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Konjunktur-Kommentar : Die Gunst der Stunde

Der Aufschwung in Deutschland scheint nicht enden zu wollen. Dabei hat die große Koalition die wichtigen Themen Digitalisierung und Demografie verschlafen. Das könnte sich noch rächen.

          Auf den ersten Blick könnten die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die künftige Bundesregierung kaum besser sein: Der Aufschwung in Deutschland geht in die nächste Runde, der Konjunkturmotor läuft.

          Das sind nicht nur gute Nachrichten, wie ein Blick zurück eindrücklich zeigt. Die großen Herausforderungen der Zukunft heißen Digitalisierung und demografischer Wandel, sie sind nicht seit gestern bekannt. Doch trotz prall gefüllter Kassen war von echtem Reformwillen in der letzten Legislaturperiode nicht viel zu sehen. Statt ihre Kräfte in längst überfällige Bildungsinvestitionen oder den Ausbau der digitalen Infrastruktur zu lenken, hat die große Koalition dem Land kurzfristig angelegte sozialpolitische Wohltaten wie die Mütterrente (Union) oder die Rente ab 63 (SPD) beschert.

          Eine richtungsweisende Politik sieht anders aus. Führende deutsche Wirtschaftsforscher weisen die nächste Regierung nun ausdrücklich an, die Weichen für den künftigen Wohlstand zu stellen. Der Spielraum im Haushalt ist nach wie vor groß. Um die notwendigen Anpassungen kommt die Politik nicht herum. Bleibt zu hoffen, dass sie diese nicht irgendwann unter ungünstigeren Umständen nachholen muss.

          Maja Brankovic

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

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