Home
http://www.faz.net/-gqf-7bxzb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Amerikas Konjunktur Federal Reserve gibt kein Ausstiegsignal

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hält an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Sie betont Wachstumsrisiken und die Gefahren einer dauerhaft niedrigen Inflation. Doch im zweiten Quartal ist die Wirtschaft beschleunigt um 1,7 Prozent gewachsen.

© F.A.Z. Vergrößern BIP-Veränderung zum Vorjahr und Vorquartal

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat ihren geldpolitischen Kurs bestätigt, zugleich aber stärker auf Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung verwiesen. Hinweise auf eine schrittweise Rücknahme der quantitativen Lockerung vom Herbst an, die der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke angedeutet hatte, gab der Offenmarktauschuss an diesem Mittwoch nicht. Manche Volkswirte erwarten eine erste Kürzung der Anleihekäufe für September, andere erst im Dezember.

Zuvor hatte das Wirtschaftsministerium mitgeteilt, dass das Wachstum in den Vereinigten Staaten sich im zweiten Quartal des Jahres überraschend beschleunigt hatte, wenn auch auf niedrigem Niveau. Gemäß der ersten Schätzung wuchs die Wirtschaft im Zeitraum von April bis Juni real um 1,7 Prozent, nach einem Zuwachs von revidiert 1,1 Prozent im ersten Quartal.

Fed betont Risiken niedriger Inflation

Die Fed schreibt in ihrer Erklärung nur noch von bescheidenem Wachstum, nachdem sie noch im Juni moderates Wachstum gesehen hatte. Der Ausschuss betonte, dass die Hypothekenzinsen ein wenig gestiegen seien, was manche Ökonomen als Risiko für die Erholung am Hausmarkt sehen. Zugleich hob die Notenbank hervor, dass eine Inflationsrate, die dauerhaft unter dem mittelfristigen Inflationsziel von 2 Prozent verharre, Risiken für die wirtschaftliche Leistung darstelle. Damit demonstriert die Fed den Akteuren an den Finanzmärkten, dass sie auf dem Auge der niedrigen Inflation nicht blind ist. Die Erwartung des Offenmarktausschusses ist aber unverändert, dass die Inflationsrate mittelfristig wieder steigen werde. Im zweiten Quartal lag die Inflation gemessen am Kernindex der persönlichen Konsumausgaben bei 1,2 Prozent, nach 1,5 Prozent am Jahresbeginn.

Die Fed erklärte, in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung weiter am Kauf von Staats-und Hypothekenanleihen für 85 Milliarden Dollar im Monat festzuhalten. Sie bekräftigte abermals, dass sie den Zinssatz auch dann für beträchtliche Zeit niedrig halten wolle, wenn das Anleihekaufprogramm in der Zukunft beendet sei und die Wirtschaft sich kräftige.

Mit den neuen Wachstumsdaten dreht sich die bisher vermutete Konjunkturentwicklung seit dem Winter komplett um. Volkswirte hatten für das zweite Quartal nur einen Zuwachs von etwa 1 Prozent erwartet, nach einem zuvor gemeldeten Plus von 1,8 Prozent im ersten Quartal. Nun hat das Wachstum sich vom ersten auf das zweite Quartal beschleunigt. Die Daten weisen so darauf hin, dass die Wirtschaft eine Konjunkturdelle im Winter trotz der Ausgabenkürzungen der Regierung hinter sich gelassen hat. Zu der besseren Konjunktureinschätzung trug bei, dass in einer umfassenden Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen das Wachstum im vergangenen Jahr auf 2,8 statt bisher genannter 2,2 Prozent heraufgesetzt wurde.

Belebung im zweiten Halbjahr erwartet

Allgemein wird erwartet, dass die Konjunktur sich in der zweiten Jahreshälfte beleben werde. Die entscheidende Frage ist, wie stark die Erholung ausfallen wird. Die Ökonomen von Goldman Sachs etwa bezweifeln, dass die Wachstumsprognose der Fed für das Gesamtjahr von 2,3 bis 2,6 Prozent noch zu halten sein werde, nachdem die Wirtschaft im ersten Halbjahr gerade mal um 1,4 Prozent gewachsen war.

Das Wachstum im zweiten Quartal stützte sich auf den Konsum und die Investitionen. Der Konsumzuwachs ging zwar von 2,3 auf 1,8 Prozent zurück. Volkswirte halten den privaten Verbrauch aber für überraschend robust, waren am Jahresbeginn doch die Rentenversicherungsbeiträge um 2 Prozentpunkte heraufgesetzt worden. Der Export legte um 5,4 Prozent zu, doch dämpfte ein noch stärkeres Importplus rechnerisch das Wachstum. Die Wachstumsangaben sind auf ein Jahr hochgerechnet.

Nach europäischem Standard, der auf diese Annualisierung verzichtet, wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,3 und im zweiten Quartal um 0,4 Prozent. Im  Euroraum war die Wirtschaft im ersten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue Finanzmarktblasen Amerikas Zentralbank vor der Maginot-Linie

Wann muss Amerikas Notenbank Federal Reserve den Leitzins anheben, um Finanzmarktblasen die Luft zu nehmen? Wichtige Konjunkturdaten in dieser Woche verschärfen die Debatte. Mehr

28.07.2014, 04:23 Uhr | Wirtschaft
Weitere Nachrichten IWF warnt Amerika vor geringerer Wachstumskraft

Die LBBW will Altlasten an Hedgefonds verkaufen. Die UBS soll reichen Franzosen bei der Steuerhinterziehung geholfen haben. Amerikas Luftfahrtbehörde hebt das Flugverbot nach Tel Aviv wieder auf. Mehr

24.07.2014, 07:06 Uhr | Wirtschaft
Beschäftigung Währungsfonds warnt vor Arbeitslosigkeit durch Mindestlohn

Der einheitliche Mindestlohn in Deutschland könnte ungewollte Nebenwirkungen haben, warnt der Internationale Währungsfonds. Vor allem für Arbeitslose und Frauen. Mehr

21.07.2014, 17:30 Uhr | Wirtschaft

Fluch der bösen Tat

Von Carl Moses

Wieder droht Argentinien eine Schuldenkrise. Das ist nicht zuletzt dem rabiaten Umgang mit den Gläubigern nach der letzten Krise zuzuschreiben. Mehr 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Wirtschaft in Zahlen Plötzlich lahmt das iPhone

Wenn ein neues iPhone auf den Markt kommt, finden die Leute ihr altes langsam. Ist das Absicht von Apple? Oder nur eine psychologische Täuschung? Mehr 5