Volkswirte haben den Rückgang der deutschen Industrieproduktion im März als überraschend stark bezeichnet. Die Daten bestätigten dennoch die Erwartung eines schwachen Wachstums des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im ersten Quartal 2003, sagten die Ökonomen. Sie weisen aber zugleich auf eine bescheidene künftige Wirtschaftsentwicklung hin.
Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat die deutsche Wirtschaft in den ersten drei Monaten etwas an Fahrt gewonnen. Für das erste Quartal 2003 nennt das DIW eine leichte Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent gegenüber Vorquartal. Zum Jahresschluß 2002 hatte die deutsche Wirtschaft stagniert. Wachstumsimpulse seien in erster Linie vom Verarbeitenden Gewerbe gekommen, heißt es. Im Handel sei nur eine Stagnation zu verzeichnen gewesen, im Baugewerbe war die Entwicklung laut DIW „stark eingetrübt“.
Erzeugung sinkt um 1,1 Prozent
Nach vorläufigen Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums sank die Erzeugung des Produzierenden Gewerbes im März gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 1,1 Prozent. Auf Jahressicht erhöhte sich die Fertigung um 1,8 Prozent.
Volkswirte hatten auf Monatssicht lediglich ein Produktionsminus von 0,5 Prozent erwartet. Im Februar war die Produktion noch binnen Monatsfrist um 0,2 Prozent und auf Jahressicht um 0,7 Prozent gestiegen.
Die Ökonomen der Hypo-Vereinsbank verweisen auf den starken Produktionsanstieg im Bauhauptgewerbe nach den herben Rückgängen in den beiden Vormonaten. Auf Basis der Datenlage erwarten sie ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal von rund 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das Statistische Bundesamt (Destatis) will die BIP-Daten zum ersten Quartal am 15. Mai veröffentlichen.
Abschwächung im zweiten Quartal erwartet
Stefan Bielmeier von Global Markets Research (Deutsche Bank) bezeichnet den Produktionsrückgang im März als deutlicher als erwartet. Vor allem der Ausstoß bei den Investitionsgütern habe sich schwach entwickelt. Zusammen mit den schwachen Auftragseingängen vom März zeige die Datenlage einen niedrigen Auftragsbestand an. Doch sei die Erzeugung im Bauhauptgewerbe infolge der günstigen Witterung gestiegen. Zudem habe das Ministerium eine Aufwärtsrevision der März-Produktion angekündigt. Daher sieht Bielmeier seine Prognose eines BIP-Wachstums im ersten Quartal von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal bestätigt. Für das zweite Quartal sei verglichen dazu aber ein niedrigeres Wachstum zu erwarten, sagt er.
Ralph Solveen von der Commerzbank sagt, der Produktionsrückgang füge sich nahtlos in die Reihe der schwachen Werte für die Auftragseingänge und den Einzelhandel im März ein. Allerdings sei dabei zu berücksichtigen, daß bereits eine Aufwärtsrevision angekündigt wurde. Zudem sei im Durchschnitt der ersten drei Monate 2003 ein Anstieg der Erzeugung registriert worden. Daher sei auch weiterhin damit zu rechnen, daß Destatis für das erste Quartal eine geringe Zunahme des BIP ausweisen werde. Im zweiten Quartal sei allerdings lediglich mit einer Stagnation zu rechnen. Eine Belebung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte sei nach wie vor möglich. Doch müßten hierfür die Frühindikatoren bald nach oben drehen.
Jörg Krämer von Invesco Asset Management rechnet ebenfalls mit einem BIP-Wachstum von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Seiner Ansicht nach wird die Produktion in den kommenden Monaten bestenfalls stagnieren. Eine Wachstumsbeschleunigung, wie von der Europäischen Zentralbank erwartet, bezeichnet er als eher unwahrscheinlich. Trotz des Endes des Irak-Kriegs und des Rückgangs der Ölpreise hätten die Frühindikatoren noch keine Anzeichen für eine Beschleunigung geliefert.