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BIP-Zuwachs um 0,1 Prozent Deutsche Wirtschaft stagniert fast

 ·  Die Dynamik der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich abgeschwächt. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Auftaktquartal 2011 nur um 0,1 Prozent zu. In der Eurozone wuchs die Wirtschaft um 0,2 Prozent.

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Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal viel weniger gewachsen als von Volkswirten erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag in den Monaten April bis Juni nur um 0,1 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Volkswirte hatten im Durchschnitt 0,5 Prozent erwartet. Seit Beginn des Aufschwungs im Frühjahr 2009 hat sich die Konjunktur nicht mehr so schleppend entwickelt.

An der Börse fielen wegen der schwachen Konjunkturdaten die Kurse. Der Deutsche Aktienindex Dax verlor bis zu 2,5 Prozent, der europäische Aktienindex Eurostoxx 50 gab um 2 Prozent nach. Später erholten sich die Kurse wieder. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ließ sich mit den Worten zitieren, die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland „pausiere“. Die „auf den ersten Blick schwache Entwicklung“ im zweiten Vierteljahr liege „innerhalb unserer Erwartungen“. Sie sei auch ein Reflex auf das außerordentlich starke erste Quartal, in dem die Wirtschaft nach den revidierten Zahlen der Statistiker um 1,3 Prozent gewachsen war. Damit lag Deutschland weit vor allen großen Euro-Ländern.

Im Durchschnitt der 17 Länder des Euroraums lag das durchschnittliche Wachstum im zweiten Quartal nur bei 0,2 Prozent nach 0,8 Prozent im ersten Quartal, teilte das Statistikamt Eurostat mit. In Frankreich fiel es von 0,9 auf 0 Prozent, in den Niederlanden von 0,8 auf 0,1 Prozent. Italiens Wirtschaft, die sich schon länger nur sehr schleppend bewegt, wuchs langsam um 0,3 Prozent, Spaniens Wirtschaft legte um 0,2 Prozent zu. Einzelne Volkswirte sahen sogar die Gefahr einer neuen Rezession. Die Commerzbank fragte, ob die Staatsschuldenkrise zum „Konjunkturkiller“ werde. Auch im dritten Quartal werde das Wachstum in der Eurozone ähnlich schwach sein. Auch außerhalb Europas kühlt die Konjunktur ab. Die Vereinigten Staaten haben für das erste Halbjahr schwache Zahlen gemeldet, wichtige Schwellenländer bremsen ihre Konjunktur bewusst ab, um die hohe Inflation zu bändigen. Der Ölpreis gab wegen des schwächeren Wachstums am Dienstag um 1 Prozent nach.

Volkswirte reagierten enttäuscht auf die Konjunkturdaten aus Deutschland, das bislang als Europas Wachstumslokomotive galt. Die Unicredit sieht einen Wendepunkt der deutschen Konjunktur gekommen. Unicredit, Commerzbank wie auch die West LB senkten ihre Prognosen für dieses Jahr um einen halben Punkt auf immerhin noch 3 Prozent. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin sieht in dem schwachen zweiten Quartal einen Dämpfer, doch nicht das Ende des Aufschwungs. Für das Gesamtjahr dürfte das Wachstum mit 3 Prozent immer noch knapp in der Nähe des Rekordwachstums vom vergangenen Jahr (3,6 Prozent) liegen, schätzt das DIW.

Ähnlich sieht es das Ifo-Institut. Nach Ansicht dieser Volkswirte sind die schwachen Zahlen vom zweiten Quartal auch durch Sondereffekte geprägt. Im ersten Quartal war der Bau extrem stark gewachsen, danach machte er eine Pause. „Ich denke, dass vor allem wegen einer besseren Situation am Bau die Konjunktur im dritten Quartal wieder an Fahrt aufnimmt“, sagte der Ifo-Konjunkturfachmann Klaus Abberger. Volkswirte der Allianz verwiesen darauf, dass die Energieproduktion durch die Abschaltung von Atomkraftwerken einen kräftigen Rückschlag erlitten habe und saisonbereinigt um knapp 8 Prozent gegenüber dem ersten Quartal eingebrochen sei. Ohne diese Sonderfaktoren wäre die deutsche Wirtschaft nicht um 0,1 Prozent, sondern um etwa 0,5 Prozent gewachsen.

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