http://www.faz.net/-gqe-75wg4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 21.01.2013, 11:05 Uhr

Außenhandel Deutscher Exportüberschuss über EU-Warnschwelle

Der Exportüberschuss Deutschlands betrug im vergangenen Jahr 6,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, hat das Ifo-Institut ausgerechnet. Beträgt dieser Wert dauerhaft mehr als 6 Prozent, gefährdet das nach Ansicht der EU die Stabilität des Wirtschaftssystems.

© dpa Containerverladestation im Hamburger Hafen

Deutschland hat seinen Exportüberschuss im vergangenen Jahr offenbar über die von der EU-Kommission vorgegebene Warnschwelle gesteigert. „In Euro umgerechnet beträgt der deutsche Leistungsbilanzüberschuss 169 Milliarden“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das entspreche 6,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die EU-Kommission stuft einen Wert von mehr als sechs Prozent als stabilitätsgefährdend ein. Bei einer längeren Fehlentwicklung droht sie deshalb mit einem Strafverfahren. Für dieses Jahr erwartet das Ifo-Institut sogar, dass der Exportüberschuss auf 6,6 Prozent der Wirtschaftsleistung steigt.

Viele Ökonomen sehen im deutschen Überschuss eines der großen Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, die für die Finanz- und Schuldenkrise mitverantwortlich sind. Den Ländern mit hohen Exportüberschüssen stehen andere mit (hohen) Importüberschüssen gegenüber - diese finanzieren ihre Importe über Schulden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Industriestaaten-Organisation OECD fordern daher immer wieder von der Bundesregierung, die Binnennachfrage anzukurbeln.

Exportweltmeister China

Nach Ifo-Berechnungen weist nur Exportweltmeister China einen noch größeren Überschuss als Deutschland aus. In Dollar gerechnet stieg er im vergangenen Jahr in der Volksrepublik von 202 auf 234 Milliarden, in Deutschland von 204 auf 218 Milliarden. Auf Rang drei folgt wegen seiner Ölexporte Saudi-Arabien mit 155 (2011: 158) Milliarden Dollar.

Das Ifo-Institut kritisiert, dass ein Großteil der deutschen Exporte in die Euro-Länder quasi mit deutschem Steuerzahlergeld finanziert wird. „Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss mit dem Ausland ist im Jahr 2012 nicht mehr über private Kapitalexporte, sondern ausschließlich über Target-Kredite der deutschen Bundesbank und andere öffentliche Hilfskredite finanziert worden“, so Ifo-Chef Sinn. Target ist das Zahlungsverkehrssystem der europäischen Zentralbanken, über das die Geschäftsbanken grenzüberschreitende Zahlungen abwickeln. Nach Commerzbank-Berechnungen betragen die deutschen Forderungen 656 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema

Wegen der Kapitalflucht in Krisenländern wie Griechenland können diese ihre Handelsdefizite nicht mehr durch private Geldgeber finanzieren, sondern zapfen dafür das Target-System an. Würden sie die Euro-Zone verlassen, müsste die Bundesbank das Geld abschreiben und in letzter Konsequenz der deutsche Steuerzahler dafür geradestehen. Zuletzt sind die deutschen Forderungen aber deutlich gesunken, weil durch die Ankündigung unbegrenzter Anleihekäufe durch die Europäischen Zentralbank die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Währungsunion gesunken ist und privates Kapital in die Krisenländer zurückfließt.

Quelle: Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mayers Weltwirtschaft Die ewige Rettung

Griechenland wird solange gerettet werden müssen, wie es Euro-Mitglied ist. Das Land wird seine Schulden nie zurückzahlen. Mehr

14.05.2016, 17:21 Uhr | Wirtschaft
Monsanto Übernahme Konjunkturdaten und Bayer verderben Anlegern die Laune

Monsanto steht als Entwickler des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat, wegen gentechnisch veränderter Produkte und aggressiver Geschäftspraktiken seit längerem in der Kritik. Es wäre die bislang größte Übernahme durch ein deutsches Unternehmen: Bayer will für 62 Milliarden US-Dollar den Agrarkonzern Monsanto kaufen. Der neue Bayer-Chef Werner Baumann warb am Montag für den Zusammenschluss. Mehr

23.05.2016, 17:09 Uhr | Wirtschaft
Banken in der Klemme EZB fordert grenzüberschreitende Bankenfusionen

Das Investmentbanking wirft immer weniger ab. Im Zinsgeschäft brechen die Erträge weg. Die Deutsche Bundesbank fürchtet um die Finanzmarktstabilität. Wie ernst ist die Lage? Mehr Von Markus Frühauf

23.05.2016, 19:21 Uhr | Wirtschaft
Übernahme von Saatgutriesen Bayer will Monsanto für 62 Milliarden Dollar kaufen

Der deutsche Konzern Bayer will den amerikanischen Saatgutriesen Monsanto übernehmen und hofft auf Gegenliebe für seine umgerechnet 55 Milliarden Euro schwere Übernahmeofferte. Pro Monsanto-Aktie wolle man 122 Dollar zahlen, teilte das Leverkusener Unternehmen am Montag mit. Mehr

23.05.2016, 11:47 Uhr | Wirtschaft
Begehrter Saatgutkonzern Agrochemie-Poker um Monsanto

Der Weltmarkt für Pflanzenschutz und Saatgut wird neu verteilt. Angeblich buhlen Bayer und BASF um den amerikanischen Konzern Monsanto. Welche Rolle spielt dabei das amerikanische Komitee für Auslandsinvestititonen? Mehr Von Brigitte Koch, Leverkusen und Bernd Freytag, Ludwigshafen

14.05.2016, 13:23 Uhr | Wirtschaft

Hilfe für die Umwelthilfe

Von Carsten Knop

Die Deutsche Umwelthilfe stört sich daran, dass Dieselmotoren nicht immer so sauber sind, wie die Werbung verspricht. Aber sie ist auch nur eine Organisation mit eigenen Interessen. Mehr 4 25


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 77

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden