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Konjunktur Neuwahlplan verbessert Stimmung der Wirtschaft

27.06.2005 ·  Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni erstmals seit Januar leicht gestiegen. Grund seien die geplante Neuwahl und der schwächere Euro, sagen Volkswirte. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn dämpft aber allzu große Hoffnungen.

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Die Aussicht auf Neuwahlen und der schwächere Euro haben die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Juni verbessert.

Das Geschäftsklima des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) legte erstmals seit Januar zu und stieg von 92,9 Punkten im Mai auf 93,3 Punkte im Juni, wie das Ifo am Montag mitteilte. Die rund 7.000 befragten Unternehmen bewerteten ihre gegenwärtigen Geschäfte und ihre Aussichten günstiger. „Es ist allerdings zu früh, daraus bereits auf eine konjunkturelle Besserung in den nächsten Monaten zu schließen“, warnte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Ölpreis birgt Risiken

Analysten zeigten sich erleichtert, daß der Abwärtstrend beim Ifo-Index gestoppt ist. „Damit bleibt eine wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr weiterhin im Bereich des möglichen“, sagte Commerzbank-Analyst Matthias Rubisch. Ifo-Ökonom Klaus Abberger betonte aber wie mehrere Notenbanker, der Rekordpreis für Öl sei ein großes Risiko für die Konjunktur.

Der Index zur aktuellen Lage stieg dem Ifo zufolge von 93,4 auf 93,7 Zähler, der Erwartungsindex erhöhte sich von 92,3 auf 92,9 Punkte. Das Geschäftsklima blieb dabei im verarbeitenden Gewerbe fast unverändert, nur die Perspektiven seien hier etwas zuversichtlicher eingeschätzt worden. „Leicht verbessert haben sich auch die Erwartungen der Industrie an das Exportgeschäft.“

Deutsche Wirtschaft besonders vom Export abhängig

Ifo-Volkswirt Abberger begründete die Exporthoffnungen mit der Abschwächung des Euro, der seit seinem Höchststand zum Jahreswechsel rund 15 US-Cent auf gut 1,21 Dollar verloren hat: „Aber wenn der Ölpreis das internationale Wachstum reduziert, werden auch die Exportchancen verringert.“

Dabei hängt die deutsche Wirtschaft wegen der heimischen Nachfrageflaute besonders von den Exporterfolgen ab. Nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bleibt die Weltwirtschaft auf dem Kurs robusten Wachstums bei niedriger Inflation. Eine weitere Verteuerung des Öls könne das Wachstum aber stärker dämpfen als gedacht, hieß es aber im BIZ-Jahresbericht. Ifo-Ökonom Abberger sagte, das deutsche Wachstum dürfte noch geringer als die erwarteten 0,8 Prozent ausfallen, wenn der Ölpreis nahe seines Rekords von über 60 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) verharren werde.

Höhere Mehrwertsteuer würde Konsum hemmen

Im Juni bewerteten die von der heimischen Nachfrage besonders abhängigen Groß- und Einzelhändler dem Ifo zufolge ihre gegenwärtigen Geschäfte und ihre Aussichten günstiger. Dagegen trübte sich das Geschäftsklima am Bau erneut ein.

Die Ankündigung vorgezogener Bundestagswahlen wirkte sich nach Einschätzung von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb positiv auf das Geschäftsklima aus. Im Einzelhandel sei jedoch die konsumhemmende Debatte um eine höhere Mehrwertsteuer noch nicht voll realisiert worden.

Bankenverband optimistischer

Die deutsche Wirtschaft hat nach dem starken Wachstum von einem Prozent in den ersten drei Monaten nun deutlich Schwung verloren. „Wir sehen um die Jahresmitte eine sehr schwache Konjunktur, erwarten dann aber im vierten Quartal mit einer Belebung der Weltwirtschaft wieder ein stärkeres Wachstum in Deutschland“, sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank.

Während die Dekabank davon ausgeht, daß das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Frühjahr leicht geschrumpft ist, äußerte sich der Bundesverband deutscher Banken optimistischer: Im zweiten und dritten Quartal wachse die Wirtschaft um 0,1 bis 0,3 Prozent.

EZB: Zinsniveau angemessen

Während das Ifo-Institut seine Forderung nach niedrigeren Leitzinsen in der Euro-Zone bekräftigte, unterstrichen mehrere EZB-Vertreter, daß die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit nicht zu einer Zinssenkung neige.

So bezeichnete unter anderem das irische EZB-Ratsmitglied John Hurley das derzeitige Zinsniveau von zwei Prozent als angemessen. Auch EZB-Direktoriumsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo betonte, die EZB habe derzeit eine neutrale geldpolitische Haltung.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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