen, die dies bisher nicht getan haben.

Im Mittelpunkt dieser Überlegungen steht China, das den Wechselkurs seines Yuan seit Jahren im festen Verhältnis von knapp 8,3 zu 1 an den Dollar gekoppelt hat. Die Führung in Peking hat sich trotz ihrer Teilnahme an den jüngsten Treffen der G-7-Finanzminister und Notenbankgouverneure bisher nicht auf einen Zeitplan zur Flexibilisierung des Wechselkurses festgelegt. Vorerst bleibt es bei der Zusage Chinas, den Yuan erst dann frei schwanken zu lassen, wenn die notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen und die Zeit dafür reif sei. Von einer Aufwertung der asiatischen Währungen versprechen sich Europa und Amerika einen dämpfenden Einfluß auf den Importhunger der Vereinigten Staaten und damit eine Verringerung des hohen Defizits in der amerikanischen Leistungsbilanz.

Globale Ungleichgewichte überall

Keineswegs Übereinstimmung herrscht in diesen Tagen zwischen den Regierungen in Washington und Berlin, wenn es um weitere Maßnahmen zur Beseitigung des vielfach als "globales Ungleichgewicht" bezeichneten Phänomens geht. Bundesfinanzminister Hans Eichel sieht in einer Konsolidierung der amerikanischen Haushaltspolitik, der Rückführung der rekordhohen Etatdefizite und einer Erhöhung der heimischen Sparquote insgesamt einen unverzichtbaren Beitrag zur Verringerung des Kapitalstroms nach Amerika und damit zur Rückführung des Leistungsbilanzdefizits. Die Regierung erkennt den Bedarf einer disziplinierten Haushaltspolitik zwar an, sieht den Schlüssel zu einem besseren Ausgleich zwischen Im- und Export aber vor allem in einem kräftigeren Wachstum in Europa.

Deutschland, das seit Jahren im internationalen Konjunkturzug hinterherhinkt, spielt in den Rufen Washingtons nach weiteren Strukturreformen eine wichtige Rolle. In dieser Einschätzung, öffentlich vertreten meist durch Finanzminister John Snow und seinen Staatssekretär John Taylor, ist sich die amerikanische Regierung im übrigen einig mit dem Internationalen Währungsfonds.

Dessen geschäftsführender Direktor Rodrigo Rato hat jüngst vor einem Nachlassen des Reformeifers in Deutschland gewarnt. Andernfalls drohe das Wachstumspotential, das der IWF ohnehin nur auf 1,5 bis 1,9 Prozent beziffert, weiter zu sinken. Der IWF schließt sich freilich auch der deutschen Position an, daß eine strengere Haushaltspolitik in den Vereinigten Staaten notwendig sei, um das Leistungsbilanzdefizit zum Wohl der Weltwirtschaft abzuschmelzen.

Quelle: ctg. / F.A.Z., 23.02.2005, Nr. 45 / Seite 13
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