05.01.2010 · Auch zum Jahresende ist der befürchtete starke Anstieg der Arbeitslosenzahl ausgeblieben. Zwar ging die Zahl der Jobsuchenden im Dezember um 60.000 auf 3,28 Millionen nach oben - ein Plus von 173.500 im Vergleich zum Vorjahr. Doch blieb eine große Entlassungswelle bislang aus.
Aufatmen am Arbeitsmarkt: Auch zum Jahresende ist der befürchtete starke Anstieg der Arbeitslosenzahl ausgeblieben. Zwar ging die Zahl der Jobsuchenden im Dezember um 60.000 auf 3,276 Millionen nach oben - ein Plus von 173.500 im Vergleich zum Vorjahr. Doch blieb eine große Entlassungswelle bislang aus. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Punkte auf 7,8 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,4 Prozent gelegen.
„Trotz der tiefen Rezession hat sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2009 robust gezeigt“, urteilte daher der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank- Jürgen Weise, am Dienstag in Nürnberg. Im Jahr 2010 werde die Lage aber schwieriger werden. Spätestens zum Jahreswechsel 2010/2011 rechnet Weise mit einem kräftigen Anstieg der Erwerbslosenzahlen. Bereits im Januar werde saisonbedingt die Zahl der Arbeitslosen um 250.000 bis 300.000 zunehmen. „Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass der Anstieg wesentlich höher ausfallen wird“, fügte er hinzu.
Im Schnitt des Jahres 2009 waren bundesweit 3,42 Millionen Menschen ohne Arbeit. Dies seien lediglich 155.000 mehr als im Jahr 2008, teilte die Bundesagentur mit. Vor allem der massive Einsatz der Kurzarbeit, aber auch statistische Effekte hätten zu dem vergleichsweise moderaten Anstieg beigetragen. Im Westen waren im Durchschnitt 2,32 Millionen Menschen ohne Beschäftigung (ein Plus von 176.000), im Osten 1,103 Millionen (minus 20.000).
Saisonbereinigte Arbeitslosenzahl sinkt
Saisonbereinigt sank die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Dezember um 3000 auf 3,421 Millionen. Ökonomen hatten hingegen einen Anstieg erwartet. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 2000 zu, im Osten verringerte sie sich um 5000. Die BA wies jedoch darauf hin, dass ohne einen Sondereffekt durch die Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen die Gesamtzahl um 6000 gestiegen wäre.
Die Erwerbstätigkeit nahm nach den jüngsten Daten von Oktober auf November um 64.000 auf 40,58 Millionen ab. Im Jahresverlauf betrug der Rückgang 218.000. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag nach Hochrechnungen vom Oktober bei 27,81 Millionen, ein Minus gegenüber dem Vorjahr von 213.000. Dieser Rückgang wäre ohne den anhaltenden Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigung deutlicher ausgefallen, betonte die BA.
Kurzarbeit hilft
Das „deutsche Jobwunder“ ist nach Weises Einschätzung nur möglich, weil Firmen Kurzarbeit und flexible Arbeitszeitmodelle bis an die Grenzen der wirtschaftlichen Vertretbarkeit ausreizten. Allein im Dezember haben nach Schätzung von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker rund eine Million Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld bezogen. Für 130.000 bis 140.000 Beschäftigte sei Kurzarbeitergeld am Jahresende neu beantragt worden. Im November waren es lediglich
100.000 gewesen. „Das ist für uns ein Anzeichen, dass Kurzarbeit weiter gebraucht wird“, sagte Becker.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach von einer stabilen Beschäftigungslage. Es gebe aber keinerlei Entwarnung. „2010 wird ein schwieriges Jahr“, sagte die Politikerin in Berlin.
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