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Arbeitsmarkt Die Wirtschaft baut weiter Stellen auf

Trotz konjunktureller Eintrübung wurden 2012 immer noch mehr Stellen geschaffen als abgebaut. Auch Anfang 2013 ist mit mehr Einstellungen als Entlassungen zu rechnen.

© dpa Wirtschaftsforscher rechnen bis 2020 mit 1,7 Millionen fehlenden Fachkräften

Viele Fernsehzuschauer haben überrascht reagiert, als zwischen der Werbung für Autos und Parfüm zum Weihnachtsfest die Deutsche Bahn auftauchte. Sie warb nicht für eine Bahncard als Geschenk zum Fest - sie warb für sich selbst: als guter und vor allem vielseitiger Arbeitgeber. Der Werbespot, der auch weiterhin an verschiedenen Stellen im Fernsehen auftauchen wird, ist Teil einer neuen Personalmarketingkampagne der Deutschen Bahn, die seit Ende November läuft. Die Bahn will angesichts der demografisch bedingt steigenden Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ihre Wettbewerbsposition als Arbeitgeber erhöhen.

Georg Giersberg Folgen:

Wie die Bahn versuchen immer mehr Unternehmen, schon heute Mitarbeiter zu halten und einzustellen für Zeiten, in denen es aus demografischen Gründen schwieriger wird. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass trotz konjunktureller Eintrübung immer noch mehr Stellen geschaffen als abgebaut werden. Die seit 2005 von dieser Zeitung erhobene Statistik der öffentlich bekanntgegebenen Stellenstreichungen und Stellenschaffungen mit mehr als 100 betroffenen Personen zeigt auch für 2012 eine positive Bilanz. Zwar sind in diesem Jahr bedingt durch Großinsolvenzen wie Schlecker danach fast 83000 Stellen verlorengegangen gegenüber gut 32000 vor einem Jahr. Aber es sind auch wieder mehr neue Stellen geschaffen worden. Die Zahl der öffentlich bekanntgegebenen Stellenschaffungen stieg gegenüber dem Vorjahr von 89000 auf 96000. Damit sind allein von den Großunternehmen netto 13000 Stellen geschaffen worden im zu Ende gehenden Jahr.

Diese Tendenz dürfte andauern. Nach einer Manpower-Umfrage planen von befragten 1000 Unternehmen 9 Prozent im ersten Quartal 2013 Einstellungen und nur 4 Prozent Stellenstreichungen, während der Rest keine Veränderung vornehmen will. Regional gibt es Unterschiede. Während München mit 13 Prozent Stellenschaffung bei nur einem Prozent Stellenstreichung die größte Dynamik am Arbeitsmarkt aufweist, halten sich im Ruhrgebiet Entlassungen und Einstellungen die Waage. Hier entstehen also in den kommenden Monaten netto keine zusätzlichen Arbeitsplätze. Das Beratungsunternehmen Accenture hat kurz vor Weihnachten angekündigt, im Jahr 2013 etwa 1000 Stellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz schaffen zu wollen, vor allem für Personen mit SAP-Kenntnissen.

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Die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg geht nach den Worten ihres Präsidenten Frank-Jürgen Weise dennoch davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr jedoch leicht zunimmt, aber im Jahresdurchschnitt die 3-Millionen-Marke nicht überschreiten wird. Der letzte Wert von Ende November lag bei 2,75 Millionen Menschen ohne Arbeit.

Das ändert nichts an dem drohenden Fachkräftemangel. Die Prognos AG sagt bis 2020 rund 1,7 Millionen fehlende Fachkräfte voraus. Bis 2035 seien sogar 4 Millionen Stellen nicht zu besetzen. In acht Jahren werde jede sechste Ingenieurstelle leer bleiben, also 112000 nicht besetzt werden können. Bei Ärzten bleibe jede zehnte Arbeitsstelle mangels Bewerber unbesetzt. Insgesamt fehlen dann 640000 Hochschulabsolventen. Wie viele Stellen mit ausländischen Bewerbern besetzt werden können, ist derzeit völlig offen. Die Vorhersage, wonach die deutsche Bevölkerung schrumpft, ist nicht mehr unumstritten. Vor allem Hermann Simon, Wissenschaftler, Unternehmer und Autor der Buchreihe „Die Hidden Champions“, geht davon aus, dass die Bevölkerung in Deutschland langfristig zunimmt, weil es einen dauerhaften Zustrom aus südeuropäischen Ländern geben werde angesichts der dort andauernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Immer mehr Südeuropäer lernen Deutsch mit dem Ziel, in Zentraleuropa nach einem Arbeitsplatz Ausschau zu halten. Viele Unternehmen von dem österreichischen Leuchtenhersteller Zumtobel bis zur Deutschen Bahn führen längst Bewerbungsgespräche in Portugal und Spanien, um gut ausgebildete junge Leute von dort anzuwerben.

Quelle: F.A.Z.

 
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