05.09.2010 · Seit Tagen bilden sich lange Schlangen vor Filialen der Kabul Bank, weil Kunden ihre Ersparnisse retten wollen. Sie sollen bereits mehrere hundert Millionen Dollar abgehoben haben. Der Grund: Es wurde Korruptionsverdacht gegen die beiden Topmanager geäußert. Bricht die Bank nun zusammen?
Hunderte Afghanen haben am Samstag die Filialen der Kabul Bank belagert, um ihr ganzes Geld abzuheben. Der Run auf die größte Bank des Landes hatte vor einigen Tagen eingesetzt. Zuvor hatten amerikanische Medien berichtet, dass die beiden Topmanager der Bank wegen Korruption und Verstößen bei Kreditvergaben abgelöst werden sollen. Präsident Hamid Karsai versicherte vergeblich, die Kabul Bank und die Einlagen seien sicher. Der Zentralbank stünden 4,8 Milliarden Dollar zur Verfügung, um eine Finanzkrise zu verhindern.
Der bisherige Bankpräsident Scher Khan Farnud soll 160 Millionen Dollar zurückzahlen. Die habe er veruntreut, um Immobilien in Dubai zu kaufen. Karsais Bruder Mahmud habe mietfrei in einem dieser Häuser in den Emiraten gewohnt, berichtete die „Washington Post“.
Der Gouverneur der afghanischen Zentralbank, Abdul Kadir Fitrat, erklärte hingegen, die beiden Topmanager seien freiwillig zurückgetreten. Der Grund: Anteilseigner der Bank dürfen neuen Vorgaben zufolge nicht mehr gleichzeitig Führungspositionen in dem Geldhaus innehaben. Gemeinsam mit Finanzminister Hasrat Omar Sachailwal versicherte der Zentralbank-Chef, die Einlagen der Kunden seien sicher. Sachailwal teilte mit, die Regierung habe bei der Kabul Bank 100 Millionen Dollar hinterlegt, um damit am Wochenende die Gehälter von Polizisten, Soldaten und anderen Staatsbediensteten auszuzahlen.
Das Finanzministerium ist nicht besorgt
Dennoch sollen die Anleger seit Mittwoch mehrere hundert Millionen Dollar abgezogen haben. „Ehrlich gesagt: Ich glaube nicht, was unsere Führer sagen“, sagte der Arzt Gholam Omar. „Die Bank wird in zwei Tagen zusammenbrechen, wenn der Run weitergeht. Ich habe 13.000 Dollar angelegt, und ich will alles abheben.“
Der Sprecher des Finanzministeriums sagte hingegen, die Kabul Bank habe kein wirkliches Problem. „Wir unterstützen die Bank und wir haben nicht die Sorge, dass sie zusammenbrechen wird.“ Trotz der Beteuerungen der Regierung bildeten sich am Samstag erneut lange Schlangen vor Filialen der Kabul Bank. Es handelte sich jedoch nicht nur um beunruhigte Anleger, sondern auch um Staatsbedienstete, die sich ihr Gehalt auszahlen lassen wollten. Außerdem stand das Eid-Fest zum Abschluss des muslimischen Fastenmonats Ramadan bevor, für das üblicherweise Geschenke, neue Kleider sowie besondere Speisen gekauft werden.
Amerikanische Steuergelder sollen nicht fließen
Die Vereinigten Staaten haben derweil Berichte zurückgewiesen, das Finanzinstitut werde mit amerikanischen Steuergeldern gestützt. Es handele sich um „eine afghanische Angelegenheit“, erklärte die Regierung am Samstag in Washington. Man leiste der afghanischen Regierung zwar „technische Hilfe“, erklärte Vize-Finanzminister Neal Wolin. Es würden aber keine amerikanischen Steuergelder zur Stützung der privaten Kabul Bank verwendet. Die afghanische Regierung habe schnell Maßnahmen eingeleitet, „um die Stabilität der Kabul Bank sicherzustellen und die finanziellen Einlagen des afghanischen Volkes zu schützen“.
Amerikanischen Medienberichten zufolge schließe die afghanische Zentralbank Vereinbarungen über eine Stützung der Kabul Bank. Außerdem habe das amerikansiche Finanzministerium ein Beraterteam nach Kabul entsandt, um bei der Beilegung der Bankenkrise behilflich zu sein.
In der amerikanischen Presse wurde darüber spekuliert, dass eine Liquiditätskrise der Kabul Bank die Stabilität des afghanischen Finanzsystems erschüttern und die radikalislamischen Taliban im Land stärken könne. Der Vize-Kommandeur der Nato-Truppe Isaf, Nick Parker, erklärte, die afghanischen und ausländischen Soldaten seien auf jede mögliche Sicherheitsbedrohung infolge der Bankenkrise vorbereitet.
| Name | Kurs | Prozent |
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