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Konjunktur „Kräftiger Aufschwung nicht in Sicht"

29.06.2005 ·  In diesem Jahr wird die Wirtschaft nach einhelliger Meinung der Experten kaum über ein Prozent Wachstum hinauskommen. Der Europäischen Zentralbank wird zur Senkung der Leitzinsen geraten.

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Deutschland wird nach Ansicht von Forschern und IWF wegen der lahmen Binnennachfrage auch 2006 keinen kräftigen Wirtschaftsaufschwung erleben.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) erwarten in ihren am Mittwoch veröffentlichten Prognosen 2006 einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Prognose sogar auf 1,3 von zuletzt 1,8 Prozent. In diesem Jahr wird die Wirtschaft nach einhelliger Meinung der Experten kaum über ein Prozent Wachstum hinauskommen. „Deutschland steckt auch zur Jahresmitte 2005 in einem Jammertal", sagte DIW-Chef Klaus Zimmermann. Sein Institut sieht Deutschland sogar am Rande einer Deflation und erwartet daher eine kräftige Zinssenkung der EZB.

Bereits in ihrer Gemeinschaftsprognose hatten die sechs führenden Institute Ende April für 2006 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent vorausgesagt nach 0,7 Prozent in diesem Jahr.

Weiter vom Export abhängig

Nach Einschätzung der Institute wird die deutsche Wirtschaft auf absehbare Zeit von der Weltwirtschaft abhängig bleiben. „Gestützt wird die Entwicklung weiterhin von der Expansion im Außenhandel. Nach wie vor wird die Expansion von einer zu schwachen Binnennachfrage behindert", erläuterte das DIW. Während die Berliner Forscher 2006 sogar noch eine Beschleunigung des Exportwachstums von knapp sechs auf gut sieben Prozent erwarten, sagt das IWH eine Verlangsamung auf unter fünf Prozent voraus: „Mit dem Nachlassen des weltwirtschaftlichen Impulses wächst die Gefahr, daß sich das Zeitfenster für eine Beschleunigung der Binnenkonjunktur bald schließt.“ DIW-Konjunkturchef Alfred Steinherr bezweifelte sogar, daß der Funke vom Export überhaupt automatisch auf die Binnenkonjunktur überspringt: „Warum sollten wir mehr konsumieren, nur weil wir mehr exportieren?“

Der private Konsum wird den Instituten zufolge in diesem Jahr fast gar nicht und 2006 weniger als ein Prozent zulegen. „Erst mit einer deutlichen Verbesserung der Aussichten am Arbeitsmarkt im nächsten Jahr wird sich die Konsumlust erhöhen", schrieben die IWH-Forscher. Beide Institute gehen davon aus, daß die Firmen in diesem und im nächsten Jahr wieder mehr investieren werden. „Die Investitionen in Deutschland bewegen sich etwas, aber die Binnennachfrage - die Achillesferse der Wirtschaft - bleibt schwach", sagte Zimmermann. Die Institute sind sich einig, daß die Defizitquote in diesem und im kommenden Jahr die EU-Grenze von drei Prozent überschreitet.

„Ölpreis kann bei 100 Dollar landen“

Ein großes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sehen die Forscher in dem hohen Ölpreis. Das DIW etwa unterstellt in seiner Prognose, daß der Ölpreis von derzeit knapp 57 Dollar pro Barrel wieder unter 50 Dollar fällt. Sollte er aber dauerhaft über 70 Dollar steigen, würde er innerhalb eines Jahres 0,3 Prozentpunkte Wachstum kosten. „Der Ölpreis kann sogar genau so gut bei 100 Dollar landen", beschrieb Steinherr die hohe Unsicherheit der Prognosen.

Ohne den Einfluß des teuren Öls wäre die Inflation in Deutschland sogar schon gefährlich nahe an einer wirtschaftlich extrem schädlichen Deflation, warnte Steinherr. „Die EZB muß und wird das berücksichtigen.“ Das DIW geht davon aus, daß die EZB diese Gefahr in den kommenden Monaten mit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte eindämmt. Das IWH dagegen erwartet wie die meisten Volkswirte, daß die Notenbank 2006 die Zinsen anhebt.

DIW-Chef Zimmermann warnte vor der Hoffnung, ein Regierungswechsel könnte die Wirtschaft bereits 2006 beflügeln. „Hohe Erwartungen können höchstens ein Strohfeuer auslösen.“ Selbst wenn eine neue Regierung beherzt Reformen angehe, würden einige Jahre verstreichen, bis diese ihre volle Wirkung entfalten können.

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