Home
http://www.faz.net/-gqe-7481c
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

0,75 Prozent EZB lässt Leitzins auf Rekordtief

Der Leitzins im Euroraum bleibt wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Auch weitere unkonventionelle Maßnahmen gegen die Staatsschuldenkrise dürfte die Notenbank zunächst nicht aus dem Köcher ziehen.

© dapd Vergrößern Der Leitzins bleibt bei 0,75 Prozent: Volkswirte hatten die Zinspause erwartet

Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Das beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Volkswirte hatten die Zinspause erwartet. Auch weitere unkonventionelle Maßnahmen gegen die Staatsschuldenkrise dürfte die Notenbank zunächst nicht aus dem Köcher ziehen.

Ihr angekündigtes Programm zum notfalls unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen klammer Euroländer hatte die Risikoaufschläge auf spanische und italienische Anleihen deutlich gesenkt. Ökonomen rechnen damit, dass die Währungshüter zunächst die Wirkung ihrer Maßnahmen beobachten und weitere Pläne in der Schublade lassen wird.

Mehr zum Thema

Die Wirtschaft im Euroraum steckt zwar weiter in der Rezession, zudem enttäuschten jüngste Konjunkturindikatoren. Das spricht eigentlich für eine Lockerung der Geldpolitik. Andererseits ist Zentralbankgeld für Banken aber bereits so günstig wie nie seit Einführung des Euro 1999. Deshalb ist der Effekt einer weiteren Zinssenkung umstritten.

Die EZB selbst hatte beklagt, dass ihre Zinspolitik nicht überall im Euroraum wie gewünscht ankommt. Zudem schwächte sich die Inflation in den 17 Euro-Ländern im Oktober zwar auf 2,5 Prozent ab. Sie bewegt sich damit aber weiter deutlich über dem Zielwert der EZB. Die Währungshüter sehen die Preisstabilität bei knapp unter 2,0 Prozent gewährleistet.

Draghi lässt Tür für Zinssenkungen offen

In der Pressekonferenz im Anschluss an die Ratssitzung sagte EZB-Präsident Mario Draghi auf die Frage, ob bei den aktuellen Beratungen des EZB-Rats eine Zinssenkung diskutiert worden sei: „Wir diskutieren immer alle geldpolitischen Instrumente, aber wir haben entschieden, die Zinsen unverändert zu lassen. Wir haben aber nicht die geldpolitischen Maßnahmen des nächsten Jahres diskutiert“, sagte Draghi weiter.

Draghi deutete zudem an, dass die EZB ihre Wachstumserwartungen für den Euroraum im Dezember nach unten korrigieren dürfte. „Der Ausblick wird sicher revidiert. Die EU-Kommission hat ja schon neue Prognosen veröffentlicht, es zeichnet sich das Bild einer Abschwächung ab. All das dürfte auch die im Dezember anstehenden Projektionen beeinflussen“, sagte der Währungshüter.

Allerdings stellte Draghi klar, dass die Reparatur des derzeit gestörten Zinsübertragungskanals Vorrang für die EZB hat. Zugleich bekräftigte Draghi die Bereitschaft der EZB, die geplanten Staatsanleihekäufe aufzunehmen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. „Wir sind bereit zu handeln“, sagte er.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Draghi warnt vor Folgen Die Geldpolitik kommt teuer

Mario Draghi und Janet Yellen betonen die langfristigen Risiken einer expansiven Geldpolitik. Damit nähern sich die Zentralbanker ihren schärfsten Kritikern an. Mehr Von Gerald Braunberger und Winand von Petersdorff

15.05.2015, 20:07 Uhr | Wirtschaft
Geldpolitik EZB startet eine Billion Euro schweres Kaufprogramm

Mit einem eine Billion Euro schwerem Kaufprogramm will EZB-Präsident Mario Draghi der Konjunktur in der Euro-Zone auf die Sprünge helfen und die Inflation wieder in Richtung der angepeilten Zielmarke von knapp zwei Prozent hieven. Mehr

06.03.2015, 17:06 Uhr | Wirtschaft
Konjunktur-Schub China senkt den Leitzins

Chinas Wirtschaft läuft nicht mehr so wie früher. Die Notenbank stemmt sich dagegen und probiert, das Wachstum wieder nach oben zu bringen. Aber Chinas Zins ist noch lange nicht so tief wie der europäische. Mehr

10.05.2015, 12:28 Uhr | Wirtschaft
Griechenland Varoufakis: Gespräche mit Partnern bald abgeschlossen

Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis hat sich nach einem Treffen mit EZB-Präsident Mario Draghi zuversichtlich geäußert. Mehr

04.02.2015, 13:25 Uhr | Wirtschaft
Trotz EZB Absturz der Anleihen

Die Kurse der Staatsanleihen in Europa fallen kräftig.Obwohl EZB-Präsident Mario Draghi für viele Milliarden Anleihen kauft. Wie passt das zusammen? Mehr Von Christian Siedenbiedel

11.05.2015, 12:20 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.11.2012, 13:53 Uhr

Gegen den Faustkampf

Von Joachim Jahn, Berlin

Im aktuellen Streik-Wirwarr wird eines immer wieder vergessen: Eine Arbeitsniederlegung darf nur das äußerste Mittel sein, weil sie schließlich ein massenhafter – wenngleich legaler – Bruch des Arbeitsvertrags ist. Mehr 11 9


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden