Amerika, das Land der ständigen Überraschungen. Allen Rezessionsanzeichen zum Trotz ist die amerikanische Wirtschaft im vierten Quartal 2001 leicht gewachsen. Nach Angaben des Handelsministeriums in Washington erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf das Jahr hochgerechnet um 0,2 Prozent.
Im dritten Quartal war das BIP noch um 1,3 Prozent geschrumpft, nachdem im zweiten Quartal ein Wachstum von 0,3 Prozent verzeichnet worden war. Analysten hatten für das letzte Vierteljahr 2001 einen BIP-Rückgang von 1,0 Prozent prognostiziert. Der Anstieg des Wirtschaftswachstums ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Amerika zumindest bis weit in den Oktober hinein noch unter den lähmenden Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September stand.
Für das gesamte Jahr 2001 wurde ein BIP-Wachstum von immerhin 1,1 Prozent gemeldet. Das ist zwar die schwächste Entwicklung seit 1991, als die US-Wirtschaft um 0,5 Prozent geschrumpft war, aber dennoch ganz ordentlich für eine Wirtschaft, die sich seit vergangenem März eigentlich in einer Rezession befand.
Autos und Rüstung sorgen für Wachstum
Die Zahlen des Handelsministeriums zeigen, dass das “Mini“-Wachstum vor allem vor dem Hintergrund eines starken privaten Verbrauchs im vierten Quartal zu Stande gekommen ist. Die Konsumausgaben erhöhten sich dabei um 5,4 Prozent, nachdem sie im dritten Quartal lediglich ein Prozent höher lagen. Hinter der robusten Konsumentwicklung standen vor allem Rekordabsätze bei Automobilen. Darüber hinaus erhöhten sich angesichts einer stark gestiegenen Nachfrage nach Rüstungsgütern die Staatsausgaben um die Rekordrate von 9,2 Prozent nach plus 0,3 Prozent im dritten Quartal.
Wachstumsdämpfend wirkte sich dagegen erneut die Entwicklung der Unternehmensinvestitionen aus. Diese verringerten sich um annualisiert 12,8 Prozent, nachdem im dritten Quartal ein Minus von 8,5 Prozent verzeichnet worden war. Investitionen für Ausrüstungen und Software lagen den Angaben zufolge um 5,2 Prozent niedriger nach minus 8,8 Prozent im Vorquartal. Von der anhaltend rückläufigen Entwicklung der Lagerbestände ging ebenfalls ein wachstumsbelastender Effekt aus, den das Ministerium mit minus 2,23 Prozentpunkten BIP-Wachstum bezifferte. Mit einem Lagerbestandsabbau von 120,6 Milliarden Dollar wurde dabei ein Rekordwert erzielt.
Revision denkbar, aber Rezession vorbei
Analysten warnten, dass durchaus noch die Möglichkeit einer Abwärtsrevision der BIP-Zahlen in den negativen Bereich bestehe. Auf jeden Fall deuteten die Zahlen aber stark darauf hin, dass die - nach Definition des National Bureau of Economic Research - seit März 2001 laufende Rezession weitgehend ihr Ende gefunden habe. Für die ersten beiden Quartale 2002 rechnen die Experten zurzeit mit einem leicht anziehenden Wirtschaftswachstum, das ab der zweiten Jahreshälfte in eine sehr dynamische Entwicklung übergehen soll.
Mit Blick auf die am Mittwochabend (20.15 Uhr MEZ) anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank hieß es zudem, mit den überraschend positiven BIP-Zahlen zum vierten Quartal sei die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung praktisch auf Null gefallen.