27.10.2004 · Die Stimmung unter Deutschlands Verbrauchern ist eine Mischung aus Verunsicherung durch die Krisen bei Karstadt und Opel und dem Willen, etwas weniger zu sparen. Dies ergab die monatliche Studie der GfK.
Der geplante Stellenabbau bei Unternehmen wie Opel oder Karstadt-Quelle hat nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bei den Verbrauchern die Angst vor Arbeitsplatzverlust und sinkenden Einkommen geschürt.
„Viele Beschäftigte haben vermutlich das Gefühl, daß auch sie demnächst davon betroffen sein könnten", erklärte GfK-Experte Rolf Bürkl am Mittwoch. Die Menschen hätten sich in der Oktober-Umfrage zu ihren Einkommensaussichten und ihren Konsumplänen wieder skeptischer geäußert. Weil die Befragten aber etwas weniger sparen wollten, sei das GfK-Konsumklima für November insgesamt mit 2,3 Punkten stabil geblieben. „Damit ist bezüglich der Konsumkonjunktur das Jahr 2004 mehr oder weniger gelaufen, denn auch zum Jahresende sind keine spürbaren Impulse mehr zu erwarten", fügte Bürkl hinzu.
Die GfK befragt monatlich rund 2.000 Personen und berechnet daraus das Konsumklima für den Folgemonat. Die fehlende Kauflaune der Deutschen gilt als größtes Hindernis für einen kräftigeren Wirtschaftsaufschwung in Deutschland. Der von Rekord zu Rekord eilende Ölpreis und der steigende Euro haben zuletzt die Sorgen genährt, daß auch der Export als bislang einzige Stütze der Konjunktur wegbrechen könnte. Noch gehen Bundesbank und führende Wirtschaftsforscher für 2005 von einem Wachstum um 1,5 Prozent aus, die Regierung ist etwas optimistischer.
„Den Boden gefunden“
Andras Rees von der Hypo-Vereinsbank sieht in den Daten der Befragung Anzeichen dafür, daß das Konsumklima den Abwärtstrend verlassen hat: „Der GfK-Indikator hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Der Grund dafür, daß die Deutschen weiter pessimistisch sind, sind die angekündigten Entlassungen bei Karstadt-Quelle. Ich denke aber, daß der GfK damit den Boden gefunden hat. Das Schlimmste beim privaten Konsum liegt hinter uns, und er sollte in den nächsten beiden Quartalen leicht anziehen.
Auch Andreas Scheuerle von der Deka-Bank sieht in den aktuellen Zahlen etwas Gutes: „Es hätte schlimmer kommen können angesichts der Probleme bei Karstadt und Opel. Die Stabilisierung ist fast schon eine gute Nachricht“, sagt Scheuerle.
Nach Einschätzung der GfK hinterließ der wachsende Konjunkturpessimismus bei den Verbrauchern Spuren. Der Indikator für die Konjunkturerwartungen gab um 4,6 auf minus 16,5 Punkte nach. „Damit haben sich die Hoffnungen auf eine nachhaltige Erholung der Konjunkturstimmung vorerst erledigt", sagte Bürkl. Während auch die für den ZEW-Index befragten Finanzmarktexperten zuletzt zunehmende Skepsis gezeigt hatten, hatten die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen etwas zuversichtlicher auf ihre weiteren Geschäfte geblickt.
Wirtschaftliche Lage kaum besser erwartet
Die Verbraucher rechnen der GfK zufolge dagegen kaum mit einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. „Offenbar haben die Meldungen um Unternehmenskrisen wie bei Karstadt-Quelle und Opel dazu geführt, daß vermehrt Arbeitnehmer um ihren Job fürchten müssen und dann auch ihre Einkommensaussichten vorsichtiger einschätzen", sagte Bürkl. Der Indikator für die Einkommenserwartungen sank um 3,2 auf minus 15,5 Zähler. Viele Beschäftigte befürchteten wohl auch, daß sie auf Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichten müssen, um ihren Arbeitsplatz zu sichern.
Für die bislang besonders unter der fehlenden Kauflaune leidenden Branchen wie den Einzelhandel konnte die GfK keine Hoffnung auf baldige Besserung machen. „Gegenwärtig ist es eher unwahrscheinlich, daß die Verbraucher kurzfristig ihre Zurückhaltung aufgeben werden", sagte Bürkl zum Rückgang der Anschaffungsneigung um 1,2 auf minus 28,6 Punkte. Zur Angst um den Arbeitsplatz kämen noch steigende Energiekosten, die Löcher in die Budgets der Haushalte rissen. Die Rekordpreise für Öl haben nach vorläufigen Berechnungen der Statistischen Bundesamtes die Inflation in Deutschland im Oktober mit 2,1 Prozent auf den höchsten Stand seit der Euro-Bargeldeinführung im Januar 2002 steigen lassen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.393,06 | +1,18% |
| Dow Jones | 12.568,20 | +0,91% |
| EUR/USD | 1,2546 | +0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 107,67 $ | +0,38% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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