30.11.2000 · Trotz des Konjunkturaufschwungs hat die Pleitewelle in Deutschland wieder Rekordhöhe erreicht. Gespeist wird die hohe Zahl der Insolvenzen in erster Linie von überschuldeten Haushalten.
Trotz des Konjunkturaufschwungs hat die Pleitewelle in Deutschland wieder Rekordhöhe erreicht. Gespeist wird die hohe Zahl der Insolvenzen in erster Linie von überschuldeten Haushalten. Für das laufende Jahr rechnet der Verband der Vereine Creditreform mit insgesamt 40 400 Insolvenzen von Unternehmen und Privaten.
Das wären 19,3 Prozent mehr als 1999. Im kommenden Jahr dürfte die Zahl nochmals um 25 Prozent auf rund 50 000 steigen, prognostizierte der Creditreform- Geschäftsführer Helmut Rödl am Donnerstag in Frankfurt. Rund 2,6 Millionen Privathaushalte stehen durchschnittlich mit 32 000 DM bei ihren Gläubigern in der Kreide. Neben klassischen Gründen wie Scheidung oder überdimensionierte Schulden beim Haus- oder Wohnungskauf sieht Rödl eine neue Gefahr für Konsumenten.
Private Pleitewelle steht noch bevor
„Beim Internetshopping verlieren viele den Maßstab“, sagt er zur neuen Form der Verführung. Es gebe bereits 140 virtuelle Marktplätze im Internet. Hinzu komme die leichte Verfügbarkeit von Kreditkarten. In Einzelfällen hätten private Schuldner bis zu 50 Gläubiger. In den USA entfielen bereits 97 Prozent (1,26 Millionen) aller Fälle von Zahlungsunfähigkeit auf private Pleiten. „Nimmt man diese Zahlen zum Maßstab, dann steht Deutschland noch eine Welle privater Insolvenzverfahren bevor.“
Nach 2 450 Verbraucherinsolvenzen 1999 waren es im laufenden Jahr schon rund 9 000. Für 2001 rechnet Creditreform dann mit 18 000. Volkswirtschaftlich weitaus bedeutender sind allerdings immer noch die Unternehmenszusammenbrüche. Ihre Zahl wird nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei 2000 um 3,3 Prozent auf 27 500 Betriebe zunehmen. Für 2001 erwartet Creditreform 30 000 Unternehmenspleiten.
Mehr Neugründungen als Pleiten
Die ausgeschiedenen Unternehmen zogen fast eine halbe Million Arbeitsplätze mit in den Abgrund. Dabei entstand ein volkswirtschaftlicher Schaden durch Ausfälle von Forderungen von Geschäftspartnern als auch beim Finanzamt in Höhe von 38 (37) Milliarden DM.
Diese Negativbilanz wird allerdings von der deutlich gestiegenen Zahl von Firmengründungen ausgeglichen. Creditreform beziffert den Neubeginn von Unternehmen auf 195 000 (145 000). Damit wurden insgesamt 360 500 (269 400) Arbeitsplätze im laufenden Jahr neu geschaffen. Die meisten Neugründungen entfielen auf die Sparten Dienstleistungen und Handel.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.395,80 | +1,38% |
| Dow Jones | 12.568,20 | +0,91% |
| EUR/USD | 1,2546 | +0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 107,67 $ | +0,38% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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