Home
http://www.faz.net/-gqf-u9j7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Außenwirtschaft Unternehmen investieren wieder mehr im Ausland

26.03.2007 ·  63,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr im Ausland investiert - deutlich mehr, als ausländische Unternehmen im Inland. Das Minus in der Direktinvestitionsbilanz wird wieder größer.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr 63,5 Milliarden Euro im Ausland investiert, so viel wie seit sechs Jahren nicht mehr. Weil ausländische Unternehmen hierzulande insgesamt weniger investierten, ergab sich im Saldo der Direktinvestitionsbilanz ein Minus von 29,1 Milliarden Euro, nach minus 16 Milliarden Euro im Vorjahr. Das geht aus der Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank im Monatsbericht für März hervor. Der gesamte Nettokapitalexport einschließlich von Portfolio- und anderen Anlagen belief sich danach im vergangenen Jahr auf 146,3 Milliarden Euro.

Global sind die Direktinvestitionen 2006 als Folge von mehr Firmenübernahmen und -zusammenschlüsse rasant um rund 35 Prozent gestiegen, was auch die deutschen Auslandsinvestitionen prägte. Zugleich investierten viele Unternehmen aber auch im Ausland erzielte Gewinne wieder dort, was nach Analyse der Bundesbank auf eine ausgezeichnete Ertragslage der ausländischen Tochterunternehmen schließen lässt. Die deutschen Direktinvestitionen gingen vor allem in die Vereinigten Staaten, nach Großbritannien und die mittel- und osteuropäischen Länder sowie Russland. Über Holdinggesellschaften flossen ferner 9 Milliarden Euro nach Malta. Das im Ausland angelegte Kapital diente wohl primär der Markterschließung, schreibt die Bundesbank. Vor allem Kreditinstitute, der Maschinenbau, das Textil- und Bekleidungsgewerbe und die chemische Industrie hätten ihre ausländische Präsenz ausgeweitet.

Ausländische Unternehmen investierten 2006 Direktkapital von 34 Milliarden Euro in Deutschland, nach zuvor 29 Milliarden Euro. Die höchsten Summen kamen mit je rund 5 Milliarden Euro aus Amerika, Frankreich und Dänemark. Die ausländischen Unternehmen investierten vor allem im Kredit- und Versicherungsgewerbe, in Beteiligungsgesellschaften und in die chemische Industrie.

Rekordgroßer Leistugnsbilanzüberschuss

Dem deutschen Nettokapitalexport stand in der Zahlungsbilanz spiegelbildlich ein Leistungsbilanzsüberschuss gegenüber, der mit rund 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) einen Rekordwert der vergangenen 35 Jahre erreichte. Absolut lag der Leistungsbilanzüberschuss bei 116,6 Milliarden Euro, was auch die Exporterfolge der deutschen Unternehmen zeigt. Diese führten im vergangenen Jahr Waren im Wert von 894 Milliarden Euro aus, fast 14 Prozent mehr als im Jahr 2005. Damit wuchs die deutsche Ausfuhr schneller als das Welthandelsvolumen mit 9 Prozent.

Als Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs und der höheren Energie- und Rohstoffpreise stieg der Wert der Einfuhr 2006 schneller als die Ausfuhr um 16,5 Prozent auf 731,5 Milliarden Euro. Zum insgesamt höheren Leistungsbilanzüberschuss trug auch bei, dass das traditionelle Defizit in der Dienstleistungsbilanz mit 32,1 Milliarden Euro fast 6 Milliarden Euro geringer ausfiel als zuvor. Ein Grund dafür war die Fußball-Weltmeisterschaft, die ausländische Touristen mehr Geld hierzulande ausgeben ließ als üblich.

„Deutschland trägt nicht zu Ungleichgewichten bei“

Die Bundesbank wendet sich gegen die Vermutung, dass Deutschland mit dem großen Leistungsbilanzüberschuss zu den Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft beitrage. Forderungen wie diejenige der Handelsorganisation der Vereinten Nationen, Unctad, Deutschland solle seine Überschussposition reduzieren, lehnt die Bundesbank ab. Dabei werde übersehen, dass der Euro-Währungsraum einschließlich des deutschen Überschusses nur ein geringes Leistungsbilanzdefizit von 0,5 Prozent des BIP aufweise.

Mit den seit dem Jahr 2000 wieder vorherrschenden Leistungsbilanzüberschüssen knüpft Deutschland an die Entwicklung der achtziger Jahre an. In den neunziger Jahren hatte die hiesige Wirtschaft dagegen Defizite in der Leistungsbilanz verzeichnet, auch als Folge der Wiedervereinigung, die durch eine höhere Staatsverschuldung und Investitionsmöglichkeiten netto Kapital nach Deutschland fließen ließ.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 27.03.2007, Nr. 73 / Seite 12
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 41 150

29.05.2012 16:12 Uhr
  Vortag
Dax 6.416,39 +1,47%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.397,65 +1,52%
Dow Jones 12.583,60 +1,03%
EUR/USD 1,2543 +0,01%
Rohöl Brent Crude 107,69 $ +0,40%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.